Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Irans Außenminister Abbas Araghchi Foto: IMAGO/UPI Photo

Einem Bericht der »New York Times« (NYT) zufolge hatte die US-Delegation bei den jüngsten Iran-Verhandlungen offenbar Sorge, dass Israel eine gezielte Tötung der iranischen Unterhändler Außenminister Abbas Araghchi und Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf versuchen könnte.

Während der Gespräche zwischen Washington und Teheran im Frühjahr glaubten US-Diplomaten demzufolge, dass die reale Möglichkeit für einen Angriff auf die iranischen Unterhändler bestand. Demnach hätten die USA aus Sorge um ein Scheitern der Verhandlungen sogar andere Länder in der Region gebeten, den Iran vor einer möglichen Tötung Araghchis und Bagher Ghalibafs zu warnen.

Der »Spiegel« verwies in dem Zusammenhang auch auf eine Meldung der Agentur Reuters vom 17. April, wonach Pakistans Luftwaffe die iranische Delegation nach einer Verhandlungsrunde in Islamabad mit zwei Dutzend Kampfjets außer Landes begleitet hätte.

Die Tötung hochrangiger iranischer Politiker, Militärs und Revolutionsgardisten war von Beginn des Krieges an Teil der israelischen Strategie gewesen. So wurden gleich zu Anfang der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Funktionäre des Regimes getötet.

Die Tötung hochrangiger iranischer Politiker, Militärs und Revolutionsgardisten war von Beginn des Krieges an Teil der israelischen Strategie gewesen.

Am 17. März kam Ali Larijani, der zeitweilige als Chameneis De-facto-Nachfolger galt, ums Leben. Irans ehemaliger iranischer Außenminister Kamal Kharazi, ein enger Berater Khameneis, fiel am 9. April den bei einem gezielten Angriff erlittenen Verletzungen zum Opfer. Beide Männer waren laut »NYT« an den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten beteiligt, als sie bei israelischen Luftangriffen getötet wurden.

Der erste zweiwöchige Waffenstillstand im April sei in Israel auf breite öffentliche Besorgnis gestoßen und von der Netanjahu-Regierung nur widerwillig unterstützt worden, weil man die Kriegsziele, einen Regimewechsel zu erzwingen, die mit Iran Verbündeten-Terrormilizen zu zerstören und das iranische Raketenprogramm nachhaltig zu zerstören, als nicht erreicht ansah. Israelische Regierungsvertreter befürchteten auch, dass durch die Vereinbarung Milliarden von Dollar in den Iran fließen würden, ohne dass dieser von seinen atomaren Ambitionen abrücken müsste.

Eine Sprecherin der israelischen Botschaft in Washington lehnte gegenüber der »NYT« eine Stellungnahme ab. Ein US-Vertreter betonte, die Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Delegationen würden fortgesetzt. Der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner hätten produktive Treffen in Katar gehabt. US-Präsident Donald Trump wolle, dass der Friedensprozess ungesetzt werde.

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Vorbereitungen für Chamenei-Trauerfeier laufen auf Hochtouren

Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die an diesem Wochenende geplanten Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Ali Chamenei auf Hochtouren. Das iranische Staatsfernsehen zeigte am Freitag unter anderem, wie Regierungsvertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan in der Hauptstadt Teheran landeten. Es werden mehrere Millionen Menschen aus dem Iran und Nachbarländern erwartet. Der Sarg Chameneis wurde bereits in der Großmoschee Mosalla aufgebahrt. Die Zeremonien dauern bis Montag an. Chameneis Leichnam soll dann in die Pilgerstadt Ghom und in den Irak gebracht werden, ehe er am kommenden Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beerdigt wird.

Wie der »Spiegel« berichtet, drohte der Iran den USA und Israel aktuell mit Vergeltung für den Fall von ​Angriffen während des Staatsbegräbnisses. »Wir warnen die Feinde Irans, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeglicher Fehleinschätzung«, erklärte Ali Abdollahi, Kommandeur des zentralen Hauptquartiers Khatam al-Anbiya, in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung am Donnerstag.

Bereits am Mittwoch hatte der iranische Außenminister Abbas Araghchi betont, Iran werde sofort und mit aller Härte auf jede Bedrohung reagieren. Zuvor hatte ​der israelische Verteidigungsminister Israel ‌Katz erklärt, Chameneis Sohn Mojtaba, der als neuer geistlicher Führer gilt, ​stehe auf einer Abschussliste.

Iranischen Medienberichten zufolge wurden die Sicherheitsvorkehrungen für die Dauer der Trauerfeiern verschärft. Zudem ​kündigte die iranische ⁠Luftfahrtbehörde am Mittwoch vorübergehende Einschränkungen ​des Flugverkehrs ​über mehreren Städten an, darunter Teheran und Maschhad. ja/dpa

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