Niedersachsen

Beauftragter gegen Antisemitismus fordert Aiwanger-Rücktritt

Gerhard Wegner, ist Niedersachsens neuer Landesbeauftragter gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens Foto: picture alliance/dpa

In der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt hat der Antisemitismusbeauftragte des Landes Niedersachsen, Gerhard Wegner, Bayerns Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zum Rücktritt aufgefordert.

»Anstatt sich hinzustellen und sich in angemessener und wirklich glaubwürdiger Weise für diese unsägliche und auch eklige Schrift zu entschuldigen, wird verschleiert, wie es dazu gekommen ist. Das finde ich absolut unbefriedigend«, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). »Deshalb müsste Aiwanger eigentlich zurücktreten, wenn ihn Markus Söder schon nicht entlassen will.«

Antisemitische »Witze« Wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtete, soll Aiwanger in den 1980er Jahren als Gymnasiast ein von Judenhass geprägtes Pamphlet unter dem Titel »Wer ist der größte Vaterlandsverräter?« verfasst haben. Zudem werfen ehemalige Mitschüler dem Politiker vor, damals den Hitlergruß gezeigt, antisemitische »Witze« gerissen und nationalistisches Gedankengut verbreitet zu haben. Aiwanger bestreitet die Vorwürfe weitgehend.

Wegner betonte, der Fall Aiwanger zeige, »welcher Grad von Antisemitismus in Schulen und Gymnasien in den 1980er Jahren möglich war - nicht nur in Bayern«. Derart »absurde und auch eklige Formen des Gymnasiastenhumors« seien damals verbreitet gewesen. »Das weiß ich aus eigener Erinnerung«, sagte der einstige Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Am kommenden Montag (4. September) führt Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) Wegner offiziell in das Ehrenamt des Landesbeauftragten gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens ein. Er hat dieses Amt bereits seit einem halben Jahr inne.

Gesellschaftliches Problem Wegner unterstrich, dass Antisemitismus weiterhin ein verbreitetes gesellschaftliches Problem ist. Er verwies darauf, dass Untersuchungen zufolge vier Prozent der Menschen in Deutschland »als harter Kern der Antisemiten« gelten. Der Kreis jener, die judenfeindliches Verhalten akzeptierten oder sogar guthießen, sei um ein Vielfaches größer.

Israelbezogener Antisemitismus sei in Deutschland inzwischen sogar mehrheitsfähig. 55 Prozent der Deutschen behaupteten, Israel würde die Palästinenser genauso behandeln, wie die Deutschen in der NS-Zeit mit den Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens verfahren seien, sagte Wegner. »Das ist in mehrfacher Hinsicht furchtbar falsch - und da muss man dagegenhalten«, betonte er. epd

Israel

Warnung vor Hamas-Überfall ignoriert? Netanjahu dementiert

Emiratischer Präsident soll Netanjahu angerufen haben. Netanjahu reagierte angeblich gelassen. Emirate wollen sich nicht zu Berichten äußern

 08.09.2026

Deutschland

»Anklage wegen Volksverhetzung«: Landgericht Mannheim eröffnet Strafverfahren gegen Xavier Naidoo

Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhob zweimal Anklage gegen den Sänger wegen Volksverhetzung. Eine davon lässt das Landgericht Mannheim nun zu

 08.09.2026

Kommentar

Ein Weckruf

Der AfD-Erfolg liegt vor allem im Scheitern jener Parteien, die die Bundesrepublik seit Jahrzehnten prägen. Verloren gegangenes Vertrauen muss nun schnellst möglich wieder zurückgewonnen werden

von Josef Schuster  08.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  08.09.2026

Meinung

Ein Sonntag genügt!

Was gehen uns in der Schweiz die Wahlen in Sachsen-Anhalt an? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten wird klar: Das Problem ist nicht nur die Partei selbst

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.09.2026

Magdeburg

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Meinung

London belohnt die Verweigerungshaltung der Palästinenser

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Nahost

Großbritannien wirft Israel »ethnische Säuberungen« im Westjordanland vor

Aus Israel und den USA kommt scharfe Kritik. Deutschland schließt sich der Initiative Großbritanniens nicht an

 08.09.2026

Den Haag

Deutschland verteidigt Waffenexporte nach Israel

Deutschland betont vor dem Internationalen Gerichtshof, dass seine Rüstungsexporte nach Israel internationalen Vorgaben entsprechen. Die Richter müssen entscheiden, ob es zum Hauptverfahren kommt

 08.09.2026