Dresden

Bunter Protest gegen Neonazis

Teilnehmer einer Protestkundgebung am 15. Februar gegen eine rechte Demonstration. Auf einem Banner steht: »13. Februar«. Anlass ist der Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Foto: dpa

Trommeln, Trillerpfeifen, Musik und Sprechchöre: Lautstark, bunt und energisch haben sich in Dresden am Samstag Tausende Menschen gegen eine Kundgebung von Neonazis und einen sogenannten Trauermarsch zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gestellt.

»Gemeinsam gegen den Rechtsruck in Europa« war etwa auf Transparenten zu lesen. Pink gekleidete Demonstranten hielten ein Pappschild mit der Aufschrift: »Lieber Paradiesvogel als Reichsadler«.

Zahlen Gegen die aus ganz Deutschland und mehreren europäischen Ländern angereisten Rechtsextremen machten nach Schätzungen der Organisatoren deutlich mehr als 2000 Menschen allein in den beiden Protestzügen mobil.

Die genaue Zahl lasse sich allerdings nur schwer abschätzen, weil in der Stadt mehrere Gruppen von Gegendemonstranten unterwegs waren. »Auf jeden Fall sind es mehr als erwartet«, sagte eine Sprecherin vom Bündnis »Dresden Nazifrei«. Das Aktionsnetzwerk »Leipzig nimmt Platz« gab insgesamt rund 5000 Teilnehmer an.

Die rechtsextreme Kundgebung, die ein Dresdner NPD-Funktionär angemeldet hatte, musste eine kürzere Route nehmen als geplant.

Die rechtsextreme Kundgebung, die ein Dresdner NPD-Funktionär angemeldet hatte, musste aufgrund von Protesten und Sitzblockaden eine andere und kürzere Route nehmen als geplant.

Die - Schätzungen zufolge etwas mehr als tausend - Neonazis konnten nicht wie gewünscht durch die Altstadt marschieren, sondern mussten am Rande der Innenstadt in Richtung Hauptbahnhof ausweichen.

Dort hielten sie begleitet von lautstarkem Protest ihre Abschlusskundgebung. Die Rechtsextremen hatten im Vorfeld rund 800 Teilnehmer bei der Stadt angemeldet.

Großaufgebot Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund 1500 Beamten im Einsatz, darunter Hubschrauber und berittene Polizei. Angaben zur Zahl der Demonstranten machte die Polizei nicht.

Im Zuge des Einsatzes wurden sieben Menschen in Gewahrsam genommen und 25 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unter anderem wird wegen möglicher Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, Körperverletzungsdelikten, Landfriedensbruchs und Beleidigungen ermittelt.

Am Abend und in der Nacht nach den Demonstrationen war es nach Angaben der Polizei vom Sonntag ruhig geblieben in der Stadt.

Auf Twitter kritisierten einige Gegendemonstranten das aus ihrer Sicht teils rabiate Vorgehen der Polizei - etwa beim Auflösen von Sitzblockaden. Zudem sei ein Polizist aus einer Reiterstaffel durch eine Gruppe von Demonstranten geritten. Darüber müsse im Nachgang geredet werden, erklärte eine Sprecherin von »Dresden Nazifrei«.

Dresden war vor 75 Jahren am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bomben stark zerstört worden, bis zu 25.000 Menschen starben. Immer wieder wird das historische Datum von Rechtsextremen missbraucht, um die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Seit 2012 überwiegt das friedliche Gedenken der Bürger.

Erstmals hat der CDU-Kreisverband für Montag gemeinsam mit der FDP, den Kirchen und der Jüdischen Gemeinde zu einer Kundgebung aufgerufen.

pegida Auch an diesem Montag sind in Dresden Demonstrationen geplant. Die islam- und ausländerfeindiche Pegida-Bewegung will ihre 200. Kundgebung seit Gründung im Herbst 2014 abhalten. Dazu wurde Björn Höcke, Thüringer AfD-Chef und Wortführer des völkisch-nationalen Flügels seiner Partei, eingeladen.

Dagegen regt sich breiter Protest. Erstmals hat sogar der CDU-Kreisverband gemeinsam mit der FDP, den Kirchen und der Jüdischen Gemeinde zu einer Kundgebung auf dem Neumarkt aufgerufen. Dort will sich auch Pegida versammeln.

Die »Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes« haben selbst in ihrer Hochburg Dresden deutlich an Zuspruch verloren und sind auch nicht mehr jeden Montag auf der Straße. dpa

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland eine härtere Gangart einschlagen, fordert der grüne Europapolitiker Sergey Lagodinsky

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026

Jerusalem

»... dann werden wir Iran in die Steinzeit zurückversetzen«

Für den Fall eines erneuten Angriffs auf Israel droht Verteidigungsminister Israel Katz dem Mullah-Regime mit massiven Vergeltungsschlägen

 04.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Stuttgart

Wie Fans Attentäter feiern - und welche Gefahren das birgt

Attentätern wird oft in sozialen Netzwerken gehuldigt. Eine Studie der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württember zeigt, wie leicht gerade Minderjährige an solche Inhalte kommen

von Marco Krefting  04.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW-Spitzenkandidatin bereit zu Kooperation mit AfD

Politik müsse sich an Inhalten orientieren, sagte Claudia Wittig im ARD-Morgenmagazin

 04.09.2026

Interview

Historikerin: AfD will Erinnerung an NS-Zeit und Holocaust ausradieren

Die Holocaust-Forscherin Andrea Löw über jüdisches Leben in der NS-Zeit, die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt und Parallelen zwischen NSDAP und AfD

 04.09.2026

Erfurt

Regierungskrise in Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt

Der Streit im BSW spitzt sich zu: Weitere Abgeordnete verlassen die regierungstragende Fraktion im Landtag und die Partei

 04.09.2026 Aktualisiert

Brüssel

Europäische Rabbinerkonferenz legt Sieben-Punkte-Plan gegen Hass vor

Die Organisation fordert in einem neuen Papier ein konsequenteres Vorgehen von Staat und Gesellschaft gegen Antisemitismus

 04.09.2026

Washington

Repräsentantenhaus für Entzug von Bundesmitteln an Israel-Boykotteure

Zu den Befürwortern des Gesetzentwurfes gehörten auch jüdische Mitglieder des Repräsentantenhauses sowie einige Demokraten

 04.09.2026