Hisbollah

Auf die Liste

Hisbollah-Terroristen (Archivfoto) Foto: Getty Images

Wenn wir das Wort »Hisbollah« hören, wissen wir nicht unbedingt, was es wirklich bedeutet. Wir wissen, dass es sich um eine Terrororganisation im Nahen Osten handelt, die Israel bedroht und als Stellvertreter des Iran fungiert. Aber ist das alles?

Nicht viele wissen, dass die Hisbollah nach Angaben von Strafverfolgungsbehörden als Bedrohung im globalen Maßstab angesehen wird. Mit einem Jahresbudget von 1,1 Milliarden Dollar gilt sie als eines der größten Drogenkartelle der Welt. Sie nutzt ihre weitverzweigten Ableger, um sich Einfluss auf dem europäischen Drogenmarkt zu sichern und in vielen Ländern der Welt Instabilität auszulösen.

finanzierung Hier in Deutschland kann die Hisbollah mit weitaus weniger Einschränkungen vorgehen, als sie sollte. Sie verlässt sich hauptsächlich auf ein breites Netz von Drogenschmuggel-, Geldwäsche- und dubiosen Wohltätigkeitsorganisationen, die nur einem einzigen Zweck dienen: der Finanzierung ihrer internationalen Terroraktivitäten.

Nach Angaben der amerikanischen Drogenfahndung DEA und anderer internationaler Sicherheitsorganisationen wie Europol ist die Hisbollah eine unheilvolle Mischung aus organisierter Kriminalität und internationalem Terrorismus. Die Organisation schmuggelt Drogen nach Europa, hauptsächlich Kokain, und verwendet die Gewinne, um ihr Kartell zu finanzieren und hoch entwickelte Waffen für ihre Kriegsmaschinerie im Libanon zu kaufen.

Hisbollah-Operationen haben nicht nur in Israel und im gesamten Nahen Osten, sondern auch hier in Europa Menschenleben gekostet.

Hisbollah-Operationen haben nicht nur in Israel und im gesamten Nahen Osten, sondern auch hier in Europa Menschenleben gekostet. Dieses ständig wachsende kriminelle Netzwerk wird auch für Terroraktivitäten genutzt. Erst vor wenigen Wochen wurde berichtet, dass die iranischen Al-Quds-Einheiten kriminelle Infrastrukturen in Albanien nutzten, um Terroranschläge zu planen und durchzuführen. Die Hisbollah ist eine Schwesterorganisation der Al-Quds-Einheiten, daher ist es nicht verwunderlich, dass sie dieselben Methoden anwendet.

sicherheitsbehörden Man möchte glauben, dass die europäischen Sicherheitsbehörden alles in ihrer Macht Stehende tun, um dieser Bedrohung Einhalt zu gebieten. Sie hätten wahrscheinlich die professionellen Fähigkeiten dazu. Doch leider sind ihnen die Hände gebunden, und ihnen fehlen die nötigen Werkzeuge, um mit einer solchen Terrororganisation fertigzuwerden, die sowohl national als auch international agiert.

Die Hisbollah kann den größten Teil ihrer Tätigkeit straffrei ausführen, da sie in Deutschland und den meisten Ländern Europas nicht in ihrer Gesamtheit als terroristische Vereinigung ausgewiesen ist. Europa legt die falsche Unterscheidung zwischen dem sogenannten »militärischen« und dem »politischen« Flügel der Hisbollah zugrunde – eine Unterscheidung, die, wie die Hisbollah selbst zugibt, falsch und gegenstandslos ist.

Während der militärische Flügel als terroristische Organisation gilt, arbeitet der politische Flügel fast unbehindert und betreibt seine kriminellen Machenschaften, die jedes Jahr Hunderte von Millionen Euro Profit machen.

Die Hisbollah gilt als eines der größten Drogenkartelle der Welt.

