Osterholz-Scharmbeck

Die Linke macht Mullah-Regime-Fan zum Bürgermeisterkandidaten

Yunus Cakar nimmt an einer israelfeindlichen Demo zum Al-Quds-Tag teil. Foto: Recherche-Nord

Die Partei »Die Linke« schickt bei der Kommunalwahl im September im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck einen Kandidaten ins Rennen, dessen politische Vergangenheit für erhebliche Kritik sorgt. Wie die »taz« berichtet, hat der 33-jährige Yunus Cakar in den vergangenen Jahren mehrfach an Al-Quds-Demonstrationen in Frankfurt teilgenommen – einer Veranstaltungsreihe, die 1979 vom iranischen Regime ins Leben gerufen wurde und sich gegen Israel richtet.

Bei einer solchen Demo im April 2024, zu der der hessische Verfassungsschutz vorab vor antisemitischen Äußerungen gewarnt hatte, sprach Cakar dem Bericht zufolge vor Hunderten Teilnehmern. An der Spitze des Protestzugs waren Porträts der Ajatollahs Chomeini und Chamenei zu sehen.

Cakar sprach damals auch über den Krieg gegen den Terror in Gaza. Er sagte damals laut einem der »taz« vorliegenden Video: »Das ist der erste Genozid der Geschichte der Menschheit, der sich so klar abspielt.« Den Vorwurf der Holocaustrelativierung weist er zurück. Gegenüber dem Blatt erklärte er: »Der Holocaust ist das größte Verbrechen in der Geschichte Deutschlands.«

Chomeini und Chamenei

Bereits 2022 hatte Cakar bei einer vergleichbaren Veranstaltung von einem israelischen »Apartheidsregime« und der »Antisemitismuskeule« gesprochen, wie das Mideast Freedom Forum Berlin dokumentierte. Ein weiteres Video zeigt ihn vor Porträts von Chomeini, Chamenei und dem Gründer der Huthi, Abdul-Malik al-Huthi. Im Jahr 2019 soll er den Huthi-Anführer in einem Vortrag als Vorbild für junge Menschen bezeichnet haben.

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Cakar nahm 2021 zudem an einer Gedenkkundgebung in Berlin für den iranischen Revolutionsgarden-General Qassem Soleimani teil, der 2020 von den USA getötet worden war. Auf einem Plakat war zu lesen: »Wir bedanken uns bei dem Helden, der sein Leben für unsere Sicherheit gegeben hat.«

Cakar selbst bestreitet eine Nähe zum iranischen Regime: »Die einzige Nähe, die ich habe, ist zur Bundesrepublik Deutschland und meiner Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck«, sagte er der »taz«. Er habe sich »stets für Frieden im Nahen Osten und gegen eine deutsche Beteiligung an Kriegen eingesetzt«. Zu seinen Positionen zu den Revolutionsgarden und den Huthi äußerte er sich nicht.

Innerparteiliche Kritik

Innerparteiliche Kritik kommt von Selin Gören, Co-Sprecherin der israelsolidarischen Bundesarbeitsgemeinschaft Shalom innerhalb der Linken. Die »taz« zitierte sie mit den Worten, Cakars Kandidatur sei »ein Schlag ins Gesicht für die mutigen Menschen im Iran, die ihr Leben für Freiheiten riskieren. Wer Antisemitismus ernsthaft bekämpfen will, kann solche Kandidaturen nicht einfach durchwinken.«

In Osterholz-Scharmbeck bei Bremen präsentiert ihn Die Linke laut »Weserkurier« als »Brückenbauer«, Fußballschiedsrichter und Jugendarbeiter. Cakar ist dort geboren, hat Abitur gemacht und Politikmanagement studiert. Chancen auf das Bürgermeisteramt werden ihm kaum eingeräumt.

Unlängst arbeitete Cakar für die Stadt Osterholz-Scharmbeck. Inzwischen ist er für eine Firma namens Kartoffel Direkt tätig.

Nach Redaktionsschluss teilte Die Linke Niedersachsen dieser Publikation mit, es gebe »einen neuen Sachstand«: Der Landesvorstand habe den zuständigen Kreisverband aufgefordert, die Kandidatur von Cakar nicht offiziell zu machen. Das Gremium stimmte der Aufforderung demnach zu. »Yunus Cakar kann damit nicht mehr als OB-Kandidat der Linken Osterholz betrachtet werden«, hieß es in dem Schreiben. im

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