Diplomatie

Antrittsbesuch in Jerusalem

Außenminister Heiko Maas und Israels Premier Benjamin Netanjahu (r.) Foto: ddk

Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.» Diesen Satz, den Heiko Maas in seiner Antrittsrede als neuer Bundesaußenminister am 14. März im Auswärtigen Amt in Berlin sagte, hat man in Israel mit besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen. Bei seinem Antrittsbesuch in Jerusalem wurde er mehrfach darauf angesprochen.

Auch bei seiner Begegnung mit Benjamin Netanjahu zum Abschluss seines zweitägigen Aufenthaltes hallten die Worte nach. Israels Premierminister versicherte seinem Gast, dass sie inspiriert und bewegt hätten, «sie haben unsere Herzen erreicht». Netanjahu würdigte ausdrücklich den Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus und nannte Maas mehrfach einen «Freund».

siedlungspolitik Wenn es im Gespräch unter vier Augen auch Meinungsverschiedenheiten vor allem in den Fragen der Siedlungspolitik, der Zweistaatenlösung und des iranischen Atomprogramms gegeben haben soll, sagte Heiko Maas anschließend, dass man «in den Zielvorstellungen nahezu überall übereinstimmen» würde. Nur über den Weg zu den Zielen gebe es unterschiedliche Auffassungen. Er versicherte zugleich, dass Deutschland immer an der Seite Israels stehen werde.

Maas dankte dafür, überall so freundlich und warmherzig empfangen worden zu sein. Das sei keine Selbstverständlichkeit und fühle sich an «wie ein unverdientes Geschenk». Ihm sei sehr daran gelegen, die deutsch-israelische Freundschaft weiterzuentwickeln und den Austausch zwischen den Ländern zu verbessern.

Entsprechend hatte sich Maas auch nach einer Begegnung mit Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am Tag zuvor geäußert. Auch dabei sei es um die besondere geopolitische Lage und Israels Bedürfnis nach Sicherheit gegangen. Und auch hier wurde viel Übereinstimmung, aber auch unterschiedliche Auffassungen deutlich. «Man muss sich nicht in allen Punkten in der Sache einig sein, um gute Freunde bleiben zu können», so Maas.

Yad Vashem Am Sonntag hatte der Außenminister gleich zum Auftakt seiner Reise und direkt nach Ankunft die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Nach einer Führung durch die Ausstellung entfachte er in der Halle der Erinnerung die Ewige Flamme, legte einen Kranz nieder und verharrte in einer Schweigeminute.

Ins Gästebuch schrieb er anschließend: «Die Erinnerung darf niemals enden.» Deutschland trage die Verantwortung für das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Die Schoa bleibe Mahnung und Auftrag, weltweit für Menschenrechte und Toleranz einzutreten, heißt es weiter. «Jeder Form von Antisemitismus und von Rassismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen. Überall und jeden Tag.»

Der Antrittsbesuch war – nach Paris, Warschau, Brüssel und Rom – die fünfte Auslandsreise und die erste Reise ins außereuropäische Ausland des neuen deutschen Chefdiplomaten. Es sei ihm sehr wichtig gewesen, sehr bald Israel zu besuchen, und damit auch ein Zeichen «für die unverbrüchliche Freundschaft zwischen dem Staat Israel und Deutschland» zu setzen, sagte Maas. ddk

Kommentar

Berlin liebt dich nicht.

Niemand will Berlins alljährlichen Böllerkrieg. Außer die, die durchknallen, und die, die daran verdienen

von Sophie Albers Ben Chamo  01.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  01.01.2026

Terror

Warum?

Die nichtjüdische Deutsche Carolin Bohl wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas brutal ermordet. Hier nimmt ihre Mutter Abschied von der geliebten Tochter

von Sonja Bohl-Dencker  31.12.2025

Deutschland

Bildungszentrum von Yad Vashem soll Leerstelle füllen

Das in Deutschland geplante Bildungszentrum der Gedenkstätte Yad Vashem soll ein größeres Bild in den Dialog der Erinnerungskultur bringen

 31.12.2025

Rohstoffe

Wandel durch Handel

Der Erdgasdeal zwischen Israel und Ägypten hat auch eine sicherheitspolitische Dimension

von Sabine Brandes  31.12.2025

Arlington (Virginia)

USA genehmigen Milliardenauftrag: Neue F-15-Kampfjets für Israel

Der Vertrag umfasst die Entwicklung, Integration, Erprobung, Produktion und Lieferung von zunächst 25 neuen Maschinen

 30.12.2025

Meinung

Solidarität mit Somaliland

Sabine Brandes findet Israels Anerkennung der Demokratie am Horn von Afrika nicht nur verblüffend, sondern erfrischend

von Sabine Brandes  30.12.2025

Meinung

Für mich heißt Neujahr Nowy God

Das Neujahrsfest hat mit dem Judentum eigentlich nichts zu tun. Trotzdem habe ich warme Erinnerungen an diesen Feiertag

von Jan Feldmann  30.12.2025

London

Vorwurf gegen Facebook: Beiträge feiern Mord an Juden und bleiben online

»Die Beiträge, die den Anschlag von Bondi feiern, sind schlicht widerwärtig«, sagt Dave Rich von der jüdischen Organisation CST in England

 30.12.2025