München

Anfangsverdacht auf Volksverhetzung

Bezeichnete die Grünen als »die neuen Juden«: Ex-Stadtrat Bernd Schreyer Foto: Grünen-Fraktion München

München

Anfangsverdacht auf Volksverhetzung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Tweet des Grünen-Politikers Bernd Schreyer

 23.06.2023 13:36 Uhr

Gegen den früheren Münchner Stadtrat und einstigen bayerischen Landesvorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen, Bernd Schreyer, sind Ermittlungen wegen möglicher Volksverhetzung eingeleitet worden. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München der Jüdischen Allgemeinen. Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz, Andreas Franck, sei mit den Ermittlungen betraut. Die »Bild«-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.

Die Veröffentlichung der entsprechenden Aussagen auf Twitter hätten einen Anfangsverdacht begründet, so der Sprecher. Allerdings könne, wie bei jedem Ermittlungsverfahren, die Motivation der Tat und das Verhalten des Beschuldigten im Anschluss bei der Bewertung des Vorgangs durch die Staatsanwaltschaft eine Rolle spielen, betonte er.

MANDATSVERZICHT Der 71-jährige Schreyer hatte Anfang letzter Woche sein Mandat im Münchner Stadtparlament niedergelegt. Zuvor hatte er in einem Tweet Kritik an seiner Partei und ihrer Energiepolitik in einen Zusammenhang mit dem Hass auf Juden vor hundert Jahren gestellt.

Wörtlich schrieb Schreyer: »Obwohl es nie ein Heizungsverbot gab, ist es gelungen so gegen Grüne aufzuwiegeln, als seien sie d. ›neuen Juden‹, die ›ausgemerzt‹ werden müssen um Deutschland wieder alles Glück und Wohlstand zu bringen.«

Der Tweet hatte umgehend scharfe Kritik ausgelöst. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, nannte Schreyers Aussagen »verletzend und verantwortungslos«. Der Kommunalpolitiker hatte seinen Kommentar zwar umgehend wieder gelöscht, eine Entschuldigung zunächst aber verweigert. Als die Kritik an ihm nicht nachließ, trat der Politiker dann am 12. Juni aus dem Stadtrat zurück und veröffentlichte eine Entschuldigung.

HÜRDEN Gravierender als die politischen könnten für ihn aber möglicherweise die juristischen Konsequenzen sein. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts einer Straftat nach Paragraph 130 des Strafgesetzbuchs.

Dort heißt es in Absatz 3: »Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.«

Zwar sind die Hürden für eine Verurteilung hoch – vor allem, wenn es um Aussagen im Zuge politischer Debatten, zum Beispiel in Wahlkämpfen, geht. Dennoch kam es in jüngster Zeit auch vereinzelt zu Verurteilungen. So bejahte das Bayerische Oberste Landesgericht bei Fällen von Vergleichen zwischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und dem Holocaust das Vorliegen einer Strafbarkeit. Da es sich bei der Volksverhetzung um ein sogenanntes Offizialdelikt handelt, wird sie von Amts wegen durch die Staatsanwälte verfolgt. ja

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Schwerin/Rostock

Kurs Rot-Rot-Grün: Verhandlungen starten am Montag

SPD, Linke und Grüne wollen in Mecklenburg-Vorpommern über eine Koalition verhandeln. Dafür stimmten alle drei Parteien. Für die Grünen wäre eine Regierungsbeteiligung dort eine Premiere

 11.10.2026

Franziska Giffey

Nach der Wahl in Berlin

Franziska Giffey spricht sich gegen Koalition mit Linkspartei aus

Die noch amtierende Wirtschaftssenatorin sieht keine Basis für eine Koalition mit der Linken in Berlin. Die SPD-Politikerin fordert klare Positionen im Kampf gegen Antisemitismus. Unterdessen verteidigt Thüringens Ex-Ministerpräsident Ramelow die Sondierer gegen Kritik aus den eigenen Reihen

 11.10.2026

Nahost

Abbas verschiebt Parlaments- und Präsidentenwahl

Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es keine Parlamentswahl mehr

 11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Teilnehmer einer Demonstration »United4Palestine« halten Palästinenserflaggen, auch eine Flagge der Linken und eine Queer-Flagge sind zu sehen.

Berlin

Israelfeindliche Demonstration durchs Regierungsviertel

Rund 3.500 Menschen nehmen an der Demonstration unter dem Motto »United4Palestine« teil. Auch Politiker und Aktivisten der Linkspartei waren dabei. Einige Demonstranten wurden festgenommen

 11.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Saudi-Arabien

Mindestens zwölf Tote bei Angriff auf Flughafen in Riad

Der Konflikt zwischen den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen und Saudi-Arabien eskaliert. Bei dem Angriff auf den Flughafen King Chalid gibt es Tote und Hunderte Verletzte. Wie reagiert Washington?

 11.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Hans-Georg Lindenau in seinem Ladengeschäft »M99 Gemischtwaren mit Revolutionsbedarf«

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026 Aktualisiert