Bundespräsidentenwahl

»Ein Mann des Dialogs«

Bundespräsident Joachim Gauck gratuliert seinem gewählten Amtsnachfolger zur Wahl. Foto: dpa

Frank-Walter Steinmeier wird neuer Bundespräsident. Die Bundesversammlung wählte den 61-jährigen SPD-Politiker am Sonntag im ersten Wahlgang zum neuen Staatsoberhaupt. Steinmeier erhielt 931 Stimmen. Für die notwendige absolute Mehrheit waren mindestens 631 Stimmen erforderlich. In seiner Rede dankte Steinmeier der Bundesversammlung. Er versprach, auch um das Vertrauen derjenigen zu werben, die ihn nicht gewählt haben. »Mein großer Respekt vor dem Amt, der bleibt«, sagte er im Berliner Reichstag.

Steinmeier warb für die Verteidigung demokratischer Werte und für den Erhalt der Europäischen Union. Man lebe in stürmischen Zeiten, viele seien verunsichert. Wenn das Fundament der Gesellschaft wackele, müsse man umso fester zu diesem Fundament stehen. Zudem würdigte Steinmeier den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck für dessen Verdienste als Staatsoberhaupt.

Der von der Linkspartei nominierte Armutsforscher Christoph Butterwegge erhielt bei der Wahl in der Bundesversammlung 128 Stimmen. Für den AfD-Kandidaten Albrecht Glaser stimmten 42 Wahlleute, für den Vertreter der Freien Wähler, Alexander Hold, 25 Wahlmänner und -frauen. Der fünfte Kandidat Engelbert Sonneborn bekam zehn Stimmen. Abgegeben wurden 1.239 gültige Stimmen, darunter 103 Enthaltungen.

kandidat Steinmeier wird damit als zwölfter Bundespräsident Nachfolger von Joachim Gauck (77), der aus Altersgründen nicht noch einmal antrat. Seine Amtszeit endet offiziell am 18. März. Steinmeier war bis vor kurzem Außenminister und ging als Kandidat der großen Koalition in die Wahl zum Bundespräsidenten. Seine Wahl galt daher als sicher.

Der SPD-Politiker stammt aus dem nordrhein-westfälischen Brakelsiek. Seine politische Karriere begann Steinmeier 1993 als Büroleiter des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Kanzlers Gerhard Schröder (SPD). Später war er Kanzleramtschef und bereits in der großen Koalition von 2005 bis 2009 Außenminister.

reaktionen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte vor der Wahl die herausragende Rolle des deutschen Staatsoberhauptes in der heutigen Zeit betont. »Den demokratischen Grundkonsens zu artikulieren ist schwieriger geworden«, sagte er bei der Eröffnung der Bundesversammlung. Es gebe immer mehr Einzelinteressen und es werde eher das Trennende als das Einigende betont. »Das macht die Aufgabe des Bundespräsidenten nicht einfacher, aber seine Bedeutung im Verfassungsgefüge umso größer«, sagte Lammert. Mit einem Plädoyer für Offenheit und Liberalität statt Abschottung und Nationalismus erntete Lammert stehende Ovationen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland gratulierte Frank-Walter Steinmeier zur Wahl zum Bundespräsidenten und wünscht ihm für seine Amtszeit viel Erfolg. In einem persönlichen Glückwunschschreiben hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass sich Steinmeier auch in seinem neuen Amt tatkräftig gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einsetzen werde.

»Frank-Walter Steinmeier zählt ohne Zweifel zu den aufrechten und standfesten Verfechtern unserer demokratischen Werte und unseres Rechtsstaats«, hob Schuster hervor. Er sei »ein Mann des Dialogs, der seinen Gesprächspartnern mit Empathie und Offenheit« gegenübertrete. Zudem bringe er ein festes Wertegerüst sowie großes Verständnis für die Belange der Religionsgemeinschaften mit, so Schuster weiter. »Wir sind zuversichtlich, dass Frank-Walter Steinmeier in seinem Amt für eine pluralistische, tolerante und offene Gesellschaft einstehen wird.«

verantwortung Darüber hinaus würden Steinmeier die Erinnerung an die Schoa sowie die daraus resultierende Verantwortung für Israel sehr am Herzen liegen. »Er hat stets betont, dass das Existenzrecht Israels und seine Sicherheit nicht verhandelbar seien«, so Schuster. »Wir gehen davon aus, dass er auch in dieser Hinsicht an das positive politische Wirken seines Amtsvorgängers Joachim Gauck anknüpfen wird.« epd/ja

Teheran

Chamenei bekräftigt Unterstützung für Hisbollah

Es gebe »keinen anderen Weg als Dschihad und Widerstand« gegen Israel, sagt der Oberste Führer

 27.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Berlin

Felix Klein: »Brandmauer muss aufrechterhalten werden«

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung wendet sich gegen eine Öffnung der CDU zur AfD. Zur Begründung nennt er das AfD-Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt

 27.07.2026

Seattle

Drei Tote und mehrere Verletzte bei Schießerei auf Foodfestival

Unter den Verletzten ist ein zweijähriges Kind. Bürgermeisterin Katie Wilson: »Betroffene Familien erleben den schlimmsten Moment ihres Lebens.«

 27.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran vorerst aus – Raum für neue Verhandlungen

Der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz sagt, Washington schließe eine erneute militärische Eskalation keineswegs aus

 27.07.2026

Berlin

Mutmaßlicher CSD-Täter tot – Bundesanwalt übernimmt Ermittlungen

Einen Tag nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD ist der mutmaßliche Täter nach Polizeischüssen gestorben. Behörden zufolge hatte er in der Vergangenheit versucht, sich dem IS anzuschließen

 27.07.2026 Aktualisiert

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026