Interview

»Ein großer Rückhalt«

Silvan Shalom Foto: Flash 90

Herr Minister, mit der Grundsatzrede von Regierungschef Benjamin Netanjahu vor dem US-Kongress hat man große Erwartungen verknüpft. Wurden sie erfüllt?
Ich fand seine Rede sehr gut und wichtig. Die Reaktionen im Kongress haben den Palästinensern und der arabischen Welt gezeigt, welchen Rückhalt Israel in den USA hat. Netanjahu hat sogar jede Menge Beifall bekommen. Etwa, als er sagte, Israel sei keine Besatzungsmacht, weil Juden seit 4.000 Jahren in dieser Region leben. Der Premier hat betont, dass Jerusalem Israels ewige Hauptstadt bleibe und den Anspruch auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge niemals akzeptieren werde. Und er hat klargemacht, dass es keine Gespräche mit den Palästinensern gibt, solange die Hamas an der Regierung beteiligt ist.

Hat Netanjahu mit seinen Bedenken gegen die 67er-Grenzen Gehör gefunden?
Wenn Sie sich zum Beispiel die aktuelle Erklärung des G8-Gipfels ansehen, ist der Hinweis auf diese Grenzen dort nicht mehr enthalten. Das geschah auf Initiative Kanadas, weil man dort registriert hat, dass Israel nicht sicher in diesen Grenzen existieren kann.

Macht das Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung innenpolitisch den Weg frei zu einer großen Koalition?
Ich glaube nicht, dass Kadima eine große Koalition anstrebt. Die Partei meint, nur über die Opposition an die Macht zu kommen. Ich bin zwar der Auffassung, dass eine Einheitsregierung gut wäre für Israel. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Die Palästinenser wollen sich im September in der UN um die Anerkennung eines eigenen Staates bemühen. Was kann Israel dagegen tun?
Wir sollten die Frage stellen, warum sie diesen einseitigen Schritt unternehmen. Die Palästinenserführung hat uns 2005 kritisiert, als wir uns ebenfalls einseitig zum Rückzug aus Gaza entschlossen. Wir sollten die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, die der Gründung zustimmen wollen, fragen, wer dann in einem palästinensischen Staat des Sagen haben wird: Fatah oder Hamas, eine Organisation, die zur Zerstörung Israels aufruft. Übrigens: Die Palästinenser haben bereits 1988 einen eigenen Staat deklariert. Und was geschah? Nichts.

Es folgte Terror. Droht eine dritte Intifada?
Auch nach zwei Intifadas ist nichts geschehen. Ich glaube, Mahmud Abbas war der Erste in der Palästinenserführung, der realisierte, dass man besser auf friedlichem Weg als durch Terror seine Ziele erreicht.

Was also wird im September passieren?
Die EU unterstützt das Vorhaben der Palästinenser nicht und stimmt mit den USA, Kanada, Australien und Japan dagegen. Die arabischen, islamischen und afrikanischen Staaten werden vielleicht mit einigen lateinamerikanischen Ländern dafür stimmen. Aber wenn sich der Westen gegen einen solchen Plan ausspricht, sind die Palästinenser keinen Schritt weiter.

Mit dem israelischen Vize-Ministerpräsidenten sprach Detlef David Kauschke.

Sachsen-Anhalt

AfD-Wahlsieger Siegmund: Stelle mich im Dezember zur Wahl

Ob es dann tatsächlich für eine Mehrheit reicht, ist offen. Die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren nimmt derweil wieder Fahrt auf

 29.09.2026 Aktualisiert

Österreich

Israelische Familie wegen Herkunft nicht bedient?

An einem Imbissstand im Salzburger Land wurden Touristen mutmaßliche Opfer antisemitischer Diskriminierung

 29.09.2026

Jahrestag

Terrorunterstützer planen für den 7. Oktober israelfeindliche Demos

In Duisburg, Frankfurt, Hannover und Köln sind Kundgebungen vorgesehen. Aufrufe zur Teilnahme enthalten unverblümte Terroraufrufe

von Imanuel Marcus  29.09.2026

UNO

Francesca Albanese korrigiert umstrittene Holocaust-Aussage

In einem Interview hatte die Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete behauptet, Juden seien in Konzentrationslagern auf dem Weg in die Gaskammern als »Muslime« bezeichnet worden

 29.09.2026

Washington D.C.

Sanktionserleichterungen für Iran? Trump dementiert Bericht

Wie geht es weiter im US-Krieg gegen den Iran? Im Gespräch sollen Sanktionserleichterungen für Teheran sein. Der US-Präsident bestreitet das

 29.09.2026

Berlin

Berliner Linke gerät wegen weiterer Clan-Kontakte unter Druck

Welche Großfamilie war noch auf der Wahlparty der linken Wahlgewinner vertreten?

 29.09.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag

Nach dem Willen von Grünen und SPD soll es sich um ein »gemeinsames Vorgespräch« zur Verständigung bei dem zuletzt heftig diskutierten Thema Antisemitismus handeln

 29.09.2026

25 Jahre nach Durban-Erklärung

Wegen Judenhass: Deutschland bleibt UN-Treffen zu Rassismus fern

Die Bundesrepublik hat nicht an einem umstrittenen UN-Treffen zum Kampf gegen Rassismus in New York teilgenommen

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026