Wien

EU sieht Fortschritte im Kampf gegen Antisemitismus

Foto: Getty Images / istock

Die EU und israelische Forscher sehen gewisse Fortschritte im Kampf gegen Antisemitismus. Zugleich geben weder der Leiter der EU-Grundrechteagentur, Michael O’Flaherty, noch die Experten der Universität Tel Aviv Entwarnung.

O’Flaherty erklärte bei der Europäischen Antisemitismus-Konferenz am Montag in Wien, von 87 Maßnahmen, die ein EU-Strategiepapier vor eineinhalb Jahren vorschlug, würden 50 bereits von den Mitgliedstaaten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und örtlichen oder internationalen Partnern umgesetzt. Von den 27 EU-Staaten hätten 14 bis Ende 2022 eine nationale Antisemitismus-Strategie aufgelegt; 8 weitere arbeiten daran, so O’Flaherty laut Redeskript. Elf Länder entwickelten demnach ein Programm eigens zum Kampf gegen Judenhass, anstatt die Maßnahmen in ein breiteres Programm gegen Rassismus und Intoleranz einzubetten.

Der Chef der Grundrechteagentur mit Sitz in Wien kündigte für Anfang 2024 einen Bericht zur Antisemitismus-Lage in Europa an. Die Erhebungen dafür seien in Gang. Die EU-Kommission in Brüssel will 2024 einen Umsetzungsbericht für ihre Antisemitismus-Strategie vorlegen.

Laut dem ebenfalls am Montag vorgelegten Antisemitismus-Jahresbericht 2022 der Universität Tel Aviv dagegen ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in westlichen Ländern, darunter den USA, stark gestiegen. In Deutschland gehe die Zahl aber zurück, wie aus dem gemeinsam mit der Anti-Defamation League (ADL) erstellten Report hervorgeht. Ähnlich wie EU-Grundrechteagentur-Chef O’Flaherty machten die Forscher einen deutlichen Rückgang von Übergriffen in einigen westlichen Ländern durch wirksame polizeiliche Maßnahmen, Anklagen und Aufklärungskampagnen aus.

In den USA registrierte die ADL 2022 demnach 3.700 einschlägige Vorfälle; etwa 1.000 mehr als im Vorjahr, was bereits einen Rekord dargestellt habe. In den USA leben sechs Millionen Juden. Verbessert hat sich laut Bericht die Lage unter anderem in Deutschland mit seinen rund 118.000 Juden, wo 2.649 »politische Straftaten mit antisemitischem Hintergrund« dokumentiert sind, weniger als der Rekordwert von 3.028 von 2021, aber immer noch deutlich höher als 2020 und 2019.

Als erschreckend bezeichnet der Bericht die zunehmende Gewaltbereitschaft von Verschwörungstheoretikern in Deutschland, darunter 21.000 sogenannte Reichsbürger. Sie seien »durch einen tief verwurzelten Antisemitismus geeint und stellen eine Bedrohung für einzelne Juden und jüdische Institutionen« dar.

O’Flaherty nannte es beunruhigend, aber unverzichtbar, dass jüdische Gemeinden bewaffnete Sicherheitsdienste und Überwachungssysteme brauchten. Unter keinen Umständen dürften ihnen die Kosten dafür überlassen bleiben. Die Pflicht, für die Sicherheit von Bürgern zu sorgen, falle voll dem Staat zu.

Die EU-Kommission hatte im Oktober 2021 eine Strategie gegen Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens vorgelegt und die Mitgliedstaaten zu nationalen Aktionsprogrammen aufgefordert. Die Bundesregierung verabschiedete im November 2022 eine solche nationale Strategie. kna

Europäisches Parlament

»Auschwitz ist eine Fälschung«: Immunität aufgehoben

Der rechtsextreme Politiker Grzegorz Braun muss sich in gleich mehreren Strafverfahren vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Holocaustleugnung

 27.03.2026

Drohung

Katz: Israel verstärkt Angriffe im Iran

Das Vorgehen des Militärs gegen das Mullah-Regime werde nun stärker ausfallen und auf zusätzliche Ziele und Bereiche ausgeweitet, sagt der israelische Verteidigungsminister

 27.03.2026

Berlin

Tausende Straftaten bei israelfeindlichen Demonstrationen

Gewalt- und Propaganda-Delikte sowie Volksverhetzung in Hunderten Fällen wurden registriert

 27.03.2026

Berlin

Demonstration gegen Auftritt von Francesca Albanese

»Wer das Existenzrecht Israels delegitimiert und Gräueltaten rechtfertigt, darf in Berlin keine unwidersprochene Bühne erhalten«, sagen die Organisatoren der Kundgebung

von Imanuel Marcus  27.03.2026

Essay

Keine Empathie für Israel, nirgends

Was mich an der deutschen Reaktion auf den Iran-Krieg irritiert

von Ralf Fücks  27.03.2026

Kommentar

Wie mit dem Völkerrecht Israel delegitimiert wird

Der Angriff auf den Iran sei eindeutig völkerrechtswidrig, sagen zahlreiche Experten. Sie machen es sich zu einfach. Denn es spricht viel dafür, dass Israel ein Recht auf präventive Selbstverteidigung hat

von Monika Polzin  27.03.2026

Berlin

Antisemitischer Angriff in Prenzlauer Berg

Das Opfer schrieb hebräische Texte in ein Buch. Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamts ermittelt

 27.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  27.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026