Interview

»Ein Forum des Dialogs«

W. Michael Blumenthal Foto: Marco Limberg

Herr Blumenthal, an diesem Samstag eröffnet das Jüdische Museum Berlin seine Akademie. Was erwartet die Besucher?
Zunächst einmal ist die Akademie des Jüdischen Museums ein Gebäude in der früheren Blumengroßmarkthalle. Über einen von Daniel Libeskind entworfenen Eingangsbereich betreten Besucher künftig diese neuen Räume. Hier werden sie unsere Bibliothek und das Archiv finden. Damit sind diese Einrichtungen für unsere Besucher endlich direkt zugänglich. Auch die Museumspädagogik wird sich entfalten können. Denn dieser größte Bereich des Museums hatte bisher keine eigenen Räume für seine Arbeit mit Schülern und Lehrern. Im Inneren der Akademie wird sich außerdem der sogenannte Garten der Diaspora befinden, der sich mit Aspekten des jüdischen Lebens in der Galut auseinandersetzt.

Die Akademie will auch neue inhaltliche Schwerpunkte setzen, insbesondere Fragen der Migration, Integration und interkulturellen Bildung. Warum diese Themen?
Das Jüdische Museum Berlin ist in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Forum der Begegnung und des Austauschs geworden. Wir werden uns mit der Akademie verstärkt in einem Bereich engagieren, in dem Fragen nach einem erfolgreichen Zusammenleben unterschiedlichster Gruppen gestellt werden, seien es deutsche oder ausländische Staatsbürger. Die Akademie versteht sich als ein Forum, das mit pädagogischen und wissenschaftlichen Programmen, politischen Initiativen, Tagungen, Kolloquien und Seminaren Dialoge initiiert und unterschiedlichste Akteure miteinander ins Gespräch bringt. Mit diesem Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Bürgern wollen wir eine Stimme im sich verändernden Deutschland haben.

Bildungs- und Kulturarbeit kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?
Der Bau wurde überhaupt erst durch eine großzügige Spende von Eric F. Ross ermöglicht. Die American Friends of the Jewish Museum Berlin haben den Libeskind-Entwurf erworben. Für die laufende Arbeit hat der Bund seinen jährlichen Zuschuss deutlich erhöht. Darüber hinaus war es uns möglich, eine Vielzahl von Spendern zu gewinnen, die die Arbeit der Akademie mit großen Zuwendungen unterstützen. Dieses Public-Private-Partnership-Modell steht in der Tradition des Jüdischen Museums Berlin.

Welche ersten Programme planen Sie?
Viele Programme sind schon angelaufen. Dazu zählt die Reihe »Visionen der Zugehörigkeit«, unsere erste Patenschaftsschule in Kreuzberg oder das auf drei Jahre angelegte Projekt »Vielfalt in Schulen« zur interkulturellen Öffnung von Schulen. Für das neue Fellowship-Programm haben wir mit Karen Körber schon den ersten Fellow gewonnen. Nach der offiziellen Eröffnung findet am 18. November ein ganztägiges Kolloquium mit dem Titel »Höre die Wahrheit, wer sie auch spricht« statt. Dieses Zitat von Maimonides ist das Leitmotiv unserer Akademie.

Die Fragen an den Direktor des Jüdischen Museums Berlin stellte Michael Wuliger.

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026

Parteitag

»Die UNRWA ist nicht reformierbar«: CDU will Zahlungsstopp

Einmütig haben die Delegierten des CDU-Bundesparteitags in Stuttgart beschlossen, dass es künftig striktere Auflagen für deutsche Zuschüsse an die Palästinenser geben soll

von Michael Thaidigsmann  21.02.2026

Militär

Bundeswehr und IDF wollen enger zusammenarbeiten

Bei einem Besuch in Israel vereinbaren Vertreter der Bundeswehr eine engere Kooperation mit Israels Armee. Deutschland will dabei auch etwas über die Integration von Frauen ins Militär lernen

 20.02.2026

Stuttgart

Merz schließt AfD als Option kategorisch aus

In Teilen der CDU liebäugeln manche damit, ob nicht doch auch die AfD ein Partner werden könnte. Der Parteichef zieht eine deutliche rote Linie

 20.02.2026

Berlin

Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Iran verlassen

Die Bundesregierung warnt Deutsche im Iran erneut vor einer möglichen Eskalation. Noch gebe es Ausreisemöglichkeiten zu Lande und mit Flugzeugen

 20.02.2026

Düsseldorf

Jetzt auch Wirbel um Jobs bei AfD-Abgeordneten in NRW

Minijobs für eine 85-Jährige und die Frau eines Lokalpolitikers: Jetzt geraten auch AfD-Abgeordnete in NRW in die Vetternwirtschafts-Debatte

 20.02.2026

»Mit eigener Stimme«

Braunschweig zeigt Ausstellung zum 75. Jubiläum des Zentralrates der Juden

1950 in Frankfurt gegründet, steht die jüdische Dachorganisation seit mehr als 75 Jahren für jüdisches Leben in Deutschland. Das Städtische Museum widmet ihm nun eine bundesweit einzigartige Schau

 20.02.2026