Der Zentralrat der Juden kritisiert die Behauptungen von Claudia Roth, der Zentralrat habe eine Kampagne gegen die Grünen-Politikerin gefahren. Wie der »Stern« berichtet, ist aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden zu hören, dass Claudia Roth »im Kampf gegen die politische Bedeutungslosigkeit anscheinend jedes Mittel recht« sei.
Dies umfasse sogar »die Erfindung einer jüdischen Verschwörung«, heißt es weiter. Es sei Zeit für die Politikerin, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Ex-Kulturstaatsministerin hatte im Podcast des Journalisten Tilo Jung bereut, das umstrittene israelische-palästinensische Regisseur-Duo Yuval Abraham und Basel Adra für seine israelfeindlichen Aussagen auf der Berlinale 2024 kritisiert zu haben. Roth, damals Kulturstaatsministerin, hatte während der Rede erst applaudiert, aber später dem »Spiegel« gesagt, sie halte es für »sehr problematisch«, Israel Apartheid und Genozid vorzuwerfen, wie Adra und Abraham dies in ihrer Dankesrede bei dem Filmfestival getan hat.
Heute bezeichnet sie ihre Kritik im Gespräch mit dem Journalisten Tilo Jung als »totalen Fehler«. Freunde - im Ausland, wie Roth nachschiebt - hätten sie gefragt: »Wann befreist du dich endlich von diesem… von dieser Schuld der Geschichte? Wann gehst du anders damit um? Und wann wirst du so frei, anders damit umzugehen?«.
Der »unfassbare Druck vom Zentralrat, von so vielen Kreisen« sei Auslöser für ihre damaligen Äußerungen gewesen, sagt Roth. Wörtlich spricht sie von der »schlimmsten Zeit meines Lebens«. Negativ in Erinnerung geblieben ist ihr auch ihre Teilnahme beim jüdischen Jewrovision-Musikfestival, das vom Zentralrat veranstaltet wird. Dort habe man sie »gezielt und kampagnenmäßig ausgepfiffen«, so Roth.
Sie habe das Gefühl gehabt, ihr werde »alles weggenommen, was dein ganzes Leben bestimmt hat«. Dabei habe sie sich doch zeitlebens »klar gegen Antisemitismus, gegen Rassismus« gestellt. Veranstalter der Jewrovision ist ebenfalls der Zentralrat.
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und wie Claudia Roth ebenfalls Mitglied der Grünen, warf ihr nach dem Interview bei Tilo Jung vor mit ihren Aussagen nur »eine Ecke vom Schuldkult-Vorwurf« entfernt zu sein, wie er unter anderem von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke geäußert wird. »Roth zitiert hier zwar ›Freunde‹, macht sich den Gedanken aber zu eigen. Damit liegt sie durchaus im Trend der antiisraelischen Bewegung unter dem Motto ›Free Palestine from German Guilt‹«, teilte Beck mit.
Gegen diesen Vorwurf wehrt sich nun Claudia Roth. »Die Unterstellungen gegen mich sind absolut inakzeptabel«, sagte sie dem »Stern«. »Die Aufarbeitung der Verbrechen der deutschen Geschichte und die immerwährende Verantwortung, die daraus erwächst, sind schon mein ganzes politisches Leben lang eines meiner wichtigsten Anliegen. Das war immer so, und das bleibt auch so. Ich widerspreche jeglicher anderslautenden Interpretation meiner Worte deutlich.« ja