Interview

»Es darf kein rechtsfreier Raum entstehen«

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte von Nordrhein‐Westfalen Foto: dpa

Interview

»Es darf kein rechtsfreier Raum entstehen«

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über ihr neues Amt als Antisemitismusbeauftragte

von Hans-Ulrich Dillmann  27.11.2018 15:02 Uhr

Frau Leutheusser-Schnarrenberger, haben Sie schon eine Agenda für die ersten 100 Tage im Kampf gegen Judenfeindlichkeit in NRW?
Ich werde meine Arbeit 2019 mit einer Geschäftsstelle in der Staatskanzlei in Düsseldorf beginnen können. Der Antisemitismus kann leider nicht in 100 Tagen erfolgreich bekämpft werden, aber mir ist ganz wichtig, die Bedeutung dieser Aufgabe sichtbar zu machen und Ansprechpartnerin zu sein. Ich werde zuerst Gespräche mit den jüdischen und muslimischen Verbänden und den Abgeordneten führen, die sich einstimmig für einen Antisemitismusbeauftragten ausgesprochen haben.

Sie werden Ihr Amt ehrenamtlich wahrnehmen. Haben Sie innerhalb der Staatskanzlei Gestaltungs- und Handlungsvollmacht in Ihrem Amt?
Selbstverständlich habe ich Gestaltung- und Handlungsmöglichkeiten. Es soll nicht mehr Bürokratie geschaffen werden, sondern kooperativ zusammengearbeitet werden.

Sie sollen auch Ansprechpartnerin für die jüdischen Gemeinden in NRW sein. Haben Sie sich schon mit Ihren Vertretern getroffen und deren Anliegen diskutiert?
Das werde ich als Erstes tun, wenn ich organisatorisch handlungsfähig bin, denn ihre Anliegen sind wichtig für meine künftige Arbeit.

Bayern hat eine Vorreiterrolle in Sachen Antisemitismus, sogar die Justiz hat Beauftragte berufen. Werden Sie als Ministerin in Bayern und ehemalige Bundesjustizministerin von dieser Erfahrung profitieren können und ähnliche Schritte gehen?
Ich kenne Herrn Spaenle, der gerade als Antisemitismusbeauftragter in Bayern bestätigt wurde, und werde gute Vorschläge gern aufgreifen. Überhaupt werden sich die Beauftragten im Bund und in den Ländern untereinander beraten und abstimmen.

Gehen die Strafverfolgungsbehörden zu lasch gegen Antisemiten vor?
Die Justizbehörden gehen nicht zu lasch vor, aber mich beschäftigen auch die Übergriffe, die nicht bei der Justiz landen, wie Pöbeleien, aggressive verbale Auseinandersetzungen, Hetze und Missachtung. Das macht Stimmung gegen Juden – und gegen die muss die gesamte Gesellschaft aktiv werden.

Wo sehen Sie im Justizbereich Schwachstellen, und wo muss nachgeschult werden?
Strafrechtliche Ermittlungen und Gerichtsverfahren müssen zügig durchgeführt werden. Es darf gar nicht der Eindruck rechtsfreier Räume entstehen. Juden müssen sich wieder sicherer fühlen können, und das ist auch die große Aufgabe der Polizei. Schulungen können das Verständnis für diese widerlichen Anfeindungen verbessern.

Mit der Antisemitismusbeauftragten von Nordrhein-Westfalen und ehemaligen Bundesjustizministerin sprach Hans-Ulrich Dillmann.

Deutschland

Klein warnt vor Bedrohung für Juden in Deutschland

Wegen des Krieges in Nahost rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer »gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland«

 01.03.2026

Iran

Britischer Verteidigungsminister: »Iran verliert die Kontrolle über seine Kommandostrukturen«

Großbritannien beteiligt sich am Militäreinsatz gegen den Iran. Verteidigungsminister Healey warnt vor wahllosen iranischen Angriffen

 01.03.2026

Türkei

Exil-Iraner im Glück

Nach dem Tod Chameneis feiern Exil-Iraner in der Türkei die Möglichkeit ihrer Rückkehr. Doch schwingt auch Sorge mit

 01.03.2026

Iran

Iran bestätigt Chameneis Tod und droht mit Vergeltung

Die staatlichen Medien des Iran haben Chameneis Tod bestätigt. Die Angriffe gehen beidseitig weiter - auch auf Golfstaaten

 01.03.2026

USA/Iran

Trump bestätigt: Chamenei ist tot

In Teheran bricht nach Berichten über den Tod von Irans obersten Führer spontan Jubel aus

 28.02.2026

USA

Ist Ajatollah Ali Chamenei noch am Leben? Nun äußert sich Donald Trump

 28.02.2026

Krieg

Explosionen in Tel Aviv. Eine Tote, mehrere Verletzte

Nach einem Raketenangriff aus dem Iran melden Einwohner laute Explosionen in Tel Aviv

 28.02.2026

Israel

Israelische Medien: Chameneis Leiche wurde gefunden

Die Hintergründe

 28.02.2026 Aktualisiert

Jerusalem/Teheran

»Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Tyrann nicht mehr existiert«

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat bekanntgegeben, dass Irans Oberster Führer Ali Chamenei bei den Angriffen Israels und der USA getötet wurde

 28.02.2026 Aktualisiert