Israel

Atomares Säbelrasseln

Zu Übungszwecken: Israelische Soldaten proben in der Nähe von Holon den Ernstfall. Foto: Flash 90

Israel

Atomares Säbelrasseln

Wird es einen Militärschlag gegen den Iran geben?

von Pierre Heumann  08.11.2011 10:07 Uhr

Der Iran und sein Nuklearprogramm sorgen wieder einmal für Schlagzeilen. Nach Erkenntnissen der Internationalen Atom-
energiebehörde (IAEO) hat Teheran zumindest bis zum vergangenen Jahr an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Der Wiener Behörde liegen Hinweise vor, dass verschiedene Projekte und Experimente zur Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes durchgeführt wurden, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Diese Analyse hat in Israel bereits zuvor zu einer hitzigen, öffentlich ausgetragenen Debatte über einen israelischen Militärschlag geführt.

Debatte Die israelische Bevölkerung wird regelrecht auf einen Angriff vorbereitet. Politiker, Geheimdienstler, Publizisten und Militärs überbieten sich seit Ende Oktober mit Spekulationen, Einschätzungen und Analysen über die Attacken, die möglicherweise bevorstehen. Doch es gibt auch harte News, die die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs betonen sollen. So meldete die israelische Presse in der vergangenen Woche, es gäbe Vorbereitungen für einen Fliegerangriff auf iranische Anlagen. Je näher der Termin rückte, an dem der Iran-Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde publiziert werden sollte, desto intensiver fielen die Medienberichte aus.

Den Anfang des Iran-Hype machte Ende Oktober Nahum Barnea, einer der einflussreichsten Kommentatoren Israels. In seinem prominent aufgemachten Leitartikel »Atomarer Druck« gab der in höchsten Regierungskreisen bestens vernetzte Barnea seiner Befürchtung Ausdruck, dass Premier Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak Pläne für eine militärische Intervention im Iran vorbereiten würden. Vielen Offizieren, Ministern und ausländischen Politikern würde das Sorgen bereiten, schrieb der Journalist. Er forderte dringend eine öffentliche Debatte über die militärischen und politischen Risiken eines Angriffs.

Plan Wenige Tage später berichtete die Tageszeitung Haaretz, dass Barnea offenbar richtig gelegen hatte. Netanjahu habe versucht, dem Sicherheitskabinett den Iran-Angriff schmackhaft zu machen. Außenminister Avigdor Lieberman habe sich anfänglich zwar skeptisch gezeigt, sich dann aber von Netanjahu überzeugen lassen. Jetzt stehe er dem Angriffsplan positiv gegenüber. Doch eine Mehrheit im Sicherheitskabinett habe sich dagegen ausgesprochen.

Innenminister Eli Jishai wird mit der Aussage zitiert, er »habe schlaflose Nächte« wegen der Iran-Problematik. Am vergangenen Wochenende äußerte sich schließlich auch Staatspräsident Schimon Peres. Ein Militärschlag werde »immer wahrscheinlicher«, sagte er in einem Fernseh-Interview. »Die Geheimdienste aller Länder wissen, dass die Zeit abläuft«, sagte Peres: Der Iran könne schon in sechs Monaten über eine Atombombe verfügen.

US-Präsident Barack Obama nutzte seinen Auftritt im französischen Cannes, um seine Sorge vor dem iranischen Griff nach der Atomwaffe zu betonen. »Was ich besonders erwähnen möchte«, sagte er nach einem Vieraugengespräch mit dem französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy zum Auftakt des G-20-Treffens, »ist die fortwährende Bedrohung durch das Atomprogramm des Iran«.

Bedrohung In Israel gibt es indessen auch Stimmen, die die iranische Atomgefahr relativieren. Zu ihnen gehört zum Beispiel der ehemalige Mossad-Chef Efraim Halevy. In der Zeitung Yedioth Ahronoth schrieb er, das iranische Atomprogramm sei weit davon entfernt, eine existenzielle Bedrohung für Israel zu sein. Parallel zur politischen Debatte berichteten die Medien über militärische Übungen, die als Vorbereitungen eines Angriffs interpretiert werden.

Am 2. November wurde von der Air-Force-Basis Palmachim eine ballistische Testrakete über dem Mittelmeer abgeschossen, die nukleare Sprengköpfe transportieren kann. Sie soll eine Reichweite von 5.000 Kilometern haben. Am gleichen Tag wurde bekannt, dass die israelische Luftwaffe Ende Oktober eine groß angelegte Übung für einen Angriff auf ein entferntes Ziel durchgeführt habe und zwar auf einem Nato-Stützpunkt in Italien. An der Übung waren unter anderem Kampfstaffeln und Maschinen zur Luftüberwachung oder zur Betankung in der Luft beteiligt.

Auch ausländische Medien schalteten sich in die Berichterstattung über militärische Vorbereitungen ein. Eine britische Zeitung berief sich auf Quellen im Londoner Verteidigungsministerium und in Whitehall, wonach an Schubladenplänen gearbeitet werde. Die Initiative für einen Erstschlag würde von den USA ausgehen, aber London könnte, falls von den Amerikanern darum gebeten, seine Mithilfe nicht verweigern.

Am 3. November wurde ein Raketenangriff auf das Zentrum von Israel simuliert: Im Lande heulten während 90 Sekunden die Sirenen, um die Funktionstüchtigkeit des Zivilschutzes zu testen. Am selben Tag drohte der iranische Außenminister, sein Land sei bereit zum Krieg. Bereits am 30. Oktober hatten Nachrichtenagenturen die Meldung verbreitet, dass die USA ihre Truppenpräsenz am Arabischen Golf aufstocken wollen.

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026