Vereinte Nationen

Boykott der Weltkonferenz gegen Rassismus

Wie schon bei vorangegangenen UN-Antirassismuskonferenzen (hier in Genf 2009) wird Deutschland am Mittwoch aus Protest nicht teilnehmen. Foto: picture-alliance/ dpa

Ungewohnt viele Länder wollen eine seit Jahren umstrittene Veranstaltung der Vereinten Nationen boykottieren. Die vierte Ausgabe der Weltkonferenz gegen Rassismus soll dennoch am Mittwoch in New York eröffnet werden.

Bereits im Juli hatte die Bundesregierung bekannt gegeben, dass Deutschland der erstmals 2001 im südafrikanischen Durban abgehaltenen Veranstaltung wie schon 2011 fernbleiben werde. Insgesamt haben mittlerweile westliche 31 Staaten ihren Boykott angekündigt (2011 waren es nur 14). Weitere Länder wie Belgien wollen keine Vertreter auf Ministerebene entsenden.

auswüchse Grund der Ablehnung waren Auswüchse bei der ersten Durban-Konferenz, die nur wenige Tage vor den Terroranschlägen am 11. September 2001 stattfand. Weil zahlreiche Nichtregierungsorganisationen forderten, dass der Zionismus als eine Form des Rassismus verurteilt werden müsse, verließen damals die USA und Israel aus Protest die Konferenz.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Zur Vorbereitung der Abschlusserklärung hatten sich die asiatischen Staaten bereits im Februar 2001 in Teheran getroffen und sich auf einen Entwurf verständigt, in dem es hieß, Israel praktiziere »eine neue Art von Apartheid«, »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« und »eine Form von Völkermord«.

ANTISEMITISMUS Erst in letzter Minute gelang es, die Formulierung aus der Durban-Erklärung zu streichen. Vertreter der europäischen Staaten hatten gedroht, den USA und Israel zu folgen und sich von der Konferenz zurückzuziehen. Nichtsdestotrotz wurde in der Abschlusserklärung Israel namentlich genannt und eine angebliche »Notlage der Palästinenser unter ausländischer Besatzung« hervorgehoben. Außerdem forderte das Dokument – ungewöhnlich für eine Erklärung zum Thema Rassismus - die Errichtung eines palästinensischen Staates.

Bei einem parallel zur Konferenz der UN-Mitgliedsstaaten stattfindenden »NGO-Forum« wurde Israel als »rassistischer Apartheidstaat« bezeichnet, der sich des »Völkermordes« schuldig gemacht habe.  Bei einem Protestmarsch von Teilnehmern des Forums durch die Innenstadt Durbans war auf einem Plakat zu lesen: »Hitler hätte den Job zu Ende bringen sollen«. Einige Demonstranten liefen mit Hakennasen durch die Stadt, andere verkauften das antisemitische Traktat »Die Protokolle der Weisen von Zion«.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar nannte der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Moshe Kantor, die Vorgänge in Durban »ein Festival von gezieltem Rassismus« gegen Juden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Trotz der Negativschlagzeilen aus Südafrika ließen die Vereinten Nationen es sich nicht nehmen, gleich mehrmals mit Veranstaltungen an die Durban-Konferenz zu erinnern. Im April 2009 nutzte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die sogenannte »Durban Review Conference« (auch Durban II genannt) als Bühne, um gegen Israel zu hetzen.

Ahmadinedschad war der einzige Staatschef, der nach Genf gekommen war, um zu reden. Noch während seiner Ansprache verließen zahlreiche europäische Delegationen aus Protest den Tagungssaal. Einige kamen anschließend wieder zurück, Deutschland und andere blieben aber dem weiteren Verlauf der Konferenz fern.

