Nahost

DIG kritisiert Forderung von SPD-Politikern nach Waffenstopp an Israel

Gegen Waffenlieferungen an Israel: Ralf Stegner (SPD) Foto: picture alliance / HMB Media

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) kritisiert den Vorstoß mehrerer SPD-Bundestagsabgeordneter, wegen des Vorgehens Israels im Gazastreifen die deutschen Waffenexporte nach Israel zu beenden.

»Deutsche Waffen dürfen nicht zur Verbreitung humanitärer Katastrophen und zum Bruch des Völkerrechts genutzt werden«, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adis Ahmetovic dem »stern«. »Deshalb fordern wir (Benjamin) Netanjahus Regierung zur Bereitschaft zur Waffenruhe und Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.«

Sein Parteikollege Ralf Stegner sagte: »Die humanitäre Katastrophe für die palästinensische Zivilbevölkerung und der Bruch des Völkerrechts durch die Regierung Netanjahu müssen sofort beendet und dürfen nicht auch noch mit deutschen Waffen verlängert werden.« Zwar habe die Bundesregierung für Israel aus guten Gründen eine Ausnahme von der Praxis gemacht, keine Waffen in Konfliktgebiete zu liefern. Die Waffen hätte der Sicherheit Israels und der Verteidigung gedient. »Davon kann gegenwärtig im Gazastreifen und im Westjordanland keine Rede sein.«

Panzermunition und -Ersatzteile

Die SPD-Abgeordnete Isabel Cademartori warnte, dass sich Deutschland durch Waffenlieferungen an Israel an Kriegsverbrechen beteiligen könnte. »Dies könnte dazu führen, dass Deutschland selbst juristisch von internationalen Gerichten belangt wird«, sagte sie dem Magazin. Die Bundesregierung sollte daher die Waffenexporte begrenzen, insbesondere Panzermunition und -Ersatzteile dürften nicht mehr geliefert werden.

Die DIG wies diese Forderungen zurück. Volker Beck, der Präsident der Organisation, erklärte dazu: »Die Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert ein sofortiges Ende des Gaza-Krieges. Die Hamas kann ihn heute noch beenden: Sie muss alle Geiseln an Israel übergeben und kapitulieren. Hat sie das getan, wird Israel seine Militäroffensive einstellen.«

Eine politische Lösung müsse zum Wohl von Israelis und Palästinensern das Ergebnis haben, dass die Herrschaft der Hamas in Gaza ende, sagte Beck. »Anders kann es kein Kriegsende geben. Denn: Eine kampffähige Hamas gefährdet die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger Israels.«

Lesen Sie auch

Exportstopp unverantwortlich

»Ein Exportstopp für deutsche Waffen nach Israel wäre unverantwortlich«, betonte der DIG-Präsident. »Israel kämpft seit Oktober 2023 einen Krieg an sieben Fronten. Raketen kommen nicht nur aus Gaza, sondern auch aus dem Jemen. Die Gefahr eines neuerlichen Angriffs aus dem Iran würde steigen, wenn Israel aufgrund von Lieferengpässen verwundbar wäre.«

Laut Beck ist das Völkerrecht Grundlage und Rahmen von Israels Selbstverteidigung. Er forderte: »Alle Kräfte müssen die Hamas zur Aufgabe bewegen. Dann endet das Sterben in Gaza. Wer seine Forderung nur an Israel richtet, hilft der Hamas. Und verlängert so den Krieg.«

Israel hatte Anfang der Woche eine fast dreimonatige Blockade humanitärer Hilfsgüter gelockert. Die Streitkräfte haben zudem vor etwa einer Woche eine neue Großoffensive gestartet. Grund ist die Weigerung der Hamas, 58 Geiseln freizulassen, die seit 598 Tagen in den Tunneln der Terrororganisation festgehalten werden, und den Terror gegen Israel zu beenden.

Dank von Terroristen

Spanien hatte am Sonntag trotz allem ein internationales Waffenembargo gegen Israel gefordert. »Das Letzte, was der Nahe Osten derzeit braucht, sind Waffen«, sagte Außenminister José Manuel Albares in Madrid.

Zuvor hatten der britische Premierminister Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und Kanadas Regierungschef Mark Carney Israel mit Konsequenzen gedroht, sollte das Land sein militärisches Vorgehen in Gaza nicht stoppen. Dafür hatte ihnen die palästinensische Terrororganisation Hamas in einer Erklärung gedankt. im/dpa

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026