NS-Verbrechen

Die allerletzte Chance

Unermüdlicher Nazi-Jäger: Efraim Zuroff Foto: Flash 90

Das Simon Wiesenthal Center geht in die Offensive. »Nazi-Mörder sind noch unter uns«, heißt es in einem Aufruf zur »Operation Last Chance 2«, das Urteil gegen den Ukrainer John Demjanjuk, das im Mai in München gesprochen wurde, gebe den Verfolgern von NS-Verbrechen neue Möglichkeiten.

demjanjuk »Das Urteil hat gezeigt, dass man jemandem, der Wärter in einem Todeslager war, nicht mehr eine konkrete Tat mit einem konkreten Opfer nachweisen muss«, sagt Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem. »Wenn er dort Dienst geleistet hat, ist er automatisch schuldig geworden.« Wenn es vor dem Bundesgerichtshof standhält, hat das Demjanjuk-Urteil Rechtsgeschichte geschrieben.

Froh über das Urteil ist man auch bei der Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen. »Das war schon immer unsere Rechtsauffassung«, sagt ihr Leiter Kurt Schrimm. »Nun haben wir sehr viel zu tun.« Schon vor dem Münchner Urteil hatten er und seine Kollegen begonnen, sich etliche Fälle nochmals anzuschauen. »Ob es zu Anklageerhebungen kommt, vermag ich nicht sicher zu sagen«, meint Schrimm, »aber ich schließe es nicht aus.«

täter Efraim Zuroff begründet seinen Optimismus mit einem Rechenbeispiel: »Es waren etwa 4.000 Menschen in den Todeslagern eingesetzt. Wenn noch zwei Prozent von denen leben, sind das 80 Personen. Und selbst, wenn davon die Hälfte nicht verhandlungsfähig ist, bleiben noch 40 Menschen übrig, die an der Ermordung von Juden teilgenommen haben.«

Unterstützung erhält das Wiesenthal Center von dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan: »Hier muss es auch eine politische Debatte geben.«

Von Efraim Zuroff ist gerade das Buch Operation Last Chance. Im Fadenkreuz des »Nazi-Jägers« erschienen. Er will mit allen Mitteln diese letzte Chance nutzen, die das Demjanjuk-Urteil bietet. Gemeinsam mit der Targum Shlishi Foundation setzt das Wiesenthal Center eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus, die zur Verfolgung und Bestrafung von NS-Tätern führen.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden. Das haben die Sozialdemokraten vor.

 26.10.2026

Debatte

Zentralrat der Juden warnt vor AfD in Sachsen-Anhalt und nimmt Linke in Berlin Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Präsident Josef Schuster blickt sorgenvoll auf zwei deutsche Bundesländer

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026