Interview

»Eingriff in die Religionsfreiheit«

Yakov Hadas-Handelsman Foto: Marco Limberg

Herr Botschafter, wie bewerten Sie die Entscheidung des Bundestags vom vergangenen Donnerstag, in der sich die große Mehrheit des Parlaments für religiöse Beschneidungen ausgesprochen hat?
Das ist ein positiver Schritt, aber eben nur ein Schritt auf dem Weg zu einer Lösung. Nach dem Urteil des Kölner Landgerichts besteht Rechtsunsicherheit. Meiner Meinung nach – und ich sage das als Gast in diesem Land – sollte das Problem schnell gelöst werden.

Fürchten Sie ernsthaft um die Religionsfreiheit in der Bundesrepublik?
Wenn eine Regierung oder Behörde in Bezug auf die Rituale einer Religion Entscheidungen trifft, dann stellt das einen Eingriff in die Religionsfreiheit dar. Wenn die Ausübung eines religiösen Gebotes verboten und unter Strafe gestellt wird, ist die freie Religionsausübung beeinträchtigt.

Finden Sie die Diskussion um die Strafbarkeit der Brit Mila – gerade in Deutschland – nicht befremdlich?
Ich weiß. dass ein solches Urteil in Israel nicht gefällt werden würde. Könnten Sie sich vorstellen, welche Reaktionen es weltweit gäbe, wenn ein Gericht in Israel eine vergleichbare Entscheidung getroffen hätte? Aber dieses Urteil in Köln ist nun einmal gefallen, die Diskussion wird in Deutschland geführt, nun müssen alle damit umgehen. Die Konsequenzen sind bekannt.

Wie bewerten Sie die Argumente in der öffentlichen Debatte?
Die Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Deutschen gegen Beschneidungen ist. Aus, wie es heißt, Sorge um die Gesundheit des Kindes. Das halte ich für merkwürdig. In den USA beispielsweise wird die Mehrheit der männlichen Neugeborenen beschnitten – gerade aus gesundheitlichen Gründen. Dort, wo Religion und Staat deutlich voneinander getrennt sind, geschieht dies nicht etwa, weil man es den Juden recht machen will. Vielmehr haben langjährige medizinische Untersuchungen ergeben, dass die Beschneidung der Gesundheit zuträglich ist. Alles ist diskussionsfähig, aber man muss eben auch die Fakten betrachten.

In Deutschlands öffentlicher Debatte sind nicht selten auch antisemitische Töne zu hören. Verwundert Sie das?
Es ist bedauerlich, dass es solche Ewiggestrigen gibt, aber es ist keine Überraschung. Ich finde es weniger wichtig, was von ihnen gesagt oder geschrieben wird. Wichtiger ist, was wir glauben und tun. Judenfeindliche Äußerungen wird es immer geben – heute wegen der Beschneidung, morgen wegen eines anderen Themas.

Das Kölner Urteil provozierte sehr emotionale Äußerungen jüdischer Repräsentanten, die Deutschland als Heimat für Juden infrage stellten. Was sagen Sie ihnen?
Die Juden in Deutschland sind deutsche Staatsbürger. Aber sie wissen, dass sie immer das Recht und die Möglichkeit haben, nach Israel zu kommen.

Mit dem Botschafter des Staates Israel sprach Detlef David Kauschke.

Brandenburg

Brandanschlag: Jüdische Gemeinden stellen sich hinter Büttner

Im Fall des Brandanschlags auf das Anwesen des brandenburgischen Antisemitismusbeauftragten gibt es viele offene Fragen. Die örtliche jüdische Gemeinde solidarisiert Sicherheit mit Andreas Büttner

 15.05.2026

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

USA

Gericht setzt Sanktionen gegen Francesca Albanese aus

Ein Richter in Washington hat Sanktionen der Trump-Regierung gegen die UN-Berichterstatterin vorerst gestoppt. Die USA werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor

 15.05.2026

London

König Charles besucht Opfer der Messerattacken in Golders Green

Der Monarch spricht auch mit dem 76-jährigen Norman Shine, der im April bei einer antisemitisch motivierten Mersserattacke an einer Bushaltestelle am Hals verletzt worden war

 15.05.2026

Würzburg

Schuster sieht Gleichgültigkeit bei Judenhass - Zivilcourage gefragt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt vor einem Wegsehen bei Antisemitismus in Deutschland. Und gibt konkrete Tipps, wie man auf judenfeindliche Sprüche reagieren sollte

 15.05.2026

Peking

Trump erhöht Druck auf Iran

»Ich werde nicht mehr besonders lange geduldig sein«, sagt der amerikanische Präsident

 15.05.2026

Spanien

FC Barcelona distanziert sich von Jungstar Yamal – Entschuldigung an israelische Fans

»Wir möchten betonen, dass der betreffende Moment im Vorfeld von keiner mit dem FC Barcelona verbundenen Partei geplant war«, schreibt der Verein auf Hebräisch

 15.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  14.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Hilfsflotte sticht von Türkei aus erneut in See

Israel wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor

 14.05.2026