Vereinigte Staaten

Trump: »Warum Juden Demokraten wählen, ist mir ein Rätsel«

Verteidigt sein Abkommen mit dem Iran: US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance / AP Photo/Julia Demaree Nikhinson

Dass Donald Trump unter den Juden im eigenen Land unpopulär ist, ist keine Neuigkeit. Eine Umfrage im April ergab, dass nur gut ein Fünftel der jüdischen Amerikaner seine Amtsführung gutheißt – deutlicher weniger als der Durchschnitt in der nichtjüdischen Bevölkerung.

Anders sah die Sache bis vor Kurzem in Israel aus. Dort genoss der US-Präsident ein hohes Ansehen – weil seine Regierung dem jüdischen Staat militärisch und politisch zur Seite stand in einer Zeit, da sich immer mehr westliche Staaten von Israel abgewandt haben. Doch jetzt hat sich auch in Israel die Stimmung gewendet – gegen Trump. Grund ist das vorläufige Abkommen mit dem Iran für eine Waffenruhe, dass vielen Israelis sauer aufstößt, weil der Islamischen Republik darin weitreichende Zugeständnisse gemacht werden.

Das Israel Democracy Institute veröffentlichte am 9. Juni eine Umfrage. Demnach sind heute nur noch 44 Prozent der befragten Israelis der Meinung, dass Trump die Sicherheit des jüdischen Staates am Herzen liegt. Selbst unter eher konservativen Israelis ist das Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten unter die 50-Prozent-Marke gefallen.

Unpopularität ist für den ehemaligen Immobilienunternehmer und Reality-TV-Star Trump so etwas wie die Höchststrafe – und gleichbedeutend mit Undankbarkeit. Deswegen machte der 80-Jährige nun seinem Ärger Luft und schimpfte über die jüdische Wählerschaft im eigenen Land. »Wie ein Jude für einen Demokraten stimmen kann, ist mir ein Rätsel«, sagte Trump im Interview mit dem Sender CNBC, das im Weißen Haus geführt wurde. »Denn ich war der beste Präsident in der Geschichte Israels, und das erkennen sie auch an – übrigens lag meine Zustimmung in Israel, glaube ich, bei 99 Prozent oder so.«

In der Vergangenheit hatte Trump sich ähnlich geäußert. 2024 meinte der Präsident, Juden, welche die Demokraten seinen Republikanern bevorzugten, sollten sich einer Gehirnuntersuchung unterziehen. Jetzt schlug er erneut in diese Kerbe und pries seine Politik an. Er habe die Golanhöhen als Teil Israels und Jerusalem als Hauptstadt anerkannt und dort »sogar eine Botschaft gebaut«, so Trump. Diese Schritte fanden bereits in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 statt.

Lesen Sie auch

Auch das Abkommen mit Teheran verteidigte er. Der Iran habe in den Verhandlungen »so gut wie allem zugestimmt, was wir brauchen«, sagte er im CNBC-Interview. Die Islamische Republik sei von den USA und Israel militärisch besiegt worden, auch wenn Teheran noch »einige Raketen übrig« habe. »Kein anderer Präsident hat auch nur daran gedacht, das zu tun, was ich getan habe. Ich habe (…) ihr Militär komplett zerschlagen. Sie haben keine Marine, sie haben keine Luftwaffe, sie haben kein Radar, ihre Anführer sind alle tot«, brüstete sich Trump.

Er fügte hinzu: »Sie wählen - nein, nicht wählen, sie ernennen neue Anführer. Die sind ebenfalls alle tot. Wir sind mittlerweile bei der dritten Generation von Anführern angelangt, und wir kommen tatsächlich gut mit ihnen zurecht. Ich halte sie für wesentlich rationaler. Übrigens halte ich das für einen Regimewechsel, aber ich strebe keinen Regimewechsel an.« Vielmehr gehe es darum, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen werde.

Unterdessen berichtete die »New York Times«, dass US-Offizielle glaubten, Israel könne während der Verhandlungen mit Teheran, an denen Jerusalem nicht beteiligt war, die iranischen Unterhändler töten. Dem Bericht zufolge sei es dabei vor allem um Abbas Araghchi, den iranischen Außenminister, und Mohammad Bagher Ghalibaf, den Parlamentspräsidenten, gegangen. Aus Angst, ein israelischer Attentatsversuch könne die Verhandlungen zum Scheitern bringen, hätten die USA sogar andere Länder in der Region gebeten, das Regime in Teheran vor möglichen israelischen Angriffen zu warnen. mth

Extremismus

Wagenknecht an Höcke: »Warum reden wir nicht mal?«

Seit Tagen liefern sich die BSW-Gründerin und der thüringische AfD-Chef ein Fernduell mit Vorschlägen und Provokationen. Jetzt legt Sahra Wagenknecht nach

 17.08.2026

Israel

Kushner wirbt bei Netanjahu für Gaza-Friedensplan

Trumps Schwiegersohn auf schwieriger Mission: Jared Kushner will einen Kompromiss ausloten, obwohl zwischen Israel und der Hamas bei den Verhandlungen über Gazas Zukunft noch eine tiefe Kluft liegt

 17.08.2026

Studie

AfD nutzt Anfragen zur Stimmungsmache

Kleine Anfragen sind ein Mittel, mit dem besonders Oppositionsparteien Regierungshandeln hinterfragen können. Eine Untersuchung zeigt, dass die AfD dabei eher auf Skandalisierung setzt

 17.08.2026

New York

UN ehrte offenbar getöteten Hamas-Kommandeur

Die Monitoringorganisation »UN Watch« übt heftige Kritik am UN-Generalsekretär António Guterres und an der Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock

 17.08.2026

New York

Mann schlägt 63-jährige Synagogenbesucherin

Ein 46-jähriger drang am Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes in eine Manhattaner Synagoge ein und randalierte dort

 17.08.2026

Nahost

US-Rahmenabkommen mit Iran läuft aus: Was hat es gebracht?

Die Vereinbarung mit dem Iran sollte den Krieg zu einem Ende bringen. Das Mitte Juni auf 60 Tage angelegte Abkommen hielt jedoch nicht lange. Hat US-Präsident Trump damit überhaupt etwas erreicht?

von Jürgen Bätz  17.08.2026

Terror

Iran bereitet sich auf Ausweitung des Krieges vor

Das Mullah-Regime soll während der 60-tägigen Frist eines mit Washington vereinbarten Memorandums für den Fall eines erneuten militärischen Konflikts vorgesorgt haben

 17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026