Manche haben inzwischen erkannt, dass diese Unterscheidung reine Fassade ist. Die USA haben schon vor Jahren die Hisbollah insgesamt als Terrororganisation gelistet. Kanada und sogar die Staaten der Arabischen Liga haben dies ebenfalls getan. Sie wissen, dass es sinnlos ist, den militärischen vom politischen Flügel zu unterscheiden, und dass die Hisbollah eine Bedrohung für sie selbst und die ganze Welt darstellt.

unterscheidung Selbst der Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, weiß, dass diese Unterscheidung künstlich ist, und sagte dies sogar öffentlich. In Europa waren bis vor Kurzem die Niederlande das einzige Land, in dem die Hisbollah vollständig auf der Terrorliste stand. Anfang dieses Jahres hat Großbritannien nachgezogen. Und in Deutschland gab es kürzlich sowohl vom Bundestag als auch von der Regierung Erklärungen dazu.

Außenminister Heiko Maas sagte sogar mehr als einmal, Deutschland werde mit seinen europäischen Partnern im Hinblick auf eine mögliche Listung der Hisbollah zusammenarbeiten, da dieses Thema nicht nur für Deutschland von Bedeutung sei, sondern eine europäische Antwort erfordere.

Es ist sinnlos, den militärischen vom politischen Flügel der Hisbollah zu unterscheiden

Es ist ein globaler Trend, die Hisbollah auf Terrorlisten zu setzen. Nach Großbritannien setzten Argentinien und Paraguay die Hisbollah auf die Liste, und Brasilien denkt ebenfalls über diesen Schritt nach. Der Trend wird sich fortsetzen, bis auch endlich die europäische Rettungsleine der Hisbollah abgeschnitten ist.

fakten und zahlen In der öffentlichen Debatte, ob die Hisbollah auf die Terrorliste sollte, gibt es Behauptungen und Gegenargumente. Darum ist es wichtig, dass wir uns an die Fakten und Zahlen halten, die darauf hindeuten, dass die Listung der Hisbollah die Beziehungen zwischen den betreffenden Ländern und dem Libanon nicht beeinträchtigt und dadurch keine erhöhte Bedrohung für die Sicherheit der Bürger dieser Länder entsteht.

Seit einem Jahr bin ich in ganz Europa unterwegs, insbesondere in Deutschland, und führe Gespräche. Ich bemerke bereits jetzt ein wachsendes Verständnis und eine Bereitschaft zum Handeln. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt: Europa muss aufwachen, die Hisbollah insgesamt als terroristische Organisation ausweisen und auf diese Art dazu beitragen, den nächsten Krieg im Nahen Osten zu verhindern – und endlich das Finanzierungsnetzwerk einer internationalen Verbrechens- und Terrorindustrie zu zerschlagen.

Der Autor ist Leiter des Abba Eban Institute for International Diplomacy am Interdisciplinary Center (IDC) in Herzliya. Bis 2015 war er ehemaliger israelischer Botschafter bei den Vereinten Nationen. Der Text wurde übersetzt von Michael Spaney vom Mideast Freedom Forum Berlin.

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025

USA

Mehrheit der Juden blickt nach Mamdani-Sieg mit Sorge nach New York

Eine Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, Mamdani sei sowohl antiisraelisch als auch antisemitisch

 28.11.2025

Berlin

Israel, der Krieg gegen die Hamas und die Völkermord-Legende

Der israelische Militärhistoriker Danny Orbach stellte im Bundestag eine Studie und aktuelle Erkenntnisse zum angeblichen Genozid im Gazastreifen vor – und beklagt eine einseitige Positionierung von UN-Organisationen, Wissenschaft und Medien

 27.11.2025

USA

Staatsanwaltschaft rollt den Fall Etan Patz neu auf

Der jüdische Junge Etan Patz verschwindet am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule. Jahre später wird er für tot erklärt

 27.11.2025

Debatte

Neue Leitlinie zum Umgang mit NS-Raubgut für Museen und Bibliotheken

In Ausstellungshäusern, Archiven und Bibliotheken, aber auch in deutschen Haushalten finden sich unzählige im Nationalsozialismus entzogene Kulturgüter. Eine neue Handreichung soll beim Umgang damit helfen

von Anne Mertens  27.11.2025

Düsseldorf

Breite Mehrheit im Landtag wirbt für Holocaust-Zentrum in NRW

Große Mehrheit im NRW-Landtag: Fast alle Fraktionen werben für NRW als Standort eines vom Bund geplanten Holocaust-Bildungszentrums. Bayern und Sachsen sind ebenfalls im Rennen

von Andreas Otto  27.11.2025