Justiz

Bischof Williamson wegen Volksverhetzung schuldig gesprochen

Richard Williamson Foto: dpa

Justiz

Bischof Williamson wegen Volksverhetzung schuldig gesprochen

Holocaust-Leugner zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt

von Martin Krauss  14.01.2013 13:56 Uhr

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson (72) ist wegen Volksverhetzung schuldig gesprochen worden. Das Amtsgericht Regensburg verurteilte den britischen Bischof am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen die Existenz von Gaskammern während des Holocaust bestritten. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, weil das Interview nicht in Deutschland hätte gezeigt werden sollen.

pius-brüder Schon zweimal war der frühere Bischof der umstrittenen katholischen Pius-Brüder verurteilt worden. Doch das Oberlandesgericht Nürnberg hatte im Februar 2012 die Urteile wegen Formfehlern aufgehoben: Im Strafbefehl sei unklar geblieben, ob und wo Williamsons Behauptung, es habe keine Gaskammern gegeben, in Deutschland veröffentlicht worden sei.

Da die Leugnung der nationalsozialistischen Verbrechen zwar in Deutschland, nicht aber in jedem anderen Land unter Strafe steht, müsse der Nachweis erbracht werden, dass Williamson das Interview nicht nur in Deutschland, nämlich in Zaitzkofen im Landkreis Regensburg, gegeben habe, sondern dass es auch in Deutschland veröffentlicht wurde, so die Nürnberger Richter vor einem Jahr.

Die Regensburger Strafrichterin begründete das Urteil am Mittwoch damit, dass Williamson von einer Verbreitung des Interviews habe ausgehen müssen. »Wer sechs Minuten in die laufende Kamera schaut und Äußerungen über den Holocaust macht, der muss damit rechnen, dass dies verbreitet wird«, erklärte Gerichtssprecher Thomas Rauscher das Urteil. Strafmindernd habe sich ausgewirkt, dass Williamson aktuell kein Einkommen habe, weil er infolge des Interviews aus der erzkonservativen Piusbruderschaft ausgeschlossen wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von 6500 Euro gefordert.

ausschluss Richard Williamson war zu den bisherigen Prozessen nicht angereist. Bislang hatte es ihm die Pius-Bruderschaft verboten. Doch auch diesmal kam er nicht nach Deutschland, auch wenn er nicht mehr an die Weisungen der Piusbruderschaft gebunden ist. Im Oktober 2012 wurde Williamson ausgeschlossen, weil er Respekt gegenüber den Oberen seines Ordens vermissen lasse. Noch im April 2012 hatte das Mitteilungsblatt der Pius-Brüder die Einstellung des Verfahrens gegen Williamson als »sehr erfreuliche Nachricht« kommentiert.

Mittlerweile ist auch der Generalobere der Pius-Brüder, Bischof Bernard Fellay aus der Schweiz, in die Kritik geraten: Am 28. Dezember 2012 bezeichnete er »die Juden, die Freimaurer, die Modernisten« als »die Feinde der Kirche«. Der Vatikan wies dies zurück und verwies auf den laufenden Dialog der katholischen Kirche mit dem Judentum.

Die im Jahr 2009 von Papst Benedikt XVI. verkündete Rückkehr der Pius-Brüder unter das Dach der katholischen Kirche ist noch nicht vollzogen. Noch weigert sich die Bruderschaft, das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen. (epd)

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026