Meinung

Der neue Le Pen – ganz der alte

Moshe Kantor Foto: Marco Limberg

Von den Europawahlen ging eine Schockwelle aus. Wie wir schon vor einigen Monaten vorhergesagt hatten, führten Apathie und Frustration über die EU, gepaart mit wachsendem Populismus, zu einem großen Sieg für die Anti-Europäer, die Anti-Establishment- und die rechtsextremen Parteien. Es wäre unklug, all diese Parteien gleichzusetzen, doch vielen gemeinsam ist ein Extremismus, der durch PR-Kampagnen und moderate Verpackungen bloß kaschiert wurde. Nun hat der jüngste antisemitische Ausbruch von Jean-Marie Le Pen, dem Ehrenpräsidenten, früheren Vorsitzenden und Europaabgeordneten des französischen Front National, viel von der Fassade abgetragen, die Le Pens Tochter, die aktuelle Parteichefin, der Partei verpasst hatte.

beleidigung Marine Le Pen hatte, zum Teil mit großem Erfolg, versucht, ihrer Partei und deren langer Geschichte von Hass, Rassismus und Intoleranz ein neues Image zu geben. Doch den Kommentar, mit dem Le Pen senior jüngst den jüdischen Sänger und Schauspieler Patrick Bruel beleidigte – »Da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung« –, sprach nicht einer, der ohne Einfluss in seiner Partei wäre. Die Tatsache, dass ein Video davon stolz und offiziell in Umlauf gebracht wurde, sagt uns, dass dies die Ansichten vieler Vertreter des Front National sind.

Le Pen hat bereits wenige Tage nach deren Erfolg bei der Europawahl das wahre Gesicht der Rechtsextremen gezeigt. Dabei hatten vor der Wahl viele versucht, die Parteien weißzuwaschen. Le Pens Kommentare zeigen nun, dass diese Parteien immer noch von Hass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit durchdrungen sind.

Um diese sehr weit rechts stehenden Parteien zu bekämpfen, darf die Europäische Union kein bisschen Toleranz gegenüber Volksverhetzung zeigen. Das heißt, Le Pens parlamentarische Immunität muss aufgehoben werden, damit seine Äußerungen strafrechtlich verfolgt werden können. Es ist höchste Zeit, dass sich die EU und die europäischen Nationen darauf verständigen, welche Äußerungen – auch von Mitgliedern des Europäischen Parlaments – sie tolerieren können. Denn auch mit noch so cleverer Öffentlichkeitsarbeit können diese Rassisten und Faschisten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie nur für eine Politik des Hasses stehen.

Der Autor ist Präsident des Europäischen Jüdischen Kongress.

Saba Farzan

Schließt die Botschaft Irans!

Deutschland muss verstehen, dass diese Diktatur nicht mehr zu halten ist

von Saba Farzan  25.10.2026

Iran-Krieg

Bericht: Iran nimmt US-Diplomaten in Nahost ins Visier

US-Botschaftspersonal wird im Nahen Osten reduziert. Hintergrund sollen Erkenntnisse von US-Nachrichtendiensten zu Anschlagsplänen des Irans sein

 25.10.2026

Regierungsbildung

Zwei Showdowns bei der Linken: Wie weiter mit Rot-Grün-Rot?

Der Streit um eine israelfeindliche Linke-Abgeordnete belastet die Berliner Regierungsbildung. Zugleich muss die Linke über Koalitionsverhandlungen entscheiden – wie hängen die Termine zusammen?

 25.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 25.10.2026

Das eingeschaltete Blaulicht ist auf dem Dach von einem Einsatzfahrzeug der Polizei am 28.02.2026 bei einem Polizeieinsatz zu sehen.

Bayern

Brand von Hitler-Teehaus: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Hintergründe

von Judith Kubitscheck  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026

Polen

»Wo Erinnerung zur Ware wird, gerät die Würde ins Wanken«

NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU) hat in Warschau Briefe von NS-Opfern an Gedenkstätten übergeben

von Holger Spierig  23.10.2026

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026