Wien

Bericht zeigt medizinische Gräueltaten der Nazizeit

Foto: picture alliance / ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com

Ein umfassender Report über die medizinischen Gräueltaten im Nationalsozialismus zeigt deutlich, dass die Taten nicht nur von Einzelnen ausgingen. »Es ist oft überraschend, wie begrenzt das Wissen über die medizinischen Verbrechen der Nazis in der medizinischen Gemeinschaft heute ist, vielleicht abgesehen von einer vagen Vorstellung von Josef Mengeles Experimenten in Auschwitz«, sagte Hauptautor Herwig Czech von der Medizinischen Universität Wien.

Aus diesem Grund hatten er und seine Mitstreiter dem Chefredakteur des Fachjournals »The Lancet« vor drei Jahren die Gründung einer Kommission vorgeschlagen, die dieses Wissen erweitern und Schlüsse für die Zukunft ziehen sollte.

Der nun präsentierte Report von 20 Wissenschaftlern und Ärzten stütze sich auf 878 Quellen und sei der bislang umfassendste Bericht über diese Gräueltaten, schreibt »The Lancet«. Er porträtiert einzelne Täter ebenso wie einzelne Opfer. Zu den genannten Tätern gehört Elisabeth Hecker, eine nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik angesehene Kinderärztin und Jugendpsychiaterin.

Rolle in Schlesien

Für ihre Verdienste um die Etablierung der Jugendpsychiatrie in Deutschland erhielt sie 1979 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Erst 1995, neun Jahre nach ihrem Tod, wurde ihre Rolle in Schlesien während der Nazizeit bekannt: »Im Rahmen des sogenannten Kinder-Euthanasie-Programms ordnete sie die Überführung der Kinder in die örtliche Tötungseinheit an und versuchte, die Tötungsgenehmigung auch dann durchzusetzen, wenn die Eltern auf die Entlassung des Kindes aus der Klinik bestanden«, heißt es im Bericht.

Ein weiteres Anliegen der Kommission ist es, Mediziner dafür zu sensibilisieren, woher das vermittelte medizinische Wissen stammt. So wird der Anatomieatlas des österreichischen Anatomen Eduard Pernkopf wegen der Detailtreue bis heute verwendet. Dabei nutzte der überzeugte Nationalsozialist auch Bilder von Menschen, die in der Nazizeit hingerichtet worden waren.

»Medizinstudierende, Forscher und praktizierende Gesundheitsfachkräfte sollten wissen, wo – und von wem – die Grundlagen des medizinischen Wissens stammen. Das sind sie den Opfern des Nationalsozialismus schuldig«, sagt Shmuel Pinchas Reis von der Hebrew University of Jerusalem, ein Co-Vorsitzender der Kommission.

Der Chefredakteur von »The Lancet«, Richard Horton, berief die »Lancet«-Kommission zu Medizin, Nationalsozialismus und Holocaust im Januar 2021 ein. Ihren Bericht sehen die Autoren als ersten Schritt an, sie planen umfangreiche Online-Dokumentationen. Sie bieten zudem ein neues Bildungsparadigma an, das sie »geschichtsinformierte berufliche Identitätsbildung« nennen, und legen einen Plan vor, wie es in die medizinische Ausbildung übernommen werden kann. dpa

Islamismus

»Gesetze im Sinne der Scharia verändern«

Der Investigativjournalist Sascha Adamek über Unterwanderung, Terrorismus und den Verfassungsschutz

von Ninve Ermagan  25.08.2026

Exklusiv-Interview

Götz Aly: »Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  25.08.2026

Parteien

Umfrage: So denken die Deutschen über die AfD

Brandmauer? Parteiverbot? Das Insa-Institut hat nachgefragt

 25.08.2026

Washington D.C./Teheran

Iran soll Kopfgeld auf Barron Trump ausgesetzt haben

Unter dem Titel »Wo kann man Barron Trump töten?« widmete das iranische Staatsfernsehen dem 20-Jährigen einen dreiminütigen Beitrag

 25.08.2026

Frankreich

Raphaël Glucksmann will Präsident werden – und spaltet die Linke

Der jüdische Europaabgeordnete stammt aus einer politisch und intellektuell geprägten Familie

 25.08.2026

Norwegen

Wandbild in Oslo ehrt palästinensische Terroristin

Ein überdimensionales Wandbild im Zentrum der norwegischen Hauptstadt zeigt unter anderen die frühere PFLP-Terroristin Leila Khaled, die von der verantwortlichen Gruppe als »Widerstandskämpferin« bezeichnet wird

 25.08.2026 Aktualisiert

Washington D.C./Teheran

USA wollen Teheran mit neuen Sanktionen in die Knie zwingen

Washington beabsichtigt, Irans Einnahmequellen trockenzulegen, um die Führung in Teheran zum Einlenken zu bewegen. Finanzminister Bessent spricht Drohungen aus, aber vieles bleibt unklar

 25.08.2026

Brandenburg

Antisemitismusbeauftragter Büttner für schärferes Strafrecht

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat ein strengeres Strafrecht gegen Judenhass gefordert. Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter schließt sich an

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026