Antisemitismus

Bayern soll Meldesystem erhalten

»Dass Eltern ihren Kindern sagen, Israel sei ein Verbrecherstaat, können wir nicht akzeptieren«: Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) Foto: dpa

Der neue bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) fordert eine Kultur des Hinschauens. »Wenn Juden angegangen werden, wenn sie beschimpft werden, oder wenn das Wort ›Jude‹ als Schimpfwort verwendet wird, dann müssen wir von staatlicher Seite dem entgegentreten«, sagte der frühere bayerische Kultusminister im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In Kürze soll es daher auch ein niederschwelliges Meldesystem geben, an das sich Bürger wenden und antisemitische Vorfälle melden können. Spaenle war Mitte Mai zum ersten Antisemitismusbeauftragten der Staatsregierung ernannt worden.

Diskriminierung »Mir schwebt vor, dass neben strafrechtlich relevanten Vorfällen auch Niederschwelliges gemeldet wird – Beleidigungen oder Beschimpfungen, Diskriminierung im Alltag«, sagte Spaenle weiter. So wolle er sich einen aussagefähigen Überblick über Antisemitismus in Bayern verschaffen.

Bislang könne er sich nur auf Zahlen der Staatsregierung berufen, wonach es im vergangenen Jahr rund 150 Straftaten gegen jüdische Bürger und Einrichtungen gegeben habe – meist Volksverhetzung oder Sachbeschädigungen. Mit seinem Meldesystem wolle er aber auch Vorfälle erfassen, die keine Straftaten sind.

Wichtig sei ihm in seinem neuen Amt auch die Bildungs-, Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit. »Sie muss auf Höhe der Zeit sein und keine formale Rückwärtsbetrachtung«, betonte Spaenle. Denn es gebe immer weniger Zeitzeugen, außerdem seien an den Schulen immer mehr Kinder aus Zuwandererfamilien – an Münchner Schulen machten sie bereits rund 50 Prozent der Schülerschaft aus. Daher brauche es eine gute Erinnerungsarbeit, denn viele Zuwandererkinder fragten sich, warum sie sich für den Holocaust verantwortlich fühlen sollten, sagte der Antisemitismusbeauftragte.

Israel Auch die Zuwanderung von mehr als einer Million Menschen aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens in den vergangenen Jahren habe dem Antisemitismus eine neue Färbung gegeben, sagte Spaenle. »Wenn es zur Erziehung gehört, dass Eltern ihren Kindern sagen, Israel sei ein Verbrecherstaat, der von der Landkarte getilgt werden müsse, dann können wir das nicht akzeptieren.«

Es sei aber klar, dass Kritik am Staat Israel möglich sein müsse, diese dürfe aber nicht antisemitisch sein. »Und man muss sich mal klarmachen, dass die Juden hierzulande keine Verantwortung dafür tragen, was in Israel passiert.« epd

Nahostkonflikt

Donald Trump lobt sich selbst - und tadelt Israel

Beim G7-Gipfel im französischen Evian holte der US-Präsident erneut zu einem rhetorischen Rundumschlag aus. Anstelle von Benjamin Netanjahu lobte er Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa

 16.06.2026

Berlin

YouGov-Umfrage: AfD neun Prozentpunkte vor der Union

Die Partei nähert sich in einer neuen Umfrage der 30-Prozent-Marke. Der Vorsprung auf die Union ist in der Erhebung so groß wie noch nie

 16.06.2026

Berlin

Trotz Zusage: AfD-Politiker darf nicht in gehobenen Dienst

Ein AfD-Kommunalpolitiker bewirbt sich für ein Polizeistudium. Dann erfährt das Land Berlin von seinem politischen Amt und zieht die Zusage zurück. Ein Gericht hat nun vorläufig entschieden

 16.06.2026

Debatte

Politologe: AfD als rechtsextrem zu bezeichnen, schreckt kaum noch Wähler ab

In Hessen stufte der Verfassungsschutz die Partei als rechtsextremen Verdachtsfall ein. Das bestärke die AfD in ihrer Opferrolle, meint Professor Christian Stecker

 16.06.2026

Berlin

JFDA veröffentlicht Dossier zur Parole »Globalize the Intifada«

Die NGO beschäftigt sich mit der Bedeutung und Wirkung des Slogans, der in den vergangenen Monaten bei israelfeindlichen Demonstrationen verwendet worden ist

 16.06.2026

Essen

Schüler wollte Juden ermorden: Islamistischer Messerangreifer vor Gericht

Dem Angeklagten wird dreifacher versuchter Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft beabsichtigte er, möglichst viele Juden zu töten, fand aber keine

 16.06.2026

USA

Jüdische Organisationen kritisieren Iran-Abkommen

Trump sei »so fixiert darauf gewesen, ein Abkommen mit dem Iran zu erreichen, dass er ohne jede Scheu bereit war, Israel beiseitezuschieben«, sagt Halie Soifer, die Vorsitzende des Jewish Democratic Council of America

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Heemstede

Niederländische Polizei vereitelt Anschlag auf Synagoge

Zwei Jugendliche und zwei Erwachsene befinden sich in Haft. Ziel des geplanten Anschlags soll ein jüdisches Gotteshaus gewesen sein

 16.06.2026