EILMELDUNG! Friedensgespräche zwischen USA und Mullahs scheitern

Sachsen

Auch wir sind gemeint

Heidenau: Die Protestler in Sachsen bezeichnen sich selten als rechtsextrem, machen sich aber mit Neonazis gemein. Foto: dpa

Es ist nicht schön und macht kein bisschen stolz, bekennen zu müssen: Leider ist das eingetreten, was wir prognostiziert haben. Nach den von Hass geprägten Aufmärschen im sächsischen Freital vor wenigen Wochen war es leider realistisch anzunehmen, dass die Situation im Freistaat Sachsen weiter eskalieren wird. Nun, im sächsischen Heidenau, nahe Dresden, ist sie eskaliert. Weitere Ausschreitungen kann niemand mehr ausschließen, auch nicht, dass es zu Schlimmerem kommt.

Der Ausbruch des Hasses, den wir gerade erleben – und wie man sagen muss: nicht nur, aber doch vor allem in Sachsen –, hat seine geistige Vorgeschichte in den hiesigen Pegida-Demonstrationen und den seit vielen Jahren gepflegten Neonazidemonstrationen zum 13. Februar 1945, den sogenannten Gedenkmärschen aus Anlass des Bombardements Dresdens im Zweiten Weltkrieg.

Was aber besonders auffällt und was auch uns Juden in Dresden ängstigt, ist der Befund, dass es anscheinend keine Berührungsängste zwischen sogenannten normalen Bürgern und erklärten Rechtsextremisten gibt. Wir kennen das leider schon von den Aufmärschen zum 13. Februar, als oft Nazis die Richtung des Erinnerns vorgaben.

Gefahr Das ist die größte Gefahr für die Zivilgesellschaft, zu der ja auch die jüdische Gemeinde gehört. Der Mangel an Distanz zu offenen Nazis birgt in Sachsen die Gefahr, dass es jederzeit an anderen Stellen zu Ausschreitungen kommen kann.

Wer glaubt, immer noch differenzieren zu müssen, und behauptet, die sogenannten normalen Bürger seien nicht fremdenfeindlich, nicht rassistisch, sondern nur besorgt, übersieht deren Bereitschaft, in bestimmten Fällen mit erklärten Ausländerfeinden gemeinsame Sache zu machen. Selbst der Bürgermeister von Heidenau, der in seiner Stadt sehr aktiv für eine Willkommenskultur der Bürger eintritt, glaubte vor Kurzem noch abschwächen zu müssen: Fremdenfeindlich seien seine Bürger doch nicht, was man schon daran sehe, dass sie sich – bislang – nicht an den Aylbewerbern selbst vergangen hätten. Wer so redet, hat noch nicht wirklich begriffen, wie schnell rechtsextremes Gedankengut auf die oft beschworene Mitte der Gesellschaft übergehen kann.

Wir erleben das Versagen der Politik. Ministerpräsident Stanislaw Tillichs Worte über die Krawalle in Heidenau – »Das ist nicht unser Sachsen« – sind zwar gut gemeint, thematisieren aber nicht, dass sich ganz normale Bürger entweder an Ausschreitungen beteiligen oder sie zumindest billigen.

NPD Die NPD ist in diesem Bundesland strukturell stark verankert. Ihre Funktionäre sitzen in Kommunalparlamenten und machen mit bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im Sportverein. Sie werden in Sachsen viel zu oft als normale Lokalpolitiker wahrgenommen, die vielleicht etwas übertriebene Ansichten haben, sich aber sonst im Lokalen und Regionalen vermeintlich gut engagieren. So knüpfen sie ihre menschenfeindliche Ideologie an Stimmungen an, die wirklich in der Gesellschaft existieren – etwa gegenüber den Asylbewerbern, die es derzeit in größerer Zahl gibt.

Es stellt ja in der Tat ein ernstes Problem dar, mit einer so großen Menge an Flüchtlingen, die derzeit nach Europa gelangen, zurechtzukommen. Wer sich aber in den entsprechenden Kreisen umhört, findet schnell heraus: Ihnen ist die große Zahl der Asylbewerber nur ein Anlass, um gegen die Fremden schlechthin zu polemisieren. Besonders auffallend daran ist: Viele von denen, die derzeit so laut hetzen, würden sich selbst gar nicht als rechtsextrem bezeichnen.

Für die jüdische Gemeinde bedeutet das: Wir können nicht einfach weggucken oder uns für unzuständig erklären, weil es uns scheinbar nichts angeht. Die Aggressionen, von denen die Medien aus Heidenau und Freital berichten, wenden sich gegen die Fremden an sich. Und wir Juden können jederzeit wieder zu Fremden gemacht werden.

Ignatz Bubis Als 1992 in Rostock-Lichtenhagen Ausländerwohnheime brannten, war es zunächst einmal nicht die Politik, die die ungeheure Gefahr erkannte, sondern es war der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, der dorthin reiste und die bedrohten Menschen unserer Solidarität versicherte. Diese Erkenntnis gilt leider bis heute: Auch wir können gemeint sein, wenn mit Gewalt gegen andere Menschen vorgegangen wird.

Seit Jahrzehnten werden in schöner Regelmäßigkeit immer wieder Studien präsentiert, die bei etwa 20 Prozent der deutschen Bevölkerung latenten Antisemitismus oder latente Fremdenfeindlichkeit feststellen. Latent heißt: schlummernd, jederzeit ist ein Ausbruch des Hasses möglich. Aber ist das ein Klima, in dem wir leben möchten und in dem Kinder aufwachsen sollten?

Die Autorin ist Historikerin und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden.

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Krieg

»Schlechte Nachrichten für Iran«: Friedensgespräche zwischen USA und Mullahs scheitern

Wie es nun weitergeht, ist unklar

von Gaby Mahlberg  12.04.2026

Beirut

Unruhe im Libanon: Protest gegen Gespräche mit Israel

Die libanesische Regierung hat seit langem Gespräche mit Israel gefordert. Nun soll es bald so weit sein. Anhänger der Terrormiliz Hisbollah gehen dagegen auf die Straße

 11.04.2026

Pakistan

USA und Iran verhandeln in Islamabad

Die Delegationen aus den USA und dem Iran sind mit langen Wunschlisten in die pakistanische Hauptstadt gekommen. Die Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Iran-Kriegs versprechen, schwierig zu werden

 11.04.2026

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026