Stuttgart

»Der Nationalsozialismus war wunderschön«: AfD-Gemeinderat droht Parteiausschluss

Rathaus, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland Foto: picture alliance / imageBROKER

Der Stuttgarter Stadtrat Niels Foitzik (AfD) hat auf seinem TikTok-Kanal Aussagen getätigt, die den Nationalsozialismus verherrlichen und verharmlosen. Die Videos hat er gelöscht, seine Fraktion spricht von einer »manischen Störung«. Nun droht ihm der Parteiausschluss.

Auf Youtube sind Zusammenschnitte abrufbar, die die inzwischen gelöschten Aufnahmen auf dem früheren TikTok-Kanals des AfD-Politikers zeigen. Darin sagt Foitzik unter anderem: »Der Nationalsozialismus war wunderschön, alle wurden mitgenommen« und: »Jeder war willkommen und jeder war wertgeschätzt unter Adolf Hitler.«

»Jeder war willkommen und jeder war wertgeschätzt unter Adolf Hitler.«

Der AfD-Politiker erklärt zudem: »In Adolf Hitlers System wurde der Versuch unternommen, die Menschen so zu sehen, wie sie sind, und sie dann als festen Bestandteil der Gesellschaft ins Volk zu integrieren. Dazu gab es die Hitlerjugend, um früh anzufangen, ihnen Patriotismus beizubringen. Das war gut.«

Die Aussagen widersprechen den historischen Fakten über die NS-Diktatur: Millionen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und viele weitere Opfergruppen wurden entrechtet, verfolgt und systematisch ermordet.

AfD Baden-Württemberg entzieht Mitgliedsrechte

Auf Nachfrage bestätigte der Landesverband der AfD Baden-Württemberg, ihm seien die Aufnahmen seit Anfang Januar 2026 bekannt. Am 13. Januar 2026 wurden Foitzik die Mitgliedsrechte mit sofortiger Wirkung entzogen. Dieser Schritt wurde inzwischen durch das Landesschiedsgericht bestätigt. Das damit verbundene Parteiausschlussverfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Der Landesvorstand teilte außerdem mit, die Aussagen seien »völlig inakzeptabel und mit den Grundsätzen sowie der Ordnung unserer Partei unvereinbar«.

Weiterhin Gemeinderat in Stuttgart

Foitzik ist weiterhin Mitglied der AfD-Fraktion im Stuttgarter Stadtparlament und hat sein Mandat als Gemeinderat inne. Laut Angaben auf der offiziellen Seite der Stadt Stuttgart sitzt er unter anderem im Schlubeirat, im Beirat für Menschen mit Behinderung sowie in der Jury eines Förderprogramms für benachteiligte Stuttgarter Kinder und Jugendliche.

Seine Fraktion sagte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, Herr Foitzik habe, als er die Videos in Echtzeit streamte, unter den Symptomen einer »ausgeprägten manischen Störung« gelitten. Seine Äußerungen in den Videos hätten mit seiner tatsächlichen Beurteilung von Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus nichts zu tun. »Er distanziert sich ausdrücklich davon.« Foitzik selbst lies eine Anfrage der Zeitung unbeantwortet. Er sei derzeit von allen Funktionen, die er in der Fraktion habe, entbunden.

Nicht der erste Vorfall

Foitzik war in einem völlig anderen Fall im April 2024 in die Schlagzeilen geraten, nachdem er im Thailand-Urlaub in einem Restaurant ausgerastet war und mit Essen um sich geworfen hatte. Mehrere bundesweite Medien hatten berichtet.

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