Berlin

Baerbock fordert »dringend humanitäre Feuerpausen«

Riad al-Maliki und Annalena Baerbock bei ihrer Pressekonferenz im Auswärtigen Amt Foto: IMAGO/photothek

Berlin

Baerbock fordert »dringend humanitäre Feuerpausen«

Ihr Gast war der palästinensische Außenminister

von Michael Thaidigsmann  13.02.2024 13:10 Uhr

Nur zwei Journalistenfragen waren bei der Pressekonferenz im Auswärtigen Amt in Berlin zugelassen, und so recht beantwortet wurden sie nicht. Vielleicht war die Veranstaltung auch deswegen vorab als »Pressebegegnung« angekündigt worden.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) und der Außenminister der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah, Riad al-Maliki, bemühten sich am Dienstag (jedenfalls in ihren Statements) um Sachlichkeit, trotz der angespannten Lage und der oft recht hitzigen Debatten über Israels Vorgehen gegen die Hamas im Gazastreifen.

Baerbock unterstrich einerseits Israels Recht auf Selbstverteidigung, warnte Israel andererseits aber vor einer Bodenoffensive in Rafah, im Süden Gazas. Sie forderte die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf, Schutzzonen und sichere Korridore für die mehr als eine Million Geflüchteten in Rafah einzurichten. Baerbock wörtlich: »Das Recht auf Selbstverteidigung, es gilt. Wie Israel hat jedes Land auch das Recht, sich gegen Terrorismus zu verteidigen. Aber das beinhaltet keine Vertreibung.«

Es müsse für die Zivilbevölkerung in Gaza sichere Orte geben, und auch die humanitäre Hilfe müsse weiter in die palästinensische Küstenenklave gelangen, so die Außenministerin. »Deswegen braucht es dringend humanitäre Feuerpausen.« Ihr sei bewusst, dass die Hamas dieses »unglaubliche Dilemma in ihrer Menschenverachtung ganz gezielt ausnutzt.« Am Mittwoch wird Baerbock erneut zu Gesprächen nach Israel und in andere Länder des Nahen Ostens fliegen.

Auch die Situation im Westjordanland und die Gewalt israelischer Siedler sprach Baerbock an. Das Leben für die Palästinenser werde immer schwieriger. »Ich habe selbst vor Ort mit Olivenbauern gesprochen, die nicht mehr zu ihren Feldern können, die sich um die Sicherheit ihrer Familien fürchten.« Den israelischen Siedlungsbau nannte sie »illegal«, er sei »ein massives Hindernis« für eine Zweistaatenlösung. »Wir schauen daher als EU genau hin und setzen uns auf EU-Ebene dafür ein, dass diejenigen, die solche Gewalttaten verüben, Konsequenzen spüren.« Auch die Administration von US-Präsident Joe Biden hatte vor kurzem Sanktionen gegen einige israelische Siedler verhängt. In Brüssel werden ähnliche Schritte geprüft.

»PA ist legitime Vertretung des palästinensischen Volkes«

Baerbock betonte jedoch auch, dass sich der 7. Oktober nicht wiederholen dürfe. »Hass und Terror müssen bekämpft werden. Auch das ist unsere gemeinsame internationale Verantwortung. Die Menschen in Israel müssen genauso sicher sein wie die Menschen in den palästinensischen Gebieten in einem zukünftigen Staat Palästina. Das Leid der Menschen in Palästina kann nur enden, wenn das Leid der Menschen in Israel endet. Und das Leid der Menschen in Israel kann nur enden, wenn das Leid der PalästinenserInnen und Palästinenser endet.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Nur eine Zweistaatenlösung könne den Konflikt lösen. Allein militärisch gebe es hingegen keine Lösung. Die Palästinenser sehnten sich nach einem eigenen Staat, der ihnen Heimat und Hoffnung gebe. Eine Anerkennung eines Staates Palästina, so Baerbock eher kryptisch, stehe dann »im Rahmen eines Friedensprozesses«. Vor kurzem hatte der britische Außenminister David Cameron eine vorzeitige Anerkennung eines Palästinenserstaates ins Spiel gebracht.

