Jom Haschoa

»Dialog und Versöhnung«

Kranzniederlegung: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas mit Mickey Levy, dem Präsidenten der Knesset, am Mittwoch in der »Halle der Erinnerung« der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Foto: REUTERS

Der Holocaust ist das unfassbarste Verbrechen in der Geschichte der Menschheit. Wir, die Präsidentin des Bundestags und der Präsident der Knesset, verneigen uns im Gedenken an die sechs Millionen jüdischer Seelen, die von Deutschen ermordet wurden.

Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Parlamente haben wir uns gegenseitig zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar in Deutschland und zum Gedenktag für die Märtyrer und Helden des Holocaust in Israel, der am Mittwochabend beginnt, eingeladen. Da jedes Jahr weniger Holocaust-Überlebende ihre Geschichte erzählen können, bleibt das Gedenken an den Holocaust unerlässlich, um die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.

wunder Unser gemeinsames Gedenken zeigt, wie vertrauensvoll die Freundschaft zwischen unseren Ländern ist. Wir betrachten diese Freundschaft als ein Wunder und als Segen. Sie wurde möglich, weil sich auf beiden Seiten Menschen für Dialog und Versöhnung eingesetzt haben.

Es ist eine Freundschaft, die die Wunden der Geschichte nicht verdrängt. Sie weiß um die historische Schuld des deutschen Volkes und den unwiederbringlichen Verlust des jüdischen Volkes, seines Erbes und der jüdischen Gemeinschaften. In diesem Bewusstsein bekämpfen wir Antisemitismus in all seinen Formen, einschließlich der Leugnung des Holocaust und seiner Verzerrung. Wir verurteilen auf das Schärfste alle Formen der Israel-Kritik, die das jüdische Volk dämonisieren und dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen.

Wir müssen Beziehungen aufbauen, die nicht nur auf der Vergangenheit, sondern auch auf einer gemeinsamen Zukunfts­vision beruhen.

Es ist eine Freundschaft, die die Wunden der Geschichte nicht verdrängt.

Unseren Parlamenten – als Vertretung der Bürgerinnen und Bürger – kommt dabei eine besondere Rolle zu. Viele Abgeordnete reisen in das andere Land und treffen ihre Kolleginnen und Kollegen. Zuletzt war Ende März der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags zu Gesprächen in Israel und traf dort mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung zusammen. Seit 1971 gibt es die deutsch-israelische Parlamentariergruppe.

2015 haben wir unsere Zusammenarbeit auf eine neue Ebene gehoben und das deutsch-israelische Parlamentarierforum gegründet, das der gemeinsamen Arbeit an aktuellen Problemen dient. Dieses Forum wollen wir nun wieder stärker nutzen und bald ein Treffen veranstalten.

austausch Eine Freundschaft zwischen zwei Ländern braucht aber mehr als alles andere den Austausch der Bürgerinnen und Bürger. Millionen von Israelis und Deutschen haben das jeweils andere Land besucht. Wir haben 266 Hochschulkooperationen, gemeinsam finanzierte Projekte und Stipendien zur Förderung von Forschungsprojekten im MINT-Bereich, über 100 Städtepartnerschaften und Dutzende von Austauschprogrammen für Studierende.

Die deutsch-israelischen Beziehungen bleiben für uns eine Herzensangelegenheit. Wir sind uns bewusst, dass gemeinsames Gedenken besonderes Feingefühl erfordert. Es bedeutet uns viel, dass wir heute zusammen den Holocaust-Gedenktag begehen. Wir haben viel erreicht und auf der Grundlage liberaler Werte eine einzigartige Partnerschaft aufgebaut, wie sie nach dem Holocaust wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Unsere Partnerschaft wird angesichts der großen Krisen in unserer Welt gebraucht. Gemeinsam stehen Israel und Deutschland, die Knesset und der Bundestag, für eine regelbasierte Weltordnung, für die Demokratie und für die Wiederherstellung von Menschlichkeit und Frieden in der Welt ein.

Nahost

US-Militär will ab sofort Straße von Hormus blockieren

Donald Trump möchte verhindern, dass der Iran Gebühren von Schiffen durch die Meerenge verlangt. Jetzt will das US-Militär die Kontrolle der Straße von Hormus übernehmen

 13.04.2026

Gedenken

Brandenburg erinnert an KZ-Befreiung

Weit über 300.000 Menschen waren unter dem NS-Regime in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück inhaftiert. Zehntausende von ihnen kamen dort zu Tode. Zum Gedenken an die Befreiung werden diesmal noch fünf Überlebende erwartet

 13.04.2026

Nahost

Hinrichtungen im Iran auf 35-Jahres-Rekordhoch

Im Iran wurden 2025 laut Iran Human Rights mindestens 1.639 Menschen hingerichtet – ein Höchststand seit 35 Jahren. Menschenrechtsorganisationen fordern Konsequenzen

 13.04.2026

Urteil

Mustafa A. soll Lahav Shapira nicht aus Antisemitismus fast tot geschlagen haben

Der 25-Jährige wurde ursprünglich zu drei Jahren Haft verurteilt. Jetzt hat ein Berufungsgericht die Strafe abgemildert. Das Opfer der Tat nennt die Entscheidung »traurig«

 13.04.2026 Aktualisiert

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Ungarn

So reagiert die europäische Presse auf Orbans Abwahl

Nach 16 Jahren endet die Orban-Herrschaft in Ungarn. Internationale Medien werten den Ausgang der Wahl als Dämpfer für Putin und Trump – und als Warnsignal für die politische Rechte

 13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Thüringen

»Kufiyas in Buchenwald« wollen schon am Samstag demonstriert haben

Die Gruppe »Kufiyas in Buchenwald« durfte am Sonntag laut Gerichtsbeschluss nicht an der KZ-Gedenkstätte demonstrieren. Nach eigenen Angaben haben sie einen anderen Weg gefunden

 13.04.2026

Terror

Israel: Wir wollen ein echtes Friedensabkommen mit dem Libanon

Israel und der Libanon wollen erstmals seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene führen. Premier Netanjahu fordert als Ziel ein Friedensabkommen, das über Generationen halten soll

 13.04.2026