Interview

»Ein bisschen stolz«

Zentralratspräsident Dieter Graumann Foto: Rafael Herlich

Herr Graumann, der neue Staatsvertrag garantiert dem Zentralrat der Juden eine Verdoppelung der bisherigen finanziellen Zuwendungen von fünf Millionen auf nunmehr zehn Millionen Euro. Wie bewerten Sie diesen Verhandlungserfolg?
Ich selbst habe ein ganzes Jahr hart an dieser Sache gearbeitet. Und ich freue mich, dass wir jetzt zu einem Abschluss kommen – mit perfektem Timing: Am Freitag hat der Bundestag den Haushalt beschlossen, am Sonntag konnte ich die erfreuliche Mitteilung auf der Ratsversammlung machen, und in dieser Woche unterzeichnen wir den neuen Staatsvertrag. Ich habe die Verdoppelung der Zuwendungen gegen alle Widrigkeiten in einer schweren Zeit – mit Schuldenbremse, Finanz- und Eurokrise – erreicht. Zudem war der Staatsvertrag noch gar nicht zur Anpassung fällig. Ich bin froh, dass ich der jüdischen Gemeinschaft Mittel verschaffen konnte, von denen wir alle früher niemals zu träumen gewagt hätten. Keine Regierung wird je dahinter zurückfallen können. Daran werden noch meine Nachfolger viel Freude haben. Und das erreicht zu haben, in dieser Situation, das macht mich auch ein bisschen stolz.

Deuten Sie das auch als eine Anerkennung der politischen Arbeit des Zentralrats der Juden?
Der neue Staatsvertrag ist sicherlich ein Ausdruck dessen. Aber auch eine bestimmte politische Konstellation hat den Verhandlungserfolg ermöglicht. Wer sich so gerne mit uns über das neue Blühen des Judentums hier freut, muss uns auch mit den nötigen Mitteln ausstatten, sonst droht diese neue Blüte rasch zu verwelken. Ich finde: Guter Rat ist teuer, und guter Zentralrat muss noch ein bisschen teurer sein.

Sie sind vor einem Jahr zum Präsidenten des Zentralrats gewählt worden. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Der Zentralrat ist stärker als je zuvor. Wir haben eine starke politische Stellung in Deutschland. Ich glaube, damit können wir eine ganze Menge anfangen. Ich wünsche mir aber, dass wir noch mehr für unsere Menschen bewirken können. Gerade auch für die, denen das Thema Rente und Grundsicherung unter den Nägeln brennt und die sich große Sorgen um ihre Zukunft machen. Wenn wir für sie noch etwas mehr erreichen könnten, wäre das ganz besonders schön.

Sie haben angekündigt, den Zentralrat in eine neue Ära führen zu wollen. Was genau ist das Ziel?
Ein neuer Zentralrat als das jüdische Kompetenzzentrum. Unsere Arbeit muss professionalisiert und intensiviert werden, in der politischen Arbeit und der Wirkung nach außen. Es geht mir vor allem darum, unseren Gemeinden zu helfen. Sie hungern nach Betreuung. Dazu ist die Jugendarbeit sehr wichtig. Wir können unseren jungen Leuten helfen, Strukturen schaffen und Mittel zur Verfügung stellen. Und dann geht es auch noch um die Bereiche Kultur und Bildung, immer klassische Herzstücke der jüdischen Arbeit.

Mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Washington

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

Trotz gegenseitigen Angriffen erklärt der US-Präsident die Meerenge für offen. Die iranische Seite sieht das anders

 12.07.2026

Meinung

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  12.07.2026

Leipzig

Wie der MDR auf die Ankündigungen der AfD reagiert

Der MDR stellt sich auf juristische Auseinandersetzungen im Fall eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt ein

von Katharina Rögner  12.07.2026

Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Gerade hatte der US-Republikaner Graham noch Kiew besucht, im November wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Nun ist der langjährige Senator überraschend gestorben

 12.07.2026

Meinung

Wenn die Brandmauer bröckelt

Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf

von Jacques Abramowicz  12.07.2026

Interview

Karin Prien: »Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  12.07.2026

Magdeburg

Die AfD und ihr Plan für Sachsen-Anhalt

Jubel für Ulrich Siegmund, Vorwürfe gegen die CDU und ein 100-Tage-Plan mit radikalen Forderungen – was die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vorhat

von Christopher Kissmann  12.07.2026

Teheran

Iranische Tageszeitung fordert Rache – auch gegen Merz

Die iranische Zeitung »Hamshahri« ruft in einer Online-Grafik zu Vergeltung gegen westliche Politiker auf. Darunter sind auch europäische Regierungschefs abgebildet

 12.07.2026

Maskat

Oman meldet Drohnenangriffe nahe Straße von Hormus

Der Oman hat sich im Iran-Krieg um eine möglichst neutrale Haltung bemüht, wurde aber auch selbst zum Ziel von Angriffen. Jetzt meldet das Land neue Drohnenangriffe

 12.07.2026