Einspruch

Ermutigung durch Vielfalt

Dieter Graumann Foto: Das Portrait

»One people, one community« – so hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Gemeindetag in Hamburg überschrieben. Geht das überhaupt? Sich als eine Gemeinschaft zu fühlen, obwohl die Unterschiede so groß sind?

Ja, das geht! Das hat für mich der Gemeindetag ganz deutlich gezeigt. Es wurde lebhaft diskutiert, wie es gute Tradition im Judentum ist. Schließlich gibt es in unserer Gemeinschaft viele Strömungen, viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit ganz individuellen Erfahrungen und Schicksalen.

Aber wir sind eine Gemeinschaft. Der Gemeindetag war getragen von einem starken Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Verbundenheit. Ein neuer jüdischer »Spirit« ist zu spüren, der uns tragen wird.

Chancen Das Judentum in Deutschland als monolithischer Block? Nein! Das Streiten und Debattieren, die Suche nach dem besten Weg, das Ringen um Lösungen – all das gehört zu uns Juden, seit es das Judentum gibt. Unsere Pluralität ist kein Problem, sondern eine Herausforderung und voller Chancen. Sie erfordert viel: Geduld, Geschick, Gespräche, auch etwas Chuzpe, um alle unter dem Dach einer Gemeinde zu vereinen. Vor allem aber: Die Vielfalt bereichert uns!

Den Gemeindetag am ersten Juni-Wochenende in Hamburg habe ich als Festival der Vielfalt erlebt. Sie war zu sehen, zu hören, zu spüren. Sie macht uns lebendig. Sie ist ein Schatz. Noch viel stärker als in den vergangenen Jahrzehnten haben wir die Möglichkeit, unseren kulturellen und spirituellen Reichtum zu präsentieren. Das sollten wir auch beherzt tun! Und selbstbewusst können wir sagen: Das bereichert auch die nichtjüdische Gesellschaft in Deutschland.

Mittlerweile taucht hin und wieder die Frage auf, ob unsere Gemeinschaft anknüpfen könne an die Blüte der jüdischen Kultur in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer weiß? Aber dass diese Frage überhaupt gestellt wird, ist doch schon ein wunderbares Zeichen. Das sollte uns ermutigen!

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