Meinung

Carsten Brosda als Kulturminister? Ein fatales Signal!

Hamburger Kultursenator Carsten Brosda (SPD) Foto: picture alliance/dpa

Kulturpolitik in Deutschland – das ist und war auch immer eine Schatten-Außenpolitik. Die Vertreter der bildenden wie darstellenden Künste nutzen ihre verbriefte Freiheit gern und häufig dazu, teils subtil, teils unverblümt die Staatsräson zu attackieren – mit »Staatsknete«.

Im Deutschen Herbst der ausgehenden 70er-Jahre etwa gaben sich wortgewandte Apologeten der Terrororganisation RAF in den Dependancen des Goethe-Instituts die Klinke in die Hand, während in den Bootcamps der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) und anderer Terrorgruppen deutsche Neonazis Seite an Seite mit Baader-Meinhof-Mitgliedern den bewaffneten Kampf gegen das verhasste System und das sogenannte Wallstreetjudentum lernten – und die Bundesrepublik gegen die Hydra des Terrorismus kämpfte.

KUNSTFREIHEIT Finanziert wird diese Kunstfreiheit in Deutschlands kultureller Außenvertretung, dem Goethe-Institut, die der demokratischen Glatze so manch Locke dreht, zu knapp zwei Dritteln aus dem Außenministerium. Bezeichnend, dass praktisch alle entscheidenden kulturellen Institutionen im Lande, von der Kulturstiftung des Bundes über das Goethe-Institut, das Haus der Kulturen der Welt oder der Deutsche Bühnenverein als Repräsentanz der deutschen Theater unlängst die unsägliche Petition »Weltoffenheit 5.3 GG« unterzeichneten.

Die Ampel muss in der Personalie schleunigst auf Rot springen. Für die moralische Integrität der neuen Regierung, für Deutschlands Juden – und für Israel.

Mehr als 1000 Kunstschaffende sprachen sich in dem Papier, das es beim Simon Wiesenthal Center unter die Top Ten der weltweit schlimmsten antisemitischen Vorfälle des Jahres schaffte, im Dezember 2020 offen gegen den BDS-Beschluss des Bundestags aus. Die Spitzengremien der deutschen Kultur nahmen damit, unterstützt von Kreisen aus dem Auswärtigen Amt, offen den Kampf gegen den Parlamentsbeschluss von Union, SPD, FDP und den Grünen auf, der BDS als das benennt, was er ist: rassistisch und antisemitisch.

Ausgerechnet dieser Bundestagsbeschluss schaffe ein »Klima der Zensur« und »Angst und Paranoia« hieß es in dem Pamphlet, das sich ungerührt gegen die Antisemitismus-Definition von Regierung, Parlament und der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken stellt. Die Liste derer, die unterzeichneten, liest sich wie ein Kompendium deutscher Antizionisten. Für den Deutschen Bühnenverein unterschrieb dessen Präsident, Carsten Brosda.

BDS-RELATIVIERUNG Der 46-jährige Sozialdemokrat, der als Vertrauter von Olaf Scholz gilt, soll nun offenbar neuer Staatsminister für Kultur werden, heißt es im politischen Berlin allerorten. Der alerte bisherige Hamburger Kultursenator war clever genug, das Anti-Israel-Papier nicht in seiner politischen Hauptfunktion zu unterschreiben. Die Unterschrift zählt trotzdem.

Der künftige Vertreter der deutschen Kultur in der Regierung ist somit jemand, der qua Signatur dokumentiert hat, all das zu negieren, was der bisherigen Bundeskanzlerin Angela Merkel noch »Staatsräson« war. Ein verheerendes Signal in einem Jahr, in dem wortreich und gelegentlich auch mit jeder Menge politischem Gratismut das Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« begangen wird. Für Deutschlands Juden wäre es ein deutliches Zeichen, wie weit es mit der stets beschworenen Solidarität in Wahrheit aussieht, wenn ausgerechnet zu solch einem Jubiläum offener Israelhass in den Kabinettsrang erhoben würde.

Denn damit hätte der salonlinke Antisemitismus 2.0, der eine Bedrohung für das Judentum einzig rechtsaußen und weder links noch bei den Islamisten sieht, an exponierter Stelle politische und kulturelle Kompetenz. Da sollte die Ampel schleunigst auf Rot springen. Für die moralische Integrität der neuen Regierung, für Deutschlands Juden – und für Israel.

Frankfurt/Main

Experten: Antisemiten hetzen im Netz inmitten von Lifestyle-Themen

Der Vertrauensverlust in klassische Medien macht TikTok, Youtube und Instagram zur wichtigsten Arena für politische Debatten. Dort müsse der Kampf für die Demokratie stattfinden, betonen Extremismus-Experten

von Christof Bock  15.09.2026

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

Berlin

Nach antisemitischem Angriff: Aufruf zum Tragen eines Davidsterns

An Rosch Haschana wurde eine Frau antisemitisch beleidigt und verletzt. Mehrere jüdische Organisationen und Vereine rufen nun für Donnerstag zum Tragen eines Davidsterns aus Solidarität auf

 15.09.2026

Washington

US-Bericht räumt Munitionsmangel infolge des Iran-Kriegs ein

Ein Bericht aus dem amerikanischen Verteidigungsministerium bestätigt, was die Regierung lange bestritt: Der Iran-Krieg hat die Munitionsvorräte der USA empfindlich ausgedünnt. Das Pentagon will nun gegensteuern

 15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026

Berlin

Wie die Auswahl des Antisemitismusbeauftragten zum Debakel wurde

Der Senat wollte den Posten eines Antisemitismusbeauftragten für die Hochschulen der Hauptstadt schaffen. Doch das Verfahren wurde abgebrochen. Eine neue Recherche zeigt, wie es so weit kommen konnte

 15.09.2026

Umfrage

AfD bleibt laut Umfrage stärkste Partei – CDU/CSU auf Tief

Die in Teilen rechtsextremistische Partei hat einen Vorsprung von 11 Prozentpunkten zur zweitstärksten Partei

 15.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert