Meinung

Ende der Märchenstunde

Das kommt nicht eben häufig vor: Der Jüdische Weltkongress und Israels Regierung loben den Papst. In seinem neuen Buch, das diese Woche erscheint, betont Benedikt XVI.: Das jüdische Volk ist nicht schuld am Tod Jesu. Keine besondere Enthüllung. Schon 1965 gelangte der Vatikan während des Zweiten Vatikanischen Konzils zu dieser Erkenntnis. Doch kann sie der Papst nicht oft genug wiederholen, denn nur so werden alle Gläubigen sie auch verinnerlichen. Jahrhundertelang predigte die Kirche das böse Märchen vom jüdischen Gottesmord. Wie kann sich da von heute auf morgen die Ansicht durchsetzen, dass die Geschichte eigentlich ganz anders verlief? Leider war der Vatikan bisher wenig ambitioniert, die neue Lehre in alle Gemeinden zu tragen. Oft stand innenpolitisches Kalkül im Weg – die Angst, ultrakonservative Kreise könnten sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn die Kirchenführung von ihrer antijüdischen Linie abweicht. Übrigens: Am Mittwoch hat für Christen die Passionszeit begonnen. Der Papst sollte die 40 Tage gut nutzen, um seine Bischöfe und Priester weltweit aufzufordern, in ihren Karfreitagspredigten zu betonen, dass »die Juden« keine Jesusmörder waren. Dann wird man ihm abnehmen, dass er es mit seinem Respekt vor dem Judentum ernst meint.

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Großbritannien

Premier Burnham: Iran steckt hinter geplantem Angriff auf US-Militärbasis

Mehrere Männer werden verdächtigt, einen Anschlag auf einen Militärstützpunkt in Großbritannien geplant zu haben. Nun sagt der britische Premier: Das waren die iranischen Revolutionsgarden

 13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Sachsen-Anhalt

So instrumentalisiert die AfD den Eklat von Halle

AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider geriert sich als Opfer »fanatisierter Studenten«. Eine Einordnung

von André Anchuelo  12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Berlin

Merz fordert SPD und Grüne auf, nicht mit Linken zu koalieren

Gibt es in Berlin eine rot-rot-grüne Koalition? Der Kanzler appelliert an SPD und Grüne

 12.10.2026