Berlin/Jerusalem

Bundesregierung empört über Äußerungen von Smotrich

Finanzminister Bezalel Smotrich von der Religiös-zionistischen Partei Foto: copyright (c) Flash90 2024

Das Auswärtige Amt hat Äußerungen des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich verurteilt, in denen er die Nahrungsmittelhilfe für Palästinenser im Gazastreifen bedauert und ein Aushungern als moralisch gerechtfertigt bezeichnet.

»Es sind völlig inakzeptable und empörende Äußerungen des israelischen Finanzministers. Wir weisen sie auf das Allerschärfste zurück«, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

»Es ist ein Gebot der Menschlichkeit und ein Grundprinzip des humanitären Völkerrechts, das auch im Krieg Zivilistinnen und Zivilisten geschützt werden müssen und zum Beispiel Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln bekommen müssen«, so der Sprecher.

Smotrich und andere rechtsextreme Minister aus der Regierungskoalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fallen immer wieder mit skandalösen Zitaten auf.

»Moralisch gerechtfertigt«

Nach Angaben der zuständigen israelischen Organisation COGAT werden täglich Hunderte Lastwagen mit Hilfsgütern für Gaza abgefertigt. Immer wieder kam es zu Problemen mit der Verteilung, da die Terrororganisation Hamas die Hilfe stahl und daraufhin teuer verkaufte – und weil abgefertigte Lastwagen von UNO-Organisationen nur nach und nach abgeholt und in Richtung der Hilfsbedürftigen bewegt wurden.

Smotrich hatte sich laut israelischen Medienberichten zur internationalen Situation seines Landes geäußert und eine Blockade der Hilfsgüter bis zur Freilassung aller Geiseln als moralisch und gerechtfertigt bezeichnet, selbst wenn dies den Hungertod von zwei Millionen Menschen im Gazastreifen bedeute. Aber die internationale Gemeinschaft werde dies nicht zulassen, so Smotrich.

»Aufmerksam verfolgt«

Auf die Frage, ob die Bundesregierung daran eine Völkermordabsicht (»genocidal intent«) erkenne oder diese Äußerungen so bewerte, sagte der Außenamtssprecher, er sei sicher, »dass die Äußerungen auch in Den Haag sehr aufmerksam verfolgt werden, wo ja gerade über diese Art von Fragen beraten wird«.

Am 21. Mai hatte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag Haftbefehle gegen Netanjahu und andere Israelis beantragt. Ihnen wirft er vor, für das Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung sowie für willkürliche Tötungen und zielgerichtete Angriffe auf Zivilisten verantwortlich zu sein.

Jedoch versuchen die israelischen Streitkräfte (IDF), die Bevölkerung Gazas zu schützen und zu ihrer Versorgung beizutragen. Vor Angriffen auf den palästinensischen Terror warnt die Armee betroffene Menschen und fordert sie zur Flucht über eigens eingerichtete Routen auf. dpa/ja

Debatte

Hamburgs zweite Bürgermeisterin warnt vor Linken in Berlin

Katharina Fegebank (Grüne): »Eine Regierung, die abhängig ist von Antisemiten und Terrorunterstützern darf es in Deutschland niemals geben«

 24.09.2026

Berlin

»Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen«

Jüdische Aktivisten kritisieren den Umgang mit der von zahlreichen Antisemitismusvorfällen geprägten Linkspartei

 24.09.2026

Gedenkstunde

In Auschwitz geboren: Holocaust-Überlebende spricht im Bundestag

Angela Orosz-Richt wurde 1944 im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geboren. Im Januar wird sie in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag sprechen

 24.09.2026

München

Haft für mehrfach vorbestraften Holocaustleugner

Selbst im Gerichtssaal tätigte der Verurteilte weitere strafrechtlich relevante Äußerungen

 24.09.2026

Gespräch

Antisemitismusbeauftragter: Linke muss sich von Antisemiten trennen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner fordert von der Linken einen entschlosseneren Umgang mit Antisemitismus. Im Interview spricht der frühere Linken-Politiker darüber, was die Partei ändern müsse

 24.09.2026

Berlin-Wahl und ihre Folgen

Katherina Reiche: Linke-Regierung in Berlin gefährlich für Standort

Enteignungen und Judenhass seien für den Investitionsstandort Deutschland gefährlich, sagt die Bundeswirtschaftsministerin

 24.09.2026

Berlin

CDU bringt Verfassungsschutz-Prüfung der Linken ins Spiel

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Throm, begründete seinen Vorstoß mit Verbindungen einzelner Linken-Politiker zur organisierten Kriminalität sowie mit Antisemitismus

 24.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  24.09.2026

Berlin

Jüdische Sozialdemokraten gegen Koalition der SPD mit der Linken

»Schon längst werden wir nicht mehr nur von rechts bedroht«, schreibt Renée Röske, die Vorsitzende des Arbeitskreises

 24.09.2026