Tel Aviv

Bericht: Nova-Überlebende werden Ziel koordinierter Hasskampagne im Netz

Die Gedenkstätte für die Opfer des Hamas-Angriffs auf das Nova-Festival in Re’im Foto: copyright (c) Flash90 2026

Überlebende des Hamas-Massakers auf dem Nova-Musikfestival sowie ehemalige Geiseln und Angehörige von Opfern sind nach Erkenntnissen einer neuen Untersuchung einer organisierten Welle digitaler Hetze ausgesetzt. Hinter zahlreichen Beiträgen sollen Netzwerke stehen, die Verbindungen zum iranischen Regime haben.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Organisation Fighting Online Anti-Semitism (FOA), der laut dem britischen »The Jewish Chronicle« in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll. Demnach handelt es sich um eine »anhaltende und vielschichtige digitale Kampagne«, die sich gezielt gegen Menschen richtet, die den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 überlebt haben oder Angehörige verloren.

Die Autoren warnen, die Betroffenen würden »zweimal verletzt«. Wörtlich heißt es: »Namentlich bekannte Personen, darunter ehemalige Geiseln und ihre Familien, werden anhaltenden Missbrauchskampagnen ausgesetzt, die das Trauma des 7. Oktober zusätzlich verstärken.«

Leugnung und Umdeutung

Nach Angaben der Forscher verfolgen die Kampagnen nicht nur das Ziel, die Ereignisse des Massakers zu leugnen oder umzudeuten. Ebenso gehe es darum, Überlebende und Hinterbliebene einzuschüchtern und weiter zu traumatisieren.

Beim Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 waren allein beim Nova-Festival 364 Menschen ermordet worden. Dutzende weitere wurden verletzt oder als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Der Bericht dokumentiert tausende Beiträge, die angeblich von gefälschten Konten mit Verbindungen nach Teheran stammen. Darin werde zur Tötung von Überlebenden aufgerufen, den Betroffenen unterstellt, ihre Erlebnisse erfunden zu haben, und antisemitische sowie rassistische Hassbotschaften verbreitet.

Antisemitische Memes

Außerdem analysiert die Untersuchung verschiedene Verschwörungserzählungen, die unmittelbar nach dem 7. Oktober entstanden seien. Dazu gehörten Behauptungen, die israelischen Streitkräfte hätten israelische Zivilisten absichtlich getötet, um den Krieg im Gazastreifen zu rechtfertigen. Ebenso werde sexuelle Gewalt durch Hamas-Terroristen am 7. Oktober geleugnet.

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Die Studie beschreibt das Spektrum der Desinformation so: »Das Phänomen reicht von vollständiger Leugnung – mit Behauptungen, der Angriff sei eine inszenierte Aktion mit ›Krisenschauspielern‹ und Kunstblut gewesen – bis hin zu Beiträgen und Kommentaren, die die Verantwortung der israelischen Armee zuschieben.«

Besonders häufig seien ehemalige Geiseln Ziel der Angriffe im Internet. Die Forscher stellten dabei Unterschiede zwischen den Plattformen fest. X sei vor allem ein Zentrum für Verschwörungstheorien über angebliche »False-Flag«-Operationen, während TikTok von Belästigungen gegen Überlebende, antisemitischen Memes und Videos geprägt sei, die aktuelle Trends nutzten, um Hassbotschaften zu verbreiten oder das Leid von Zivilisten lächerlich zu machen.

Politische Spannungen

Plattformübergreifend sei zudem eine Form der Täter-Opfer-Umkehr zu beobachten. So zitieren die Autoren einen Nutzer mit den Worten: »Ich habe kein Mitleid mit Menschen, die es für normal halten, neben einem Freiluftgefängnis voller Kinder zu feiern.«

FOA sieht Parallelen zu bereits bekannten iranischen Desinformationskampagnen. Westliche Nachrichtendienste werfen der Islamischen Republik seit Jahren vor, mit staatlich unterstützten Bot-Netzwerken gezielt politische Spannungen im Ausland anzuheizen. Nach Einschätzung der Autoren werden die ursprünglich koordinierten Inhalte inzwischen zunehmend auch von echten Nutzern weiterverbreitet.

Zugleich wirft die Organisation den Betreibern sozialer Netzwerke vor, ihre eigenen Richtlinien nicht konsequent durchzusetzen. Trotz zahlreicher Meldungen blieben Beiträge mit antisemitischen Inhalten oder offenen Gewaltaufrufen vielfach online.

Extremistische Inhalte

FOA-Gründer und Geschäftsführer Tomer Aldubi sagte: »Obwohl wir durch die enge Zusammenarbeit mit den sozialen Medien extremistische Inhalte erfolgreich entfernen, haben sich Antisemitismus und extremer Hass gegen Juden, Zionisten und Israelis seit dem 7. Oktober mit atemberaubender Geschwindigkeit weltweit verbreitet. Wir dürfen weder aufgeben noch schweigen.«

TikTok erklärte dem Bericht zufolge, die Plattform verfüge über strenge Regeln gegen Antisemitismus, Hassrede und koordinierte Einflusskampagnen. Spezialisierte Teams sowie automatisierte Systeme würden eingesetzt, um entsprechende Inhalte zu erkennen und zu entfernen. im

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