Rechtsextremismus

Anti-Rechts-Initiativen fordern dauerhafte Förderung

Demonstration gegen Rechts Foto: dpa

Verbände und Initiativen gegen Rechtsextremismus haben von der Bundesregierung eine dauerhafte Förderung ihrer Arbeit angemahnt. Die Bundesregierung müsse Verantwortung übernehmen und die zeitlich befristete Förderung erfolgreicher Arbeit in eine Dauerförderung umwandeln, heißt es in einem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Rechtsgutachten.

Darin kommen die Staatsrechtler Ulrich Battis (Humboldt-Universität Berlin) und Joachim Grigoleit (Technische Universität Dortmund) zum Ergebnis, dass eine dauerhafte Finanzierung der Arbeit gegen Neonazismus und für Demokratieförderung verfassungsrechtlich möglich sei. Das im Auftrag von 15 Verbänden und Initiativen erstellte Gutachten widerspricht damit der bisherigen Auffassung des Bundesfamilienministeriums, wonach die Beratungs- und Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus nur einmalig oder lediglich zeitlich befristet gefördert werden kann.

Zentralrat Mit zu den Auftraggebern des Gutachtens gehören unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung, die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, der Deutsche Bundesjugendring, der Zentralrat der Juden, Zentralrat der Muslime, die Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung sowie regionale Initiativen und mehrere Opferberatungsstellen. In einer Erklärung des Zentralrats der Juden heißt es dazu: »Wohlfeile Absichtserklärungen und Beschlüsse gibt es im Überfluss. Appelle sind an Zivilgesellschaft und Politik gerichtet. Nun gilt es, diese Absichten auch in überzeugende Strukturen zu überführen.«

Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums, das die Präventionsarbeit der Initiativen gegen Rechtsextremismus derzeit mit 24 Millionen im Jahr fördert, sagte auf Anfrage, der Bund schöpfe schon jetzt im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten alles aus, was rechtlich zulässig sei. Eine dauerhafte Finanzierung der Initiativen durch die Länder sei aber möglich und werde auch ausdrücklich gewünscht.

Finanzsicherheit Die Gutachter schlagen jetzt die Gründung einer Stiftung oder einer gemeinnützigen GmbH vor. Dabei sollte das derzeitige Fördervolumen verdoppelt werden, um auch in den westlichen Bundesländern nachhaltige zivilgesellschaftliche Strukturen zu etablieren, erklärte Timo Reinfrank von der Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung.

Die Förderung von Initiativen gegen Rechts unterliege »staatlicher, insbesondere aber gesamtgesellschaftlicher Verantwortung«, erklären die Gutachter. Zur Wahrnehmung dieser Verantwortung seien die Träger auf ein gewisses Maß an Finanzsicherheit angewiesen, heißt es. Eine Neustrukturierung der Förderung sollte auch die Verantwortung der Länder für die demokratische Kultur vor Ort berücksichtigen, forderte Reinfrank. epd/ja

Berlin

Mehr Störungen an NS-Gedenkstätten

In Gästebüchern wird immer öfter eine Tonlage »im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten« registriert

 26.01.2026

Essay

Zynische Umdeutung der Geschichte

Der Holocaust ist zur moralischen Währung geworden – und wird nun gegen die Juden selbst verwendet

von Johannes C. Bockenheimer  26.01.2026

Interview

»Den Worten müssen Taten folgen«

Ron Prosor über das Holocaust-Gedenken am 27. Januar, die Bedrohung jüdischen Lebens, den Zustand des deutsch-israelischen Verhältnisses und seine Position als Botschafter in Berlin

von Detlef David Kauschke  26.01.2026

New York

Columbia University beruft Jennifer Mnookin zur neuen Präsidentin

Die jüdische Rechtswissenschaftlerin übernimmt, nachdem in den vergangenen zwei Jahren zwei Präsidenten zurückgetreten waren – wegen ihres unzureichenden Umgangs mit Antisemitismus auf dem Campus

 26.01.2026

Berlin

Holocaust-Überlebende: Verteidigen Sie die Demokratie

Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz formuliert Eva Umlauf einen dringlichen Appell. Darin geht es auch um die AfD

 26.01.2026

Teheran

Iranische Proteste: 36.000 Menschen getötet

Das exiliranische Nachrichtenportal Iran International und amerikanische Medien berichten von extrem hohen Opferzahlen

 26.01.2026

Standpunkt

Wenn Recht Unrecht schützt

Das Völkerrecht ist als Konsequenz aus der Schoa entstanden. Es sollte die Würde jedes Menschen schützen. Doch mittlerweile schützt es allzu oft bloß die Diktatoren dieser Welt

von Michael Wolffsohn  25.01.2026

Berlin

Mutmaßlicher Hamas-Waffenschmuggler festgenommen

Bei seiner Ankunft aus Beirut ist ein Mann am Flughafen BER verhaftet worden. Er soll der Hamas angehören und Munition für Anschläge beschafft haben

 24.01.2026

Leipzig

Extremismusverdacht gegen sächsische Beamtin und BSW-Mitarbeiterin

Die Landesdirektion will die Vorwürfe im Fall ihrer hochrangigen Mitarbeiterin prüfen. »Gegebenenfalls werden weitere Schritte eingeleitet«, sagt ein Sprecher

 23.01.2026