Meinung

Der Opferbaron

Das war fast zu erwarten gewesen. Als »Menschenjagd«, von der er sich nicht habe vorstellen können, »dass sie nach 1945 noch einmal möglich sei«, hat Baron Enoch zu Guttenberg die Umstände beschrieben, unter denen sein Sohn Karl-Theodor alle politischen Ämter aufgeben musste. Verfolgt wie von den Nazis – darunter macht man es in Deutschland nicht, ob Kampfhundehalter, Rauchverbotsgegner oder jetzt fränkischer Adel. Ganz abgesehen davon, dass angesichts der Dimension der NS-Verbrechen derartige Vergleiche nicht nur Blödsinn sind, sondern auch unappetitlich: Auffällig ist die Lust am Opfersein, die in solchen Äußerungen zutage tritt. Verfolgt zu werden, und sei es nur vermeintlich, bringt Gewinn. Man erntet Mitgefühl und ist keinen lästigen Fragen nach eigener Verantwortung ausgesetzt. Reale Verfolgung hat zwar noch andere, weniger erquickliche Aspekte, von denen gerade Juden einiges erzählen können. Aber das fällt bei Guttenberg nicht ins Gewicht: Seine Opferrolle ist eh nur simuliert.

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