Meinung

Auch wir waren Flüchtlinge

Ilan Cohn Foto: Michael Thaidigsmann

Das Thema Migration ist wieder ganz oben auf der Agenda. Nicht ohne Grund: In diesem Jahr wird die Zahl derer, die in der EU Schutz suchen, so hoch sein wie seit 2015 nicht mehr.

Die Not dieser Menschen ist real, doch in den meisten EU-Ländern werden sie als eine Belastung empfunden – nicht zuletzt, weil fremdenfeindliche Parteien Zuwanderer zu Sündenböcken machen und daraus politisches Kapital schlagen. Der EU-Migrations- und Asylpakt, über den nun verhandelt wird, soll dafür sorgen, dass es einerseits zu einer Entspannung der Lage kommt und andererseits mehr Solidarität Einzug hält.

drittstaaten Eigentlich müsste genau das in Europa eine Selbstverständlichkeit sein. Doch die europäischen Regierungen ziehen es stattdessen vor, Drittstaaten zu verpflichten, Migranten daran zu hindern, die EU-Außengrenzen zu erreichen. So lagert die EU ihre Migrationskontrolle an Länder mit einer schlechten Menschenrechtsbilanz wie Libyen, Türkei und Niger aus.

Es sollte für uns selbstverständlich sein, Bedürftigen Mitgefühl entgegenzubringen und sie mit Würde zu behandeln.

Solche Abkommen retten aber weder Leben noch verhindern sie, dass Menschen sich in die Hände von Schleusern begeben. Eher wählen Migranten in ihrer Verzweiflung noch gefährlichere Routen, um nicht abgefangen zu werden. Auch davon profitieren die Schmuggler. Erste Auswirkungen sind schon jetzt sichtbar: Die tunesischen Behörden zwingen Migranten dazu, die libysche Grenze zu überqueren, und lassen sie dort ohne Nahrung, Wasser oder ein Dach über dem Kopf zurück.

An Sukkot gedenken wir Juden des Auszugs unserer Vorfahren aus Ägypten. Sie flohen vor Sklaverei und Unterdrückung. Es sollte für uns selbstverständlich sein, Bedürftigen Mitgefühl entgegenzubringen und sie mit Würde zu behandeln. Auf politischer Ebene täte die EU gut daran, auf einen Ansatz zu setzen, der sowohl das Recht der Staaten, ihre Grenzen zu kontrollieren, als auch die Rechte von Flüchtlingen respektiert.

Der Autor ist Geschäftsführer der jüdischen Flüchtlingshilfsorganisation HIAS Europe.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026