Meinung

Blind auf dem linken Auge: Die »Vulkangruppe« in Berlin und der Terror

Deutschland hat aus seinem Versagen gegenüber dem Rechtsextremismus gelernt – zumindest teilweise. Nach Jahren des Wegsehens wurde die Bedrohung von rechts endlich ernst genommen. Sicherheitsbehörden wurden sensibilisiert, Förderprogramme aufgelegt, der politische Diskurs verschärft. Das war notwendig.

Doch während der Fokus nahezu ausschließlich nach rechts gerichtet wurde, entstand eine neue Blindheit: die systematische Verharmlosung linksextremer Gewalt – begünstigt durch eine Politik, die aus Angst vor falschen Zuschreibungen zu viel Rücksicht auf linke Milieus nimmt.

Gewalt, die nicht so genannt werden darf

Seit Jahren verüben linksextreme Gruppen Anschläge auf Fahrzeuge, Unternehmen und Infrastruktur. Die sogenannte »Vulkan«-Gruppierung steht exemplarisch für eine Szene, die sich längst vom politischen Protest verabschiedet hat und auf gezielte Sabotage setzt.

Die Angriffe auf Tesla, Bahnstrecken oder zuletzt auf Teile der Berliner Stromversorgung markieren eine Eskalation. Trotzdem ist die politische Reaktion auffallend verhalten. Während bei rechtsextremen Vorfällen sofort von Terror gesprochen wird, dominieren bei linksextremer Gewalt Begriffe wie »Sachbeschädigung«, »Aktivismus« oder »Protest«.

Diese sprachliche Schonung ist kein Zufall – sie ist politisch gewollt.

Teile der Politik scheinen sich schwerzutun, linksextreme Gewalt klar zu benennen. Zu groß ist die Sorge, eigene Wählermilieus zu verprellen oder Verbündete im »Kampf gegen rechts« zu verlieren. Das Ergebnis ist eine asymmetrische Extremismusbekämpfung, die das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt.

Dabei ist die Realität eindeutig: Wer Stromleitungen sabotiert, gefährdet Menschenleben. Wer Infrastruktur angreift, nimmt Leid bewusst in Kauf.

Das trifft nicht - schlimm genug - ausschließlich »den Kapitalismus«, sondern Berlinerinnen und Berliner – darunter Kranke, Alte und Pflegebedürftige. Eine Politik, die solche Taten relativiert oder einordnet statt verurteilt, verliert ihre moralische Autorität.

Antisemitismus mit linkem Etikett

Besonders problematisch ist der Umgang mit linkem Antisemitismus. Während antisemitische Tendenzen von rechts konsequent benannt werden, wird derselbe Hass von links häufig als »Israelkritik« umgedeutet.

Die offene oder indirekte Unterstützung terroristischer Organisationen wie Hamas oder Hisbollah, die Relativierung von Gewalt gegen jüdische Zivilisten und die Dämonisierung Israels sind keine Randerscheinungen mehr. Dennoch bleibt der politische Aufschrei oft aus – zu unbequem ist das Thema für jene, die linke Bewegungen grundsätzlich als moralisch überlegen betrachten.

Antisemitismus ist kein ideologisches Missverständnis. Er ist ein Warnsignal. Und er kommt längst nicht nur von rechts.

Kein Fortschritt durch Wegsehen

Es geht nicht um Gleichsetzung. Rechtsextremismus bleibt eine zentrale Bedrohung. Aber wer Extremismus nur dann bekämpft, wenn er ins eigene Weltbild passt, bekämpft ihn nicht wirklich.

Eine Demokratie darf sich nicht von ideologischer Nähe leiten lassen. Gewalt ist Gewalt – unabhängig davon, ob sie sich »antikapitalistisch«, »antifaschistisch« oder »progressiv« nennt.

Was fehlt, ist politische Klarheit. Der Rechtsstaat darf nicht selektiv sein. Wer Freiheit, Sicherheit und Zusammenhalt ernst meint, muss bereit sein, auch linke Extremisten konsequent zu benennen, zu verfolgen und politisch zu isolieren.

Sonst droht die nächste ernüchternde Erkenntnis: Wir haben wieder zu spät hingesehen – diesmal auf dem linken Auge.

Der Autor ist ehemaliger Direktor der Jewish Claims Conference für Deutschland. 

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026