Die palästinensische Autonomiebehörde (PA), auch das machte die deutsche Außenministerin klar, sei für sie »die legitime Vertretung des palästinensischen Volkes. Um diese wichtige Rolle voll auszufüllen, muss die PA auf sichere Finanzen zurückgreifen können und sich reformieren.«

Zu diesem Punkt äußerte sich anschließend auch Riad al-Malki. Der palästinensische Chefdiplomat bedankte sich zunächst herzlich für Baerbocks Engagement auch für die Sache der Palästinenser. Er sprach von »Mut, Glaubwürdigkeit und einer tiefen humanitären Dimension, die Sie persönlich gezeigt haben.« Die Palästinenser schätzten es auch sehr, dass die deutsche Außenministerin Israel an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen erinnert habe.

Er habe in seinem Gespräch mit Baerbock »sehr detailliert über die Taten der Siedler, und ihre Pläne« gesprochen, so al-Maliki weiter. »Und ich glaube, dass es äußerst wichtig ist, dass diese Siedler in Schach gehalten werden, damit die unschuldigen palästinensischen Zivilisten im Westjordanland geschont werden.« Dann unterstellte er vage, dass die Regierung Netanjahu gezielt Unruhe unter palästinensischen Flüchtlingen schüre. Es sei »extrem wichtig«, daran zu arbeiten, diese Aktivitäten einzudämmen.

Treffen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz

Al-Maliki hielt sich aber mit allzu scharfer Kritik an Israels Adresse zurück – anders als sein Chef Mahmud Abbas im August 2022, als er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz Israel unterstellte, bereits »50 Holocausts« an den Palästinensern verübt zu haben. Der Außenminister sprach stattdessen von einem Vierpunkteplan für die Zeit nach dem Gazakrieg. Und er sprach über Reformen im eigenen Haus.

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, so al-Maliki, werde es schon in dieser Woche Treffen geben, um über »die Zeit danach« zu sprechen. Diese Treffen dienten dem Aufbau eines palästinensischen Staates. Schon bald werde es einen konkreten Vorschlag geben, den man dann auch Deutschland, der EU und den USA vorlegen werden.

Al-Maliki endete sein Statement mit den Worten: »Vielen Dank, Annalena, für dieses konstruktive, effiziente Treffen, das uns allen helfen wird, Fortschritte zu machen.«

Nahostkonflikt

Donald Trump lobt sich selbst - und tadelt Israel

Beim G7-Gipfel im französischen Evian holte der US-Präsident erneut zu einem rhetorischen Rundumschlag aus. Anstelle von Benjamin Netanjahu lobte er Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa

 16.06.2026

Berlin

YouGov-Umfrage: AfD neun Prozentpunkte vor der Union

Die Partei nähert sich in einer neuen Umfrage der 30-Prozent-Marke. Der Vorsprung auf die Union ist in der Erhebung so groß wie noch nie

 16.06.2026

Berlin

Trotz Zusage: AfD-Politiker darf nicht in gehobenen Dienst

Ein AfD-Kommunalpolitiker bewirbt sich für ein Polizeistudium. Dann erfährt das Land Berlin von seinem politischen Amt und zieht die Zusage zurück. Ein Gericht hat nun vorläufig entschieden

 16.06.2026

Debatte

Politologe: AfD als rechtsextrem zu bezeichnen, schreckt kaum noch Wähler ab

In Hessen stufte der Verfassungsschutz die Partei als rechtsextremen Verdachtsfall ein. Das bestärke die AfD in ihrer Opferrolle, meint Professor Christian Stecker

 16.06.2026

Berlin

JFDA veröffentlicht Dossier zur Parole »Globalize the Intifada«

Die NGO beschäftigt sich mit der Bedeutung und Wirkung des Slogans, der in den vergangenen Monaten bei israelfeindlichen Demonstrationen verwendet worden ist

 16.06.2026

Essen

Schüler wollte Juden ermorden: Islamistischer Messerangreifer vor Gericht

Dem Angeklagten wird dreifacher versuchter Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft beabsichtigte er, möglichst viele Juden zu töten, fand aber keine

 16.06.2026

USA

Jüdische Organisationen kritisieren Iran-Abkommen

Trump sei »so fixiert darauf gewesen, ein Abkommen mit dem Iran zu erreichen, dass er ohne jede Scheu bereit war, Israel beiseitezuschieben«, sagt Halie Soifer, die Vorsitzende des Jewish Democratic Council of America

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Heemstede

Niederländische Polizei vereitelt Anschlag auf Synagoge

Zwei Jugendliche und zwei Erwachsene befinden sich in Haft. Ziel des geplanten Anschlags soll ein jüdisches Gotteshaus gewesen sein

 16.06.2026