REDNER Als nur zwei Jahre später die dritte Durban-Konferenz stattfand. blieben 14 westliche Staaten dem Event fern. Auch Deutschland gehörte dazu. Eine Dekade später sind es nun schon mehr als doppelt so viele. Laut dem israelischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gilad Erdan, wollen mindestens 31 Regierungen – 20 davon aus Europa – auf ihre Teilnahme am Mittwoch verzichten. Darunter sind neben Deutschland auch Australien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, die Niederlande, Österreich, Rumänien, Tschechien, Ungarn und die USA.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Selbst jene Staaten, die trotzdem mit Delegationen vertreten sein werden, wirken nicht gerade motiviert, sich einzubringen. Laut »Jerusalem Post« informierte Andorras UN-Vertreter Joan Josep Lopez vergangene Woche den scheidenden türkischen Präsidenten der UN-Vollversammlung, Volkan Bozkir, darüber, dass bislang kein einziger Staats- oder Regierungschef aus der WEOG-Gruppe westlicher Staaten den Wunsch geäußert habe, bei der Antirassismuskonferenz das Wort zu ergreifen oder eines der beiden Diskussionspanel zu leiten.

ERKLÄRUNG Der Entwurf der Abschlusserklärung für das Treffen am Mittwoch erwähnt zwar auch den Antisemitismus – allerdings nicht in Zusammenhang mit der Zunahme judenfeindlicher Taten und Äußerungen im Zuge der Covid-19-Pandemie. Stattdessen ist in dem Dokument nur die Rede von einem Anstieg »rassistisch motivierter Gewalt, Gewaltandrohung, Diskriminierung und Stigmatisierung« gegen Asiaten.

Zwar wird die Zunahme von Diskriminierung und Hassrede mit großer Sorge zur Kenntnis genommen wird und Antisemitismus als Beispiel für »Vorurteile gegenüber Personen aufgrund ihrer Religion oder ihres Glaubens« genannt. Gleichzeitig bekräftigt das Abschlussdokument aber die Durban-Erklärung von 2001 – und damit auch die stigmatisierende Heraushebung Israels.

Kommentar

Keine großen Sorgen vor Mamdani, bitte

Hannes Stein über den neuen Bürgermeister von New York und die Herausforderungen, die der Job für den Israelhasser mit sich bringt

von Hannes Stein  07.01.2026

Interview

»Israels Sache ist gerecht, sie muss nur besser erklärt werden«

Der saudische Influencer Loay Alshareef über Frieden im Nahen Osten, seine erste Begegnung mit Juden und die Kraft persönlicher Erfahrung

von Stefan Laurin  07.01.2026

Frankfurt am Main

Salomon Korn wird mit Ignatz-Bubis-Preis ausgezeichnet

Salomon Korn erhält den Ignatz-Bubis-Preis. Die Auszeichnung wird am Montag in der Frankfurter Paulskirche überreicht

 07.01.2026

In eigener Sache

Die Jüdische Allgemeine erhält den »Tacheles-Preis«

WerteInitiative: Die Zeitung steht für Klartext, ordnet ein, widerspricht und ist eine Quelle der Inspiration und des Mutes für die jüdische Gemeinschaft

 07.01.2026 Aktualisiert

Todesurteil

Iran richtet angeblichen Mossad-Spion hin

Eine angebliche Zusammenarbeit mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst führte im Iran zu einer weiteren Hinrichtung. Die Exekutionen erreichten im vergangenen Jahr einen Höchststand

 07.01.2026

Kommentar

Erst Maduro, dann die Mullahs?

Der Sturz des venezolanischen Diktators ist auch eine glasklare Warnung an das iranische Regime. Israel und die USA könnten einen Beitrag dazu leisten, es zu Fall zu bringen

von Saba Farzan  07.01.2026

Dialog

Israel und Syrien vereinbaren Kommunikationskanal unter US-Vermittlung

Mit US-Unterstützung nehmen Israel und Syrien ihren Dialog wieder auf. Ein neuer Kommunikationsmechanismus soll künftig Streit zwischen den beiden verfeindeten Ländern verhindern

 07.01.2026

Seeon

Schuster warnt vor Auswanderung von Juden aus Deutschland

In vielen Bundesländern und auch im Bund darf sich die AfD laut Umfragen Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung machen. Der Präsident des Zentralrates der Juden warnt vor dramatischen Folgen

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026