Vereinte Nationen

Ergebnis: mangelhaft

Auf dem Rückzug: Israelische Soldaten verlassen Ende Januar den Gaza-Streifen. Foto: Flash 90

Ein UN-Ausschuss hat am Dienstag die mangelnde Aufklärung der Kriegsverbrechen von Israelis und Palästinensern im Gazakrieg Anfang 2009 scharf kritisiert. Beide Seiten seien der Forderung, die der sogenannte Goldstone-Report des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr gestellt hatte, nur unzureichend bis gar nicht nachgekommen: »Die Ermittlungen sind in einigen Fällen unvollständig und erfüllen in anderen Fällen nicht die internationalen Standards«, bemängelte der Völkerrechtler Christian Tomuschat, einer der drei unabhängigen Experten.

Israel habe zwar gegen viele eigene Soldaten Ermittlungen eingeleitet. Allerdings sei es in nur vier Fällen auch zu einer Anklage gekommen. Tomuschat äußerte indirekt Zweifel, dass Israel den Vorwürfen unparteiisch nachgegangen sei. Die Hamas wiederum habe gar keine Ermittlungen eingeleitet, rügte der deutsche Völkerrechtler. Weder hätten die Gerichte in Gaza sich mit den Vorwürfen von Kriegsverbrechen gegen israelische Zivilisten befasst, noch sei von der Hamas nachgewiesen worden, dass sie, wie im Goldstone-Bericht gefordert, inhaftierte Oppositionelle auf freien Fuß gesetzt habe. Am kommenden Montag will die dreiköpfige Tomuschat-Kommission ihren Bericht offiziell im UN-Menschenrechtsrat in Genf vorstellen.

strafgerichtshof Handfeste Folgen könnte das vor allem für Israel haben: Werden Kriegsverbrechen nicht vor Ort aufgeklärt und geahndet, darf sich Den Haag einschalten - so lautet das Grundprinzip des Internationalen Strafgerichtshofs, der 2003 seine Arbeit aufgenommen hat. Obwohl Israel, wie fast alle Staaten der Region, den neuen Gerichtshof nicht akzeptiert, hat die Palästinensische Autonomiebehörde zuletzt mehrmals in Den Haag vorgesprochen und darauf gedrungen, eine Zuständigkeit des Gerichtshofs dennoch auf Umwegen zu ermöglichen. Bislang ohne Erfolg.

Bis zur offiziellen Vorstellung des Berichts am Montag will Jerusalem sich zu den Vorwürfen nicht äußern. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung aber immer darauf verwiesen, mögliche Verfehlungen israelischer Soldaten im Gazakrieg selbst zu verfolgen. Dazu wurde eigens eine Untersuchungskommission eingerichtet. Erst vor zwei Wochen hatte Jerusalem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ausführlich über 150 untersuchte Fälle, 47 Ermittlungsverfahren und vier Verurteilungen informiert. Mit der Kommission hingegen verweigert Israel jede Zusammenarbeit.

Neutral? Der Vorwurf der Voreingenommenheit, den Tomuschat an die israelische Justiz richtet, wurde in der Vergangenheit auch gegen ihn selbst erhoben. Der mittlerweile emeritierte Professor der Berliner Humboldt-Universität erarbeitete 1996 gemeinsam mit einer Gruppe von Völkerrechtlern ein juristisches Gutachten zum Nahost-Konflikt - damals für einen Auftraggeber namens Jassir Arafat. Das Gutachten empfahl dem damaligen PLO-Chef, sein Anliegen in die UN-Vollversammlung zu tragen, von wo es an den Internationalen Gerichtshof verwiesen werden könne. Mit der Frage, ob diese frühere Tätigkeit für eine der beiden Konfliktparteien Tomuschats Neutralität infrage stelle, konfrontierte ihn erstmals die israelische Tageszeitung Jerusalem Post im Juli. Tomuschat wies dies zurück. Sein Gutachten von 1996 sei objektiv gewesen, die Tätigkeit somit kein »Makel«, der ihn zum Rücktritt von seiner Position als unabhängiger UN-Beobachter bewegen müsste.

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  17.07.2026 Aktualisiert

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026

Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

Zu den Gründen für den Vertrauensverlust gehören Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter. Rubio hingegen hat schon immer Unterstützung für Israel gezeigt

 17.07.2026

Reform

Die Rente ist sicher

Trotz Stimmungstief in Deutschland: Die Vorschläge der Alterssicherungskommission weisen in die richtige Richtung

von Ayala Goldmann  17.07.2026

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

Budva

Israelis in Montenegro attackiert: Opfer berichtet von gebrochenem Kiefer

Einer der betroffenen Touristen: »Sie beschimpften uns, traten uns und warfen Stühle nach uns.«

 17.07.2026