Manifest für die Zivilgesellschaft

Bündnis fordert: Keine Steuergelder für Erasmus-Stiftung

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und Initiator der Allianz. Foto: David Bachar / Bildungsstätte Anne Frank

Ein neues Bündnis warnt vor einer »rechts-braunen Unterwanderung« des Bildungsbereichs in Deutschland durch die AfD und die ihr nahestehende Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Sollte die AfD erneut in den Bundestag einziehen, erhielte die Erasmus-Stiftung staatliche Förderung in Höhe von mehreren Millionen Euro, hieß es am Dienstag in einer digitalen Pressekonferenz der aus 13 Organisationen gebildeten Allianz.

UNTERWANDERUNG Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und Initiator der Allianz, Meron Mendel, sagte: »Sollte es der Erasmus-Stiftung durch Millionen aus Steuergeldern ermöglicht werden, zukünftig den akademischen und langfristig auch alle anderen gesellschaftlichen Bereiche mit ihrer rechts-braunen Ideologie zu unterwandern, dann sponsern wir als Gesellschaft den Demokratie-Abbau in unserem Land.«

Es drohe eine Unterwanderung der Universitäten, des Bildungsbereichs, der Medien, der Justiz und aller gesellschaftlichen Institutionen, so Mendel.

Zu der Allianz gehören unter anderen der DGB, ver.di, Pro Asyl und der Zentralrat der Juden in Deutschland.

In einem »Manifest für die Zivilgesellschaft und die politische Bildung« fordern die 13 Organisationen die Politik auf, vor der Bundestagswahl zu handeln. »Wir erwarten von der Bundespolitik, dass sie in den nächsten Monaten alles unternimmt, um ein Demokratiefördergesetz auf den Weg zu bringen und sicherzustellen, dass Verfassungsfeinde wie die AfD und ihre Stiftung keine Steuergelder erhalten«, sagte Mendel. »Wir dürfen nicht eine Minute länger warten – es ist fünf vor zwölf.«

Erstunterzeichner des Manifests sind die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, die Amadeu Antonio Stiftung, der Verein Campact, der Deutsche Gewerkschaftsbund, Fridays for Future, der Verein »Gesicht Zeigen!«, die Katholische Akademie Rabanus Maurus, medico international, das Paritätische Bildungswerk, Pro Asyl, die Stiftung Topographie des Terrors, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland.

GEFÄHRDUNG Der wissenschaftliche Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats, Doron Kiesel, sagte: »Bei unseren europäischen Nachbarn können wir beobachten, wie schnell Demokratien kippen.« Daher sei es in Deutschland wichtig, wahrzunehmen, »wie grundlegend unser Gemeinwesen gefährdet ist«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Dies sei der Fall, »wenn wir Organisationen stärken, die auf der Grundlage ihrer nationalistisch-völkischen Ideologie über die Zugehörigkeit von Individuen oder Gruppen zu unserer Gesellschaft entscheiden wollen.« Kiesel sagte, die AfD lasse Elemente erkennen, »die das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Deutschland und das Zusammenleben mit Minderheiten infrage stellen«.

STIFTUNG Die Desiderius-Erasmus-Stiftung wurde 2017 gegründet und 2018 von der AfD als parteinahe Stiftung anerkannt. Vorsitzende ist die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach. Benannt ist die Stiftung nach dem Theologen und Humanisten Desiderius Erasmus von Rotterdam (1466–1536).

Der Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Joachim Valentin, erklärte, Desiderius Erasmus sei eine herausragende Figur des katholischen Humanismus. Im Dialog mit dem Reformator Martin Luther sei er für Toleranz und umfassende Bildung eingetreten.

»Alles das sind Ziele, für die die gleichnamige Stiftung gerade nicht steht. Im Gegenteil: Es handelt sich um ein rechtes Netzwerk, das aggressiv völkisches Gedankengut und Intoleranz verbreitet«, so Valentin.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann betonte: »Es ist schlichtweg absurd, wenn der demokratische Rechtsstaat diejenigen unterstützt, die ihn abschaffen wollen.« (mit epd)

Karlsruhe

Waffen für Hamas? Verdächtiger nach Deutschland überstellt

Seit Monaten geht die Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Anhänger vor, die Waffen für die Organisation geschmuggelt haben soll. Ein weiterer Beschuldigter ist jetzt in deutscher U-Haft

 03.07.2026

Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Wie die »New York Times« berichtet, fürchtete die Trump-Administration bei den Iran-Verhandlungen die gezielte Tötung der iranischen Delegierten Abbas Araghchi und Mohammad Bagher Ghalibaf durch Israel

 03.07.2026

Studie

AJC warnt vor AfD-Regierungsübernahme

Zum AfD-Bundesparteitag hat das American Jewish Committee eine Analyse über den Landesverband in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Die Aussage ist eindeutig

 03.07.2026

Gesellschaft

Filmproduzentin Brauner: Erinnerungskultur ist gescheitert

Symbolpolitik statt echter Auseinandersetzung - Alice Brauner hält die deutsche Erinnerungskultur für gescheitert. Ihr neuer Film über Menschenversuche in Auschwitz soll die Vergangenheit schonungslos sichtbar machen

von Hannah Krewer  03.07.2026

Vereinigte Staaten

Trump: »Warum Juden Demokraten wählen, ist mir ein Rätsel«

Im CNBC-Interview hat sich der US-Präsident erneut abschätzig über amerikanische Juden geäußert, die seine Politik nicht goutieren

 03.07.2026

Iran

Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Chamenei beginnen Samstag

Rund vier Monate nach seiner Tötung soll Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden. Mehrere Tage lang herrscht dafür im Iran Ausnahmezustand

 03.07.2026

Interview

»Ich nehme die Kritik sehr ernst«

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antisemitismus, wechselt nach Paris. Im Interview blickt er zurück und zieht Bilanz

von Leticia Witte  03.07.2026

Migration

Mehr Juden, bitte!

Ein Plädoyer

von Tobias Kühn  03.07.2026

Thüringen

Simson-Nachfahren schockiert über Vereinnahmung durch AfD

Die berühmte Moped-Marke wurde von einer jüdischen Familie gegründet. Heute zeigt sich unter anderem Björn Höcke gern mit dem Traditions-Moped

 03.07.2026