Meinung

Das Dilemma der Flüchtlingshilfe

Judith Neuwald-Tasbach Foto: Uwe Steinert

Meinung

Das Dilemma der Flüchtlingshilfe

Wir müssen Asylbewerbern helfen, aber auch die Grenzen unserer Möglichkeiten im Blick haben

von Judith Neuwald-Tasbach  03.08.2015 18:05 Uhr

Aufgrund der Vergangenheit können wir nicht anders, als Flüchtlinge willkommen zu heißen. Wer hier zu uns kommt, hat gewichtige Gründe. Niemand verlässt seine Heimat gerne und freiwillig, sondern aus großer Not. Da ist es eine Verpflichtung, diese Menschen aufzufangen. Wir sind aber an einen Punkt gelangt, an dem wir zwischen Wirtschafts- und Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen unterscheiden müssen.

Ich weiß, dass es grundsätzlich nicht richtig ist,Unterschiede zwischen verschiedenen Flüchtlingsgruppen zu machen. Trotz allem habe ich Verständnis für die Politik, die sich schwerpunktmäßig um die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kümmert und die Aufnahme der Wirtschaftsflüchtlinge reduzieren möchte. Mir tut das unendlich leid, weiß ich doch, dass »wirtschaftliche Gründe« meist nichts anderes bedeuten als bittere Armut.

verständnis Ich glaube, dass wir Juden mit den Erfahrungen der Vergangenheit an das große moralische Dilemma, mit dem wir es hier zu tun haben, mit größerem Verständnis für die Menschen in Not herangehen. Jüdische Menschen wollten damals auch aus dem unmenschlichen Hitlerdeutschland fliehen und schafften es manchmal nicht. Mein Vater Kurt Neuwald sel. A., der die Schoa überlebt hat, wollte danach unbedingt in Gelsenkirchen bleiben, denn für ihn war Heimat ganz wichtig.

Das heutige Deutschland, in dem wir leben, ist ein menschliches Land. Dass wir uns zu einer Gesellschaft entwickelt haben, in der menschliche Werte dominieren, in der es demokratische Strukturen gibt und die für alle Menschen alles Lebensnotwendige bereitstellen kann, war nach der Schoa alles andere als wahrscheinlich. Dass uns dies gelungen ist, müssen wir jetzt zeigen und beweisen. Wir müssen gegen dumpfen Hass auf die hier eintreffenden Asylbewerber deutliche Worte finden und den Menschen, die zu uns flüchten, helfen.

Das können wir auf der großen, der politischen Ebene genauso wie auf der kleinen Ebene des Alltags. Die Politik ist nicht nur gefordert, indem sie organisatorisch die Weichen dafür stellt, dass die Flüchtlinge hier versorgt werden. Auch außenpolitisch hat Deutschland zu handeln: Wir müssen für Verbesserungen der Lebensbedingungen in den armen Ländern Afrikas eintreten, wir müssen uns für die Beendigung von Kriegen und Bürgerkriegen einsetzen. Das mag naiv klingen, aber nur das Stemmen dieser großen Aufgabe verhindert weiteres Flüchtlingsleid – und trägt nachhaltig zu Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt, bei. Ich bin stolz, in einem Land zu leben, in dem es so viel privates Engagement gibt, um Flüchtlinge willkommen zu heißen.

Die Autorin ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.

Eckernförde

Deutschland erhält autonomes Spionage-U-Boot aus Israel

Der unbemannte »BlueWhale« wird von Israel Aerospace Industries (IAI) gemeinsam mit dem deutschen Schiffbaukonzern Thyssenkrupp hergestellt

 25.02.2026

Washington D.C.

Fehlende Epstein-Akten zu Trump? Demokraten wollen Antworten

Das US-Justizministerium betont: »Wir haben nichts gelöscht.« Doch laut Demokraten fehlen in den veröffentlichten Akten Dokumente, die Verstrickungen Trumps zeigen sollen

 25.02.2026

Gedenkstätten

Panse: Israelkritik in Buchenwald ist »geschichtsvergessen«

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse kritisiert geplante israelfeindliche Aktionen beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald scharf. Mit einer öffentlichen Diskussion will er auf Aufklärung setzen

 25.02.2026

Wiesbaden

Deutschlandweiter Schlag gegen Hass und Hetze im Netz

Hitlergruß, Hakenkreuze, Hetze: Polizisten gehen in allen 16 Bundesländern gegen mutmaßliche politische Kriminalität im Netz vor. Rund 140 Ermittlungsverfahren laufen. Was steht besonders im Fokus?

 25.02.2026

Epstein-Akten

Bill Gates räumt Affären mit russischen Frauen ein

Zugleich äußert der 70-jährige Philanthrop über seine Kontakte zu Jeffrey Epstein und spricht von einem schweren Fehler

 25.02.2026

Kiel

Daniel Günther will härtere Strafen bei antisemitischen Taten

»Wir bringen einen Beschlussvorschlag ein, mit dem die Länder Antisemitismus und Antiisraelismus in jeglicher Hinsicht klar verurteilen«, so der schleswig-holsteinische Ministerpräsident

 25.02.2026

Botschafter in Tel Aviv

Auch Lambsdorff will in Israel Hebräisch lernen

Im Sommer soll der Diplomat Steffen Seibert als Deutschlands Botschafter in Tel Aviv ablösen. Jetzt verrät Alexander Graf Lambsdorff, warum er sich auf die neue Aufgabe freut

 25.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026

Nahost

USA verlegen auch F-22-Kampfjets nach Israel

Vor den nächsten Verhandlungen über einen Atomdeal mit dem Iran verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region

 25.02.2026