Meinung

Die üblichen Verdächtigen

Am vergangenen Freitag haben Unbekannte in der Berliner U-Bahn-Linie 9 zwei Frauen und einen Mann zunächst judenfeindlich beschimpft, dann geschlagen und verletzt. Wenn sich ein solcher Fall antisemitischer Gewalt ereignet, dann wäre es wünschenswert, dass sich zuerst Politiker und Akteure der Zivilgesellschaft zu Wort melden und die Tat verurteilen. Zu oft wird Antisemitismus zu einem Problem jüdischer Gemeinden erklärt. Und zu oft werden die Täter allein unter Muslimen gesucht. Vielmehr ist die gesamte politische Öffentlichkeit hier gefordert: Initiativen, NGOs, Organisationen von Migranten müssen sich bei antisemitischen Übergriffen entschieden und eindeutig positionieren. Denn es geht bei diesen Angriffen nicht »nur« um Gewalt gegen Juden, sondern im Kern um unsere Demokratie. Weil Antisemitismus ein Problem aller gesellschaftlichen Schichten und Communities ist – nicht nur der Muslime –, muss er von allen und überall bekämpft werden. Wenn man sich jetzt ausschließlich auf Muslime als Täter fokussiert, geraten viele Antisemiten aus dem Blick. Darüber hinaus wird einer anderen, nicht minder gefährlichen Entwicklung in der deutschen Gesellschaft Vorschub geleistet: der steigenden Islamfeindlichkeit.

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Debatte

Linke vertagt Entscheidung um Vanessa Emde

Die Berliner Linke ringt seit Wochen um den richtigen Umgang mit einer israelfeindlichen Abgeordneten. Nach einer Fraktionssitzung wurde wieder keine Lösung präsentiert

 27.10.2026

Berlin

Volker Beck zur Wahl: Regierungswechsel wäre gut für Israel

Der Urnengang entscheidet über die politische Zukunft von Benjamin Netanjahu. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentiert, der Regierungschef habe viel Vertrauen verspielt

 27.10.2026

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026

Berlin

Medienberichte über Israel auf dem Prüfstand

Wie weit klaffen Berichterstattung und Realität auseinander? Darüber ist am Freitag ist ein ganztägiger »Fachaustausch« an der Technischen Universität geplant

 27.10.2026

Ron Prosor

Interview

Ron Prosor: »Der linke Antisemitismus ist der gefährlichste«

Israels Botschafter in Deutschland über Brandmauern gegen Antisemitismus, die Regierungsbildung in Berlin und die Wahlen in Israel

von Bernward Loheide  27.10.2026

Teheran

Irans Generation Z kämpft um ihre Zukunft

Sie sind 17, sprechen über Krieg und denken ans Auswandern. Darja und Negin gehören zu einer Generation, die den Iran verändert, aber an der eigenen Zukunft dort zweifelt

von Arne Bänsch  27.10.2026

Dementi

Trump bestreitet Gespräche über weitere Wahlempfehlung für Netanjahu

Hat Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten um mehr Unterstützung im Wahlkampf gebeten oder nicht?

 27.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert