Berlin

Kirche verurteilt antijüdischen Weihnachtsaufruf

»Wir verurteilen jede Form von Antisemitismus aufs Schärfste«: Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Foto: imago/Klaus Martin Höfer

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und das Berliner Missionswerk haben die Veröffentlichung israelfeindlicher Aussagen der sogenannten Kairos-Kampagne auf kirchlichen Webseiten kritisiert.

»Wir verurteilen jede Form von Antisemitismus aufs Schärfste«, heißt es in einem am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten Beitrag. Anlass ist ein auf den Seiten des Jerusalemsvereins des Berliner Missionswerks Ende 2020 veröffentlichter »Weihnachtsaufruf aus Bethlehem 2020« der Kairos-Kampagne. Dieser sei unmittelbar nach der Veröffentlichung entfernt worden, hieß es weiter. Man bedauere, dass es überhaupt zu dieser Veröffentlichung kommen konnte.

In dem Weihnachtsaufruf sei die biblische Weihnachtsgeschichte antijüdisch ausgelegt worden, so die EKBO. Kritisiert wurde zudem der Aufruf zu Wirtschaftssanktionen gegen Israel. Die Kirche und das Missionswerk reagieren damit auf Kritik des früheren Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) an der Veröffentlichung:

»Das ist ein skandalöses Beispiel von christlichem Antijudaismus wie wir ihn von Luther und den mittelalterlichen Pogromen während der Kreuzzüge und der großen Pest kennen.« Beck ist Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (Ceres) der Ruhr-Universität Bochum.

»Das ist ein skandalöses Beispiel von christlichem Antijudaismus wie wir ihn von Luther und den mittelalterlichen Pogromen während der Kreuzzüge und der großen Pest kennen.«

Volker Beck

»Antisemitismus ist Gotteslästerung«, heißt es in der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegenden Erklärung der EKBO. Die Plakat-Kampagne gegen Antisemitismus unter dem Motto #beziehungsweise sei deshalb ein das Jahr 2021 bestimmendes Moment der kirchlichen Arbeit in der EKBO.

»Die beschämende antijüdische Auslegung der Geschichte von den Weisen ist ebenso wie der ungeheuerliche Boykott-Aufruf, beides Bestandteile der Kairos-Kampagne, im Dezember unmittelbar nach Veröffentlichung von den Seiten des Jerusalemsvereins wieder entfernt worden.« Die Erklärung wird getragen vom Berliner Bischof Christian Stäblein, Pröpstin Christina-Maria Bammel und dem Direktor des Missionswerks, Christof Theilemann.

Das 2009 in Bethlehem veröffentlichte Kairos-Palästina-Dokument sorgt seit Jahren für Empörung und löste vor allem bei christlich-jüdischen Gesellschaften heftigen Protest aus. Das Papier sehe die Schuld im Nahostkonflikt einseitig bei den Israelis, heißt es.

Die Unterzeichner des sogenannten Kairos-Palästina-Dokuments - darunter führende Theologen und hochrangige Bischöfe aus der Region und vielen Konfessionen - bezeichnen darin Israels Souveränität in den Palästinensergebieten »als Sünde gegen Gott und die Menschen«.

Christen sollten Widerstand leisten. Der Appell vor allem palästinensischer Christen wurde auch vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf verbreitet. epd

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026