Meinung

Die Macht am Nil

Dass das ägyptische Regime bei den Parlamentswahlen schummeln wird, damit hat jeder gerechnet. Saubere und transparente Wahlen am Nil – das hat es noch nie gegeben. Warum also diesmal? Doch was sich dann am vergangenen Sonntag tatsächlich an Manipulationen, Fälschungen und Drohungen gegen politische Gegner zugetragen hat, macht die Wahl zu einer Farce. Selbst der Hauptverbündete USA hebt warnend den Finger. Alle Macht geht vom Volke aus – dieser Satz gehört für die Potentaten am Nil in das Poesiealbum westlicher Demokratie-Rhetorik. Präsident Hosni Mubarak und seiner Machtclique geht es einzig um eine Bestätigung für ihre allmächtige National-Demokratische Partei. Denn die Parlamentswahl dient ihnen als wichtige Etappe auf dem Weg zum großen Ziel: die Thronfolge des 82-jährigen Langzeitpharaos im Herbst 2011 möglichst glatt zu regeln. Das eigene Volk, Gegenkandidaten oder gar eine freie Opposition stören dabei nur.

Der Autor ist Korrespondent des Tagesspiegel und lebt in Ägypten.

Kommentar

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