Medien

Der 23. Staat der Arabischen Liga

Der Fernsehsender wird nicht zensiert und revolutionierte so die Berichterstattung in der arabischen Welt. Foto: aljazeera

Kairo hat die Büros des Nachrichtensenders Al-Dschasira geschlossen und versucht damit, die Unruhen im eigenen Land einzudämmen. Denn die Revolten in Tunesien oder Ägypten wären wohl ohne den wichtigsten Sender der arabischen Welt kaum möglich gewesen.

Ägypten ist nicht das erste Land, das diesen Weg einschlägt. Erst im Dezember 2010 hatte Kuwait die Studios dicht gemacht, als über Polizeigewalt berichtet wurde. Auch Marokko, Algerien, Irak und Bahrain entzogen Al-Dschasira die Lizenz zum Senden. In Tunesien galt ebenfalls ein Verbot, trotzdem wurde intensiv über die Unruhen im Land berichtet. Viele hätten ohne die Übertragungen nichts davon erfahren. Jetzt werden die Proteste in die gesamte arabische Welt übermittelt und lösen neue Unruhen aus. »In keinem arabischen Staat gibt es offene politische Debatten, keine Meinungsfreiheit. Menschen glauben Al-Dschasira mehr als ihren eigenen Regierungen. Das Volk hat eine Stimme bekommen«, sagt Sam Bahour, ein Analyst aus Ramallah.

50 Millionen Al-Dschasira ist nicht nur ein einfacher Nachrichtensender. Experten nennen ihn den »23. Staat der Arabischen Liga«. Der Nahostfachmann Dan Schueftan von der Universität Haifa geht sogar noch einen Schritt weiter: »Der Sender hat inzwischen mehr Einfluss als jede Regierung der Region.« Wenn eine Sondersendung angekündigt wird, sitzen die Menschen von Marokko bis Oman gebannt vor ihren Fernsehern. Tabus werden gebrochen, Regime an den Pranger gestellt. Gnadenlos, pompös und umstritten – mit diesem Rezept zieht Al-Dschasira täglich rund 50 Millionen Zuschauer in seinen Bann.

Der Satellitensender aus Katar wird nicht zensiert und revolutionierte so die Berichterstattung in der arabischen Welt. In Talkshows konnten Menschen vor laufender Kamera ihre Ansichten frei äußern, selbst zu Themen wie außerehelichem Sex. »Al-Dschasira ist offen für konträre Meinungen«, sagt Schueftan. Sogar Israels Armeesprecher wird zu Sendungen eingeladen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Denn Al-Dschasira deckt nicht nur Korruption und Unterdrückung auf, sondern ist auch ein Befürworter islamistischer Kräfte. Seine Berichterstattung richtet sich gegen die Machthaber der Region, aber auch gegen den Westen und Israel. Täglich werden Predigten radikaler Scheichs übertragen, Terroristen als Freiheitskämpfer gefeiert. Unverhohlen preist der Sender die Mitglieder von Hisbollah und Hamas, während Pragmatiker, die mit Israel verhandeln, als Verräter gebrandmarkt werden.

Krieg

Trump droht Iran: »Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!«

Der US-Präsident sieht die iranischen Streitkräfte am Boden und droht dem Land einmal mehr. Teheran habe die Chance für einen Deal verpasst

 10.06.2026

München

Anklage nach Angriff auf israelisches Konsulat

Ein 24-Jähriger wirft Steine auf die Einrichtung und löst mit einem verdächtigen Rucksack einen größeren Polizeieinsatz aus. Weshalb ihn Ermittler vor Gericht sehen wollen

 10.06.2026

Brandenburg

Goebbels-Villa könnte Zentrum gegen Extremismus werden

Das alte Haus nördlich von Berlin verfällt seit Jahren. Jetztsoll daraus ein Ort gegen Antisemitismus werden

 10.06.2026

Meinung

So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026

USA

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem

von Anna Ringle  10.06.2026

Washington D.C.

Trump stellt Netanjahus politische Zukunft infrage

»Er hatte eine erstaunliche Karriere«, sagt der amerikanische Präsident. »Will er weitermachen?«

 10.06.2026

Berlin

»Wenn Alice Weidel Kanzlerin wird, bin ich weg!« 

Der Kabarettist Dieter Nuhr sagt, er halte es für einen Fehler, die AfD politisch konsequent auszuschließen. Die Dämonisierung der Partei habe ihr eher genützt

 10.06.2026

New York

Kongress-Kandidat kritisiert Israel-Fokus im Wahlkampf

Der jüdische Demokrat Micah Lasher sagt, er sei »erschöpft« davon, wie stark der jüdische Staat den politischen Diskurs dominiere

 10.06.2026

Gaza

UN-Bericht: Hamas richtet Dutzende Palästinenser hin und verstümmelt sie

Das Hochkommissariat für Menschenrechte dokumentiert in einer Untersuchung Hunderte Fälle sogenannter extralegaler Strafen

 10.06.2026