Thüringen

Benjamin Hoff soll Beauftragter gegen Antisemitismus werden

Staatskanzleiminister Benjamin Hoff (Linke) Foto: dpa

Benjamin Hoff (42, Linke), Staatskanzleiminister in Thüringen, soll offenbar zusätzlich das Amt des Antisemitismusbeauftragten im Freistaat übernehmen. Nach Information der »Thüringer Allgemeinen« benennt die rot-rot-grüne Landesregierung Hoff in ihrer Kabinettssitzung an diesem Dienstag für das Amt des ersten »Beauftragten für jüdisches Lebens in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus«.

Das Blatt beruft sich auf Regierungskreise. Der Staatskanzleichef ist bereits unter anderem für Europa- und Bundesangelegenheiten sowie für die Kulturpolitik zuständig.

DELIKTE Seit 2010 hat es der Zeitung zufolge in Thüringen rund 650 antisemitische Straftaten gegeben. Dies seien, auf die Einwohnerzahl gerechnet, ungefähr doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Wie das Thüringer Landeskriminalamt mitteilte, wurden 2018 in den ersten neun Monaten 38 Delikte gezählt. Beim Großteil der Taten handele es sich um Volksverhetzung.

In Thüringen gibt es, auf die Einwohnerzahl gerechnet, rund doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Bundesdurchschnitt.

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringens begrüßte die anstehende Entscheidung der Landesregierung. »Ich finde den Schritt richtig und angemessen«, sagte ihr Vorsitzender Reinhard Schramm der »Thüringer Allgemeinen«. Dass die Regierung dafür eine neue Stelle schaffe, sei nicht notwendig. »Es geht um Koordination der vielfältigen Aktivitäten und darum, sich mit dem Bund und anderen Ländern abzustimmen«, sagte er.

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringens begrüßte die anstehende Entscheidung der Landesregierung.

Unterdessen kündigte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, in Berlin ein erstes Treffen zur verstärkten Kooperation zwischen Bund und Ländern bei Strategien gegen Antisemitismus an. Es soll am 18. Februar in Heidelberg stattfinden. Geplant sei eine gemeinsame Kommission, die zweimal im Jahr tagen solle. Dafür müsse aber zunächst noch ein Vertrag geschlossen werden.

VORHABEN In dem Gremium soll es darum gehen, Beispiele für das Vorgehen gegen Antisemitismus auszutauschen und sich zu vernetzen, wie Klein erläuterte. Auch Gesetzesinitiativen der Länder, Forschungsprojekte oder konkrete Vorhaben wie neue Unterrichtsmaterialien für Schulen könnten diskutiert werden. Zudem sei ein Austausch von Informationen aus dem Sicherheitsbereich geplant.

Hoff ist bereits für Europa- und Bundesangelegenheiten sowie für die Kulturpolitik zuständig.

An dem Treffen im Februar sollen alle Bundesländer teilnehmen, auch jene, die bislang keinen eigenen Beauftragten ernannt haben, wie Klein weiter erklärte. In 7 Ländern gibt es bereits einen solchen Beauftragten; Klein fordert ihn für alle 16 Bundesländer.  kna

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026