Die Vereinigte Staaten und Israel erwägen eine militärische Spezialoperation im Iran, um den Bestand an hochangereichertem Uran des Landes unter Kontrolle zu bringen. Einem »Axios«-Bericht zufolge wurde ein solcher Einsatz hinter den Kulissen bereits diskutiert. Die Publikation führt Angaben mehrerer mit den Gesprächen vertrauter Quellen als Quelle an.
Demnach könnte eine mögliche Mission darauf abzielen, rund 450 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von etwa 60 Prozent zu sichern. Fachleute gehen davon aus, dass dieses Material innerhalb weniger Wochen auf waffenfähige Qualität gebracht werden könnte.
US-Außenminister Marco Rubio deutete bei einer Anhörung im Kongress an, dass eine physische Sicherung des Materials notwendig sein könnte: »Jemand wird hingehen und es holen müssen«, sagte er demnach, ohne zu präzisieren, welche Kräfte dafür eingesetzt würden.
Verschiedene Optionen im Gespräch
Nach Angaben von Regierungsvertretern werden unterschiedliche Szenarien geprüft. Eine Möglichkeit wäre, das Uran aus dem Iran zu entfernen. Alternativ könnten Experten in die Anlagen geschickt werden, um das Material vor Ort zu verdünnen und damit für den Bau von Kernwaffen unbrauchbar zu machen.
Eine solche Operation würde vermutlich Spezialkräfte sowie Nuklearexperten umfassen, möglicherweise auch Fachleute der International Atomic Energy Agency. Die Herausforderung bestehe vor allem darin, die genauen Lagerorte zu identifizieren und anschließend Zugang zu den stark gesicherten unterirdischen Anlagen zu erhalten.
«Die erste Frage ist: Wo befindet es sich? Die zweite Frage ist: Wie gelangen wir dorthin und wie übernehmen wir die physische Kontrolle?», sagte ein US-Regierungsvertreter «Axios».
Bodentruppen nicht ausgeschlossen
US-Präsident Donald Trump ließ am Samstag grundsätzlich offen, ob amerikanische Soldaten für eine solche Mission eingesetzt werden könnten. Ein Einsatz von Bodentruppen komme nur «aus einem sehr guten Grund» infrage, sagte er. Auf die Frage, ob US-Kräfte zur Sicherung von Nuklearmaterial in den Iran geschickt werden könnten, erklärte Trump: «Irgendwann vielleicht. Wir sind bisher nicht dagegen vorgegangen. Jetzt würden wir das nicht tun. Vielleicht tun wir es später.»
Eine Sprecherin des Weißes Haus erklärte, der Präsident halte sich bewusst alle Optionen offen. Nach Einschätzung amerikanischer und israelischer Behörden befindet sich der Großteil des Materials in Tunneln der Anlage in Isfahan, während kleinere Mengen auf die Standorte Natanz Nuclear und Fordow verteilt sein sollen.
Frühere Luftangriffe auf diese Einrichtungen hatten die Zugänge teilweise verschüttet. Nach Angaben von US- und israelischen Offiziellen sei es seitdem selbst iranischen Kräften schwergefallen, an die Lagerorte zu gelangen.
Iranische Ölexporte
Neben dem Nuklearmaterial wird in Washington offenbar auch über andere strategische Ziele diskutiert. Dazu gehört laut Bericht unter anderem die Insel Kharg Island, über deren Terminal ein Großteil der iranischen Ölexporte abgewickelt wird.
Regierungsvertreter in Washington betonten jedoch, dass es bei möglichen Operationen nicht um eine groß angelegte Bodenoffensive gehe. im