Berlin

»Sicher in den Winter boostern«

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein israelischer Amtskollege Nitzan Horowitz (r.) Foto: picture alliance/dpa/dpa-POOL

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) verändert schon jetzt den Alltag in Kliniken und Forschungseinrichtungen. Die neue Technologie ermöglicht unter anderem die Früherkennung von Erkrankungen und sorgt zudem für eine bessere Versorgung von Patienten. Darüber hinaus kann die Schlüsseltechnologie helfen, durch frühe Diagnosen und individuelle Behandlungsmethoden Gesundheitsausgaben erheblich zu senken.

Israel gehört weltweit zu den führenden Nationen der Digitalisierung des Gesundheitswesens und des Einsatzes Künstlicher Intelligenz (KI). Um aus den Erfahrungen zu lernen und einen Austausch zu ermöglichen, hat der Verein ELNET (European Leadership Network) eine deutsch-israelische Dialogreihe initiiert, die mit einer Konferenz im Berliner Futurium am Donnerstagnachmittag startete.

forum »German Israel Health Forum for Artifical Intelligence« heißt das Forum, das in den kommenden drei Jahren bei Konferenzen, Runden Tischen und anderen Treffen Experten aus beiden Ländern zusammenbringen will.

Am Auftakt in Berlin nahmen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein israelischer Amtskollege Nitzan Horowitz teil. Beide betonten, wie wichtig der Austausch zwischen beiden Ländern ist.

Ein beherrschendes Thema des bilateralen Austauschs waren aktuelle Fragen der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte: »Wir können voneinander lernen, nicht nur in Bezug auf Digitalisierung, sondern auch Vakzinierung.« Israel habe der Welt gezeigt, wie wichtig Booster-Impfungen seien. Wir sollten uns dies zum Beispiel nehmen, meinte Spahn: »Wir sollten uns selbst in einen sicheren Winter boostern.«

vorteile Digitalisierung, Datennutzung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz bieten enorme Möglichkeiten und Vorteile, gab sich Spahn überzeugt. »Nicht nur um die Reaktionen auf zukünftige Gesundheitskrisen zu stärken, auch um unsere Bürger gesünder und das Leben unserer Patienten einfacher zu machen.« Spahn verwies auf verschiedenen Digitalisierungsprogramme und -pläne.

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Israels Gesundheitsminister Nitzan Horowitz meinte, dass dieses neue gemeinsame Forum und die Kooperation in diesem Bereich Nutzen für beide Seiten bringen wird. Nachdem er die »ausgezeichneten« Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gelobt hatte, kam er auf die aktuellen Herausforderungen der Pandemie zu sprechen. Israel sei am Ende der vierten Welle. Das wichtigste Mittel war, dass Israel als erster Land der Welt seiner Bevölkerung Booster-Impfungen verabreicht habe. »Ich denke, das hat uns sehr geholfen, das Leben vieler israelischer Bürger zu retten.«  

Sharon Alroy-Preis, Direktorin des öffentlichen Gesundheitswesens im israelischen Gesundheitsministeriums, machte klar, wie entscheidend es in der aktuellen Lage sei, digitale Daten zeitnah zur Verfügung zu stellen. Die Informationen über jeden PCR-, Antigen- und serologischen Test seien online zum Ministerium gegangen, auch alle Impfungen und Hospitalisierungen. »Das ist so wichtig, um die richtigen Entscheidungen in der Bekämpfung der Pandemie zu treffen«, so Alroy-Preis.

digitalisierung Das scheint zumindest für Deutschland noch Zukunftsmusik zu sein. Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer, beklagte den bislang niedrigen Standard der Digitalisierung im Gesundheitssystem der Bundesrepublik. Aber er sei sich sicher, dass die Medizin und das Gesundheitswesen in den kommenden Jahren eine erhebliche Veränderung erfahren werde.

ELNET-Vorstand Hans Thomas Kessler unterstrich, dass die Digitalisierung dieses Bereiches den Kern der Gesellschaft berühre, da es um die Gesundheit jedes Einzelnen gehe. Zugleich gehe es auch um Fragen von Freiheit und Staatskontrolle, Datentransparenz und Privatsphäre. »Die deutsche und israelische Gesellschaft teilen die gleichen Werte, als freie und liberale Gesellschaften. Das ist eine perfekte Basis dafür, dieses Forum zu initiieren.« ddk

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