Meinung

Ein Boykott, der auch den Palästinensern schadet

Michael Ilyaev ist Vorsitzender der Jüdischen Hochschulgruppe (JHG) Düsseldorf. Foto: Privat

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Ein Boykott, der auch den Palästinensern schadet

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf würde gerne die akademische Kooperation mit Israel beenden. Dabei ist interkultureller Austausch nicht zuletzt für die Friedensbemühungen in Nahost essenziell

von Michael Ilyaev  15.04.2026 16:31 Uhr

Es ist ein weiterer Tiefpunkt des Studierendenparlaments der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf. Mit großer Mehrheit und parteiübergreifend wurde einem Beschluss zugestimmt, der den akademischen Boykott aller israelischen Universitäten fordert. Der Vorwurf: Die Universitäten im jüdischen Staat seien nicht unabhängig, würden die israelische Armee unterstützen und am »Genozid« mitbeteiligt sein.

Vor allem letzterer Vorwurf wurde während der Sitzung des Parlaments am Montag, an der ich als Gast und Vertreter der jüdischen Studierenden Düsseldorfs teilgenommen habe, mehrfach wiederholt, und gleichzeitig wurde die Rolle der Terrororganisation Hamas heruntergespielt. Der Tenor: Israel ist das Böse im Nahen Osten schlechthin. Auf die Frage, ob Israel ein Existenzrecht habe, wurde geantwortet, dass die Menschen in Israel ein solches Recht hätten, das Land jedoch nicht.

Gegenbeweise und Argumente werden von den Studierendenvertretern systematisch ignoriert.

Keiner der Anwesenden des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbands (SDS), der mit sieben von 17 Sitzen stärkste Kraft ist, hat einen Bezug zur Region, und trotzdem fühlen sie sich bestens informiert und moralisch überlegen. Die Falschbehauptungen sprudelten während der Sitzung aus den mehrheitlich in Kufijas gekleideten Teilnehmern geradezu heraus.

Gleichzeitig wird die bekannte Antisemitin und UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese, nahezu vergöttert, und Gegenbeweise, Argumente und die Frage, wie denn der Boykott Palästinensern überhaupt helfen würde, werden systematisch ignoriert. Als Kritiker wird man beschuldigt, einen Genozid zu leugnen.

Der Umstand, dass durch den Boykott auch einzigartige Austauschprogramme sowohl mit israelischen als auch mit palästinensischen Studierenden verhindert würden, macht deutlich, dass es nicht um Frieden und Protest gegen die Netanjahu-Regierung geht. Das Studierendenparlament der HHU verpasst die besondere Chance, interkulturellen Austausch zu ermöglichen, der so essenziell für die Friedensbemühungen im Nahen Osten ist, und die Perspektiven von Menschen aus der Region im persönlichen Kontakt kennenzulernen.

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Vielleicht möchten die durch soziale Medien gehirngewaschenen Studenten aber gerade diesen Austausch verhindern – um weiterhin laut und voller Überzeugung ihr halbgares TikTok-Wissen zu verbreiten.

Die Hochschulleitung hat dem Antrag bereits eine klare Absage erteilt, wofür ich dankbar bin. Das symbolische Ergebnis bleibt jedoch: Israelische Studierende sind auf dem Campus nicht willkommen.

Der Autor ist Medizinstudent an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) und Vorsitzender der Jüdischen Hochschulgruppe (JHG) Düsseldorf.

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