Meinung

Ein Euro fürs Gedenken

Zahlen bitte Foto: JA

Seit Kurzem müssen kommerzielle Fremdenführer in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen ein Zertifikat vorweisen und für jeden Besucher einen Euro bezahlen. Warum nicht, könnte man meinen, schließlich verdienen die Tourguides mit den Ausflügen nach Sachsenhausen zum Teil ordentlich. Dass die Gedenkstätte etwas davon abhaben möchte, ist nur allzu verständlich. Wie man hört, soll das Geld in die pädagogische Arbeit vor allem mit Schulklassen fließen. Dennoch ist die Ein-Euro-Kopfpauschale falsch, denn sie bricht ein Tabu.

Qualität Einige Fremdenführer haben inzwischen angekündigt, die Gebühr auf die Besucher umzulegen. Dann wäre Sachsenhausen die erste Einrichtung ihrer Art, die quasi Eintritt verlangt. So weit darf es nicht kommen! Wer etwas über die Gräuel der Nazis und den Holocaust erfahren möchte, muss das weiterhin kostenlos tun können. Dass die Gedenkstättenleitung die Qualität der Tourguides durch Schulungen verbessert und stichprobenartig kontrolliert, ist gut und richtig.

Doch muss sie andere Wege finden, sich am Gewinn der kommerziellen Anbieter zu beteiligen. Mag sein, dass der Betrag, den die Bundesregierung jährlich überweist, nicht ausreicht. Da muss man neu verhandeln. Dieser Tage, in denen das Staatssäckel offenbar zu platzen droht und Regierungspolitiker von Steuersenkungen reden, dürfte ein guter Zeitpunkt sein, um größeren Bedarf anzumelden. Denn mit einem Euro ist es nicht getan.

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