Teheran

Bericht: Revolutionsgarden bestimmen Irans Kurs nach Tod Chameneis

AWie viel Macht hat Modschitaba Chameinei? Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei hat sich die Machtstruktur in Teheran offenbar grundlegend verändert. Wie die »New York Times« unter Berufung auf Insider berichtet, liegt die tatsächliche Entscheidungsgewalt inzwischen vor allem bei führenden Kommandeuren der Revolutionsgarden. Der neue Oberste Führer Modschtaba Chamenei spielt demnach bislang eher eine moderierende als eine dominierende Rolle.

Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Machthabers, war im März von einem Gremium hoher Geistlicher als Nachfolger bestimmt worden. Seit einem Luftangriff auf das Anwesen seines Vaters Ende Februar lebt er dem Bericht zufolge abgeschirmt und wird medizinisch behandelt. Bei dem Angriff sollen Ali Chamenei sowie weitere Familienmitglieder ums Leben gekommen sein.

Mehrere iranische Gesprächspartner der »New York Times« beschrieben das neue System als »kollektive Führung«. Ein früherer Berater des ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sagte, Modschtaba Chamenei führe das Land »wie ein Vorstandsvorsitzender«. Er verlasse sich stark auf die Einschätzungen eines Machtzirkels. »Die Generäle sind die Vorstandsmitglieder.«

Schwächung des geistlichen Establishments

Besonders bei Fragen zu Sicherheit, Krieg und Außenpolitik sollen die Revolutionsgarden derzeit den Ton angeben. Nach Darstellung des Berichts trafen sie zentrale Entscheidungen im Konflikt mit den USA und Israel, darunter militärische Operationen, die zeitweise Blockade der Straße von Hormus sowie die Zustimmung zu indirekten Gesprächen mit Washington.

Lesen Sie auch

Demnach wurde auch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, selbst ehemaliger General, mit einer führenden Rolle bei Kontakten zu den Vereinigten Staaten betraut. Außenminister Abbas Araghtschi sei dagegen an Einfluss verloren haben. Präsident Massud Peseschkian müsse sich vor allem um die Versorgungslage im Land kümmern.

Analysten sehen in dieser Entwicklung eine Schwächung des geistlichen Establishments. Unter Ali Chamenei habe es zwar ebenfalls großen Einfluss des Militärs gegeben, die letzte Entscheidung habe jedoch stets beim Obersten Führer gelegen. Nun sei die Macht stärker auf mehrere Hardliner verteilt.

Hohe wirtschaftliche Schäden

Innerhalb der Führung gebe es dennoch Differenzen. Laut dem Bericht drängten Peseschkian und Araghtschi zuletzt auf weitere Verhandlungen mit den USA, auch wegen der hohen wirtschaftlichen Schäden des Krieges. Führende Militärs hätten dies jedoch abgelehnt und argumentiert, Washington wolle Iran zur Kapitulation zwingen.

Öffentlich bemühte sich Ghalibaf zuletzt um einen nüchternen Ton. Im Staatsfernsehen sagte er mit Blick auf militärische Erfolge: »Manchmal höre ich, wie unser Volk sagt, wir hätten sie vernichtet. Nein, wir haben sie nicht vernichtet. Das müsst ihr verstehen. Unsere militärischen Erfolge bedeuten nicht, dass wir stärker sind als die Vereinigten Staaten.«

Wie dauerhaft das neue Machtgefüge ist, bleibt dem Bericht zufolge offen. Beobachter gehen davon aus, dass viel davon abhängt, ob Chamenei Junior seine Stellung festigen kann – oder ob die Revolutionsgarden dauerhaft zum entscheidenden Machtzentrum der Islamischen Republik werden. im

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

USA

Gericht setzt Sanktionen gegen Francesca Albanese aus

Ein Richter in Washington hat Sanktionen der Trump-Regierung gegen die UN-Berichterstatterin vorerst gestoppt. Die USA werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor

 15.05.2026

London

König Charles besucht Opfer der Messerattacken in Golders Green

Der Monarch spricht auch mit dem 76-jährigen Norman Shine, der im April bei einer antisemitisch motivierten Mersserattacke an einer Bushaltestelle am Hals verletzt worden war

 15.05.2026

Würzburg

Schuster sieht Gleichgültigkeit bei Judenhass - Zivilcourage gefragt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnt vor einem Wegsehen bei Antisemitismus in Deutschland. Und gibt konkrete Tipps, wie man auf judenfeindliche Sprüche reagieren sollte

 15.05.2026

Peking

Trump erhöht Druck auf Iran

»Ich werde nicht mehr besonders lange geduldig sein«, sagt der amerikanische Präsident

 15.05.2026

Spanien

FC Barcelona distanziert sich von Jungstar Yamal – Entschuldigung an israelische Fans

»Wir möchten betonen, dass der betreffende Moment im Vorfeld von keiner mit dem FC Barcelona verbundenen Partei geplant war«, schreibt der Verein auf Hebräisch

 15.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  14.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Hilfsflotte sticht von Türkei aus erneut in See

Israel wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor

 14.05.2026